Stress-Zeit

Stress-The­ra­peu­tin “schwer im Stress”

Wie oft sagen wir “hab kei­ne Zeit, bin im Stress”? Man­che sind sogar “schwer im Stress” – so wie ich in die­ser Woche. Ja, auch Coa­ches und The­ra­peu­ten sind ganz nor­ma­le Men­schen und kei­nes­wegs vor gro­ßen Anspan­nun­gen oder Belas­tun­gen gefeit. Dann ist es ange­bracht, die Rat­schlä­ge, die wir für ande­re haben, selbst umzu­set­zen. Wie ich mit extre­men Anspan­nun­gen umge­he, ver­ra­te ich Dir von Mensch zu Mensch.

Stress-Ther­peu­tin “schwer im Stress”

Noch immer ste­he ich unter Strom und vibrie­re so vor mich hin. Ich habe eine Wahn­sinns­wo­che hin­ter mir. Lass mich Dir kurz erzäh­len, wor­um es geht:

Ich enga­gie­re mich ehren­amt­lich in einer Ber­li­ner Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Ange­hö­ri­ge von Mord- und Tötungs­fäl­len, und wir waren in den letz­ten Tagen (und Näch­ten) damit beschäf­tigt, öffent­li­che För­der­mit­tel für ein gro­ßes Pro­jekt mit unse­rem einem inter­na­tio­na­len Koope­ra­ti­ons­part­ner zu bean­tra­gen. Jeder, der schon ein­mal einen Antrag auf finan­zi­el­le Zuwen­dun­gen aus öffent­li­chen Töp­fen gestellt hat, weiß, dass dies mit einem Hei­den­auf­wand ver­bun­den ist. Oft kommt unterm Strich nicht das dabei her­aus, was man braucht, um wenigs­tens einen Bruch­teil der Kos­ten abde­cken zu kön­nen, die für die Durch­füh­rung sozia­ler Pro­jek­te not­wen­dig wären. Und oben­drein muss man sich von unqua­li­fi­zier­ten Sach­be­ar­bei­tern, die sich ihren Hin­tern auf ihrem Büro­stuhl platt­sit­zen und mei­nen, wegen der 1.700,- Euro, die sie im Monat ver­die­nen, ihre “Macht” im Sin­ne von “Antrag abge­lehnt” aus­spie­len zu kön­nen, auch noch anschnau­zen oder sogar aus­la­chen lassen.

Ich kann das ertra­gen, aber nicht die Opfer und Ange­hö­ri­gen von Gewalt­ver­bre­chen, die zum Teil schwerst trau­ma­ti­siert sind und sich ihren Weg zurück ins Leben hart erkämp­fen müs­sen, wäh­rend die Täter eine Reso­zia­li­sie­rungs­maß­nah­me nach der ande­ren bekom­men und das alles auf Kos­ten der All­ge­mein­heit. Für die Betrof­fe­nen ist die­ses Ver­hal­ten und die Arro­ganz sei­tens deut­scher und inter­na­tio­na­ler Insti­tu­tio­nen ein wei­te­rer Schlag ins Gesicht. Und dabei wird gera­de in Deutsch­land und Euro­pa so viel von Anti­stig­ma­ti­sie­rung und Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­maß­nah­men gesprochen.

Anträ­ge stel­len — für vie­le der blan­ke Horror

Wer reso­zia­li­siert die Opfer? Sie müs­sen alles, was sie aus öffent­li­chen Töp­fen haben wol­len, bean­tra­gen. Und glau­be bit­te nicht, dass das ein­fach ist. Wenn Du selbst schon ein­mal einen Antrag auf Leis­tun­gen gestellt hast (egal wo), weißt Du, wie auf­wen­dig das ist und wie schwer den Men­schen das oft gemacht wird.

"It's been a hard day's night
And I've been working like a dog
It's been a hard day's night
I should be sleeping like a log..."
(The Beatles)

In die­ser Woche jeden­falls habe ich mit dem Pro­jekt­team unse­rer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on so hart geschuf­tet, wie schon lan­ge nicht mehr. Wir haben in den letz­ten 48 Stun­den Tag und Nacht durch­ge­ar­bei­tet und wuss­ten teil­wei­se gar nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Was macht man nicht alles, wenn man weiß wofür, nicht wahr? Viel­leicht kennst Du das auch aus eige­ner Erfahrung.

End­lich sind wir fer­tig, haben alles getan, was wir tun konn­ten, um die­sen so wich­ti­gen Pro­jekt­an­trag mit allen Anla­gen und Kos­ten­kal­ku­la­tio­nen zusam­men­zu­stel­len. Das alles in einer Spra­che, die nicht unse­re Mut­ter­spra­che ist und mit tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten, dass es nur so knallt. Die gan­ze Nacht hin­durch hat­te ich damit zuge­bracht, die Anla­gen in ein For­mat zu brin­gen, das von den SAP-basier­ten Pro­gram­men der För­der­stel­le gele­sen wer­den kann. Das fal­sche For­mat wäre ein Ableh­nungs­grund und unse­re gan­ze Arbeit — zumin­dest für die nächs­ten 4 Jah­re — für die Katz’ gewe­sen. Eini­ge Stun­den vor dem Ablauf der Frist ist es mir gelun­gen, alle Antrags­for­mu­la­re nebst Anla­gen auf den Ser­ver der För­der­stel­le hoch­zu­la­den. Nach 4 Anläu­fen hat es schließ­lich geklappt.

Vor Anspan­nung nicht ein­schla­fen können

Und nun sit­ze ich da und heu­le vor Freu­de und Erschöp­fung. Ich beschlie­ße, mich auf ’s Ohr zu hau­en und lege mich ins Bett. Ich kann nicht ein­schla­fen. Da sind die­se Gedan­ken: “Hab ich auch nichts ver­ges­sen? – Hab ich alles rich­tig gemacht? – Was, wenn die gan­ze Sache wegen eines Form­feh­lers oder – noch schlim­mer – wegen eines Flüch­tig­keits­feh­lers schei­tert? Wohl wis­send, dass mir mein Pro­jekt­team nie­mals einen Vor­wurf machen wür­de, weil wir uns alle den Aller­wer­tes­ten auf­ge­ris­sen haben bis zum Geht-nicht-mehr, sind die­se Gedan­ken trotz­dem da. Mona­te­lang hat­ten wir alles vor­be­rei­tet, das kann doch nicht umsonst gewe­sen sein.

Und wäh­rend ich die­se Gedan­ken den­ke, schla­fe ich ich tat­säch­lich ein. Aller­dings nur für zwei Stun­den, dann klin­gelt das Tele­fon, und ich bin wie­der glo­cken­hell wach und total unru­hig. Mei­ne Pro­jekt­lei­te­rin ist dran und teilt mir mit, dass der tech­ni­sche Sup­port der För­der­stel­le mei­ne E‑Mail beant­wor­tet hat, in der ich zum wie­der­hol­ten Mal um Unter­stüt­zung bei der tech­ni­schen Abwick­lung gebe­ten hat­te. Mir wird ganz komisch zumute.

Mei­ne Fra­gen wur­den nicht zu mei­ner Zufrie­den­heit beant­wor­tet, man ver­wies nur auf den Leit­fa­den, der in eng­li­scher Spra­che gehal­ten ist und für den es kei­ne Über­set­zung gibt. Schon Tage zuvor hat­te ich mich da rein­ge­kniet, und für mei­ne zwar guten, aber den­noch nur Schul­eng­lisch-Kennt­nis­se war das eine rie­sen Her­aus­for­de­rung. Mir rutscht das Herz in die Hose.

Ich schaue auf die Uhr und den­ke: “Du hast noch eine knap­pe hal­be Stun­de bis zum Ablauf der Frist, um Ände­run­gen, Ergän­zun­gen und Kor­rek­tu­ren vor­zu­neh­men.” Ich ste­he auf, gehe die Anla­gen noch­mal durch und fin­de tat­säch­lich etwas, das ich beim Hoch­la­den nicht bedacht hat­te. Mein unter­schwel­li­ges Gefühl dies­be­züg­lich hat­te mich also nicht getäuscht.

Ich neh­me mei­ne Ergän­zung vor und lade das gan­ze Gelum­pe zum 5. Mal auf den Ser­ver. Inzwi­schen ist es 11: 47 – nur noch 13 Minu­ten bis zum Ablauf der Frist. Der Upload­vor­gang kam mir vor, wie eine hal­be Ewig­keit. 11: 53 — geschafft, der Upload hat geklappt, und mir ist klar: jetzt kann ich nichts mehr tun, ab jetzt liegt es nicht mehr in meiner/unserer Hand.

Mir schlägt das Herz bis zum Hals, mir wird übel und ich muß ein paar­mal tief aus­at­men. Mei­ne Ner­ven sind bis zum Zer­rei­ßen gespannt. 

Ich neh­me das alles wahr und las­se es so sein, wie es ist. Ich spü­re einen Bewe­gungs­drang in mir und mir wird bewußt, dass sich die Anspan­nung jetzt lösen will. Also sor­tie­re ich die Wäsche und schmei­ße mei­ne Wasch­ma­schi­ne an. Mein Mann kommt nach Hau­se, und wir essen eine Klei­nig­keit. Ich krie­ge kaum was run­ter und erzäh­le ihm nur kurz, wie die letz­ten Tage und Näch­te ver­lau­fen sind.

Ich füh­le mich stark und schwach, unbe­sieg­bar und hilf­los zugleich.

Es kann nicht scha­den, über Metho­den zur Stress­be­wäl­ti­gung zu verfügen

Ich bin ganz froh, eine the­ra­peu­ti­sche Aus­bil­dung zu haben und über Tech­ni­ken zu ver­fü­gen, die mir hel­fen, mich in extre­men Streß-Situa­tio­nen zu beru­hi­gen und mit die­sen Ener­gien ange­mes­sen umzu­ge­hen. Ich weiß nicht, was ich ohne die­ses Wis­sen gemacht hät­te und wie die gan­ze Sache dann ver­lau­fen wäre. Ich war zwar schon immer sehr belast­bar, aber in so einem Fall wäre ich womög­lich total ver­zwei­felt  oder hät­te früh­zei­tig das Hand­tuch geworfen.

So aber habe ich über aus­rei­chen­de Res­sour­cen und Bewäl­ti­gungs­me­cha­nis­men ver­fü­gen kön­nen, um die­se extre­me Zeit zu über­ste­hen, ohne län­ger­fris­tig dabei Scha­den zu neh­men. In der letz­ten Woche hat­te ich bereits über die 7 Geheim­nis­se see­li­scher Abwehr­kräf­te (Resi­li­enz) gesprochen. 

In extre­men Situa­tio­nen kön­nen Men­schen zum Teil über­mensch­li­che Kräf­te ent­wi­ckeln, kön­nen sie bün­deln und die­se Ener­gie über Stun­den, ja sogar Tage hal­ten. Natür­lich müsen sich die­se in den Kör­per­zel­len und im Ner­ven­sys­tem gebun­de­ne Stress-Ener­gien wie­der abbau­en, sonst wer­den wir über kurz oder lang krank.

Wäh­rend ich die­sen Bei­trag schrei­be, läßt die Anspan­nung in mir immer mehr nach und ent­lädt sich in Trä­nen, die mir über’s Gesicht rin­nen. Das ist ok. Ich mer­ke, wie es mir lang­sam bes­ser und bes­ser geht. Mei­ne Schul­tern ent­span­nen sich wie­der etwas, der Rücken auch. Die Kie­fer­mus­ku­la­tur lockert sich, und auch mei­ne Zun­ge liegt wie­der locker im Mund.

Ganz egal, wie unser Pro­jekt­an­trag beschie­den wird: Jeder Ein­zel­ne in unse­rem Pro­jekt­team ist dar­an gewach­sen, und wir sind als Team noch mehr zusam­men­ge­rückt. Wenn das nicht stark macht – dann weiß ich auch nicht!

Coa­ching-Tipp:

Wenn Du Dich in ein­mal unter gro­ßer Anspan­nung befin­dest und Du merkst das, ver­su­che ein­mal, Dich selbst dabei zu beob­ach­ten und wahrzunehmen:

  • wie Du Dich fühlst
  • wel­che Gedan­ken Du denkst
  • wie sich Dein Kör­per anfühlt
  • wie Du atmest
  • wel­che Kör­per­hal­tung Du gera­de einnimmst
  • was Du sonst noch wahrnimmst

Beob­ach­te, ohne etwas ver­än­dern oder damit machen zu wol­len. Nimm wahr, was dann pas­siert…

Wie Du Dich in kur­zer Zeit selbst zur Ruhe bringst, erfährst Du in mei­ner Kurz-Anlei­tung “7 Mini-Übun­gen zum sofor­ti­gen Stress-Abbau”, die Du Dir kos­ten­los her­un­ter­la­den kannst.

Wie Du Dei­ne Dei­ne eige­nen Stress-Aus­lö­ser iden­ti­fi­zie­ren und auch in stres­si­gen Situa­tio­nen selbst­be­wußt und cool han­deln kannst , ver­ra­te ich Dir in mei­nem eBook “So erhöhst du Dei­ne Stress-Kom­pe­tenz”.

Auf Dein per­sön­li­ches Wachstum!

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