| von Mark V. Hansen aus „Hühnersuppe für die Seele“ (1996) |
Nachdem ich die ganze Nacht von Washington D. C. hierhergeflogen war, war ich müde, als ich an der Mile-Hochkirche in Denver ankam, um drei Gottesdienste abzuhalten und einen Workshop über das Bewußtsein für Wohlstand zu veranstalten. Als ich in die Kirche trat, fragte mich Dr. Fred Vogt: „Kennen Sie die Stiftung ‘Wünsch dir was’?“
„Ja“, antwortete ich.
„Nun, bei Amy Graham wurde eine unheilbare Leukämie festgestellt. Sie gaben ihr drei Tage. Ihr letzter Wunsch war, an Ihren Gottesdiensten teilzunehmen.“
Ich war schockiert. Ich fühlte eine Mischung aus Begeisterung, Ehrfurcht und Zweifel. Ich konnte es nicht glauben. Ich dachte, daß Kinder, die im Sterben lagen, Disneyland sehen, Sylvester Stallone, Mr. T. oder Arnold Schwarzenegger treffen wollten. Sicherlich würden sie ihre letzten Tage nicht damit verbringen wollen, Mark Victor Hansen zuzuhören. Warum sollte ein Kind, das nur noch wenige Tage zu leben hatte, kommen, um einen motivierenden Redner zu hören? Plötzlich wurden meine Gedanken unterbrochen.
<„Hier ist Amy“, sagte Vogt, als er ihre zerbrechliche Hand in meine legte. Vor mir stand ein 17jähriges Mädchen, das einen leuchtendroten und orangefarbenen Turban trug, um ihren Kopf zu bedecken, der durch all die chemotherapeutischen Behandlungen kahl geworden war. Ihr zerbrechlicher Körper war gebeugt und schwach. Sie sagte: „Meine beiden Ziele waren, die High-School abzuschließen und an Ihrer Predigt teilzunehmen. Meine Ärzte glaubten, daß ich weder das eine noch das andere tun könnte. Sie glaubten nicht, daß ich genug Kraft hätte. Ich wurde in die Obhut meiner Eltern entlassen... Dies sind meine Eltern.“
Tränen stiegen mir in die Augen; ich war wie zugeschnürt. Mein Gleichgewicht wurde erschüttert. Ich war gänzlich gerührt. Ich räusperte mich, lächelte und sagte: „Du und deine Eltern sind unsere Gäste. Danke für Ihr Kommen.“ Wir umarmten einander, wischten unsere Tränen weg und trennten uns.
Ich habe an vielen Heilseminaren in den Vereinigten Staaten, Kanada, Malaysia, Neuseeland und Australien teilgenommen. Ich habe die besten Heiler bei ihrer Arbeit beobachtet, und ich habe studiert, untersucht, gehört, bedacht und hinterfragt, was funktionierte, warum und wie.
An diesem Sonntagnachmittag hielt ich ein Seminar ab, an dem Amy und ihre Eltern teilnahmen. Der Zuhörersaal war bis zum Bersten voll mit über tausend Teilnehmern, die begierig waren, zu lernen, zu wachsen und voll und ganz menschlich zu werden.
Ich fragte die Zuhörer bescheiden, ob sie einen Heilungsvorgang kennenlernen wollten, der ihnen für ihr Leben dienen könnte. Von der Bühne aus gesehen, schien jeder seine Hand zu heben. Sie wollten einmütig lernen.
Ich lehrte die Zuhörer, ihre Hände energisch aneinander zu reiben, sie um zwei Zoll voneinander zu entfernen und die heilende Energie zu spüren. Dann gruppierte ich sie paarweise, damit sie spürten, wie die heilende Energie von sich selbst auf den anderen überging. Ich sagte: „Wenn Sie Heilung brauchen, nehmen Sie sie hier und jetzt an.“
Die Zuhörer waren im Gleichklang, und es war ein ekstatisches Gefühl. Ich erklärte, daß jeder heilende Energie und heilendes Potential besitzt. Fünf Prozent von uns besitzen sie, von unseren Händen ausströmend, in einem so großen Ausmaß, daß wir sie zu unserem Beruf machen können. Ich sagte: „An diesem Morgen wurde ich Amy Graham vorgestellt, einer 17jährigen, deren letzter Wunsch es ist, bei diesem Seminar zu sein. Ich möchte sie hier heraufbringen und Sie alle heilende Energie zu ihr senden lassen. Vielleicht können wir helfen. Sie hat nicht darum gebeten. Ich tue dies spontan, weil es richtig zu sein scheint.“
Die Zuhörer riefen im Chor: „Ja! Ja! Ja! Ja!“
Amys Vater führte sie auf die Bühne hinauf. Sie sah durch die Chemotherapie, zuviel Bettruhe und fehlendes körperliches Training geschwächt aus. (Ihre Ärzte hatten sie in den zwei Wochen vor diesem Seminar nicht spazierengehen lassen.“ Ich ließ die Gruppe die Hände aufwärmen und ihr heilende Energie senden, wonach sie ihr im Stehen tränenreich Beifall klatschte.
Zwei Wochen später rief sie an, um mitzuteilen, daß ihr Arzt sie nach einer vollständigen Heilung entlassen hatte. Zwei Jahre später rief sie an, um mitzuteilen, daß sie geheiratet hatte.
Ich habe gelernt, die heilende Kraft, die wir alle besitzen, nicht zu unterschätzen. Sie ist immer da, um zum größtmöglichen Wohl benutzt zu werden. Wir müssen uns nur daran erinnern, sie zu gebrauchen.