Archiv der Kategorie: Selbsthilfe

Der Baum als Kraftspender

Der Baum als Kraftspender

Am 25. April 2015 ist der Internationale Tag des Baumes.

Hast Du schon einmal einen Baum umarmt?

Nein? Dann wird es aber höchste Zeit.

„Ich mache mich doch nicht zum Volldeppen“, wirfst du ein? Ok, ich gebe zu, es mutet zunächst etwas merkwürdig an, so mitten im Stadtpark einen Baum zu umarmen, vor all den Leuten, die kopfschüttelnd und schmunzelnd an einem vorübergehen.

Baumumarmung-JapanWas, wenn ich dir sage, dass es Baum-Umarmungs-Seminare gibt, bei denen die Teilnehmer/innen auch schon mal 60 Euro für einen geführten Spaziergang hinblättern, nur um einen Baum zu umarmen? Immerhin –  ist jedenfalls günstiger als ein Bungee-Sprung, den gibts ab 100 Euro aufwärts und in 5 Sekunden ist alles vorbei. Dafür hat man dann entweder einen herrlichen Adrenalin-Kick oder den Schock fürs Leben – je nachdem, wie man es erlebt. Es soll allerdings auch Leute geben, die für ein Wochenendseminar mit Baum-Umarmung über 1.000 Euro gezahlt haben. Nun gut, jeder nach seiner Façon.

In Japan ist das Umarmen von Bäumen eine Wissenschaft. Shinrin-yoku, zu deutsch „Waldbaden“, heißt der Begriff, der in den 1980er Jahren vom Japanischen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft für den Zustand geprägt wurde, mit dem Wald eins zu werden.

Aber auch hierzulande weiß man, dass ein einfacher Waldspaziergang eine positive Wirkung auf unsere Gesundheit hat.

EichhörnchenBritzerGartenIch nehme an, die meisten von uns mögen Spaziergänge im Wald.  Im Wald herrscht eine besondere Energie, eine spezielle Atmosphäre. Vor allem bei schönem Wetter halten wir uns gerne dort auf. Die Sonne scheint, die Vögel singen, die Blumen blühen, der Wald duftet.

Du erblickst vielleicht ein Eichhörnchen oder ein Reh und bleibst einige Sekunden verzückt stehen und traust dich fast nicht, dich zu bewegen, um das Tier nicht zu verschrecken. Dann wirst du dir der Magie dieses Moments gewahr und genießt es, ganz bei dir, ganz im Hier und Jetzt zu sein. „Augenblick, verweile noch...“

Ein Wald ist mehr als eine Ansammlung von Bäumen und Sträuchern. Ein Wald ist ein lebendiges Ökosystem mit hoher Artenvielfalt, eine Lebensgemeinschaft mit der Fähigkeit zur Selbstregulation. Dies ist beispielsweise bei einer Palmölplantage nicht der Fall, die besteht tatsächlich nur aus einer Ansammlung von Palmen, die gezüchtet und abgeerntet werden. In dieser sklavenartig anmutenden Atmosphäre kann kein Mensch Erholung finden. Verstehst du, was ich meine?

„Ok, ein Waldspaziergang ist etwas Schönes, da sind wir uns einig“, sagst du? „Aber es ist doch ein Unterschied, ob ich nur im Wald spazieren gehe oder mir ganz explizit einen Baum aussuche, um ihn zu umarmen.“

Jeder Baum hat seine eigene Schwingung

Ja, das ist es. Und genau das ist der Punkt. Jeder Baum hat eine andere Energie, jeder Baum hat seine ureigene Schwingungsfrequenz, die eine heilende, zumindest aber wohltuende WIrkung auf uns hat.

Eine Eiche hat eine andere Oberflächenstruktur als eine Buche. Auch die Temperatur ist je nach Baumart unterschiedlich. So fühlt sich eine Eiche oder eine alte LInde oft warm an, eine Buche hingegen eher kühl. Und so hat auch jeder Baum seine eigene Kraft und Symbolik.

Ich liebe es, im Wald oder im Park spazieren zu gehen und mich mit dem Rücken gegen einen Baum zu lehnen, zu dem es mich hinzieht. Manchmal lege ich auch nur eine Hand oder beide Hände gegen den Stamm, erspüre seine Energie und lausche dabei nach innen, was er mir wohl zu „sagen“ hat. Du würdest erstaunt sein, was da so alles vor dem inneren Auge oder dem inneren Ohr auftaucht.

BaumumarmungDie Kraft eines Baumes zu erspüren und auf sich wirken zu lassen, ist eine wundervolle Erfahrung. Wer das einmal erlebt hat, wird es immer wieder haben wollen. Es ist einfach zu schön und tut zu gut, als dass ich darauf verzichten möchte.

Du kannst das alleine machen, wenn du dich nicht traust, von anderen gesehen zu weden. Aber besonders schön ist es auch in einer Gruppe. Wenn es alle machen, ist es weniger „peinlich“, nicht wahr.

Nimm die Energie des Baumes auf 

Du kannst mit dem Baum durch die Berührung und auch innerlich Kontakt aufnehmen. Wie fühlt sich der Stamm an? Warm oder kühl? Kannst du spüren, wie die Energie in ihm fließt? Um was für eine Energie handelt es sich? Wie fühlt sie sich an? Ist es die Energie, die dir gerade fehlt und die du über den Baum in dich aufnehmen kannst?

Gib deine Last ab

Oder möchtest du dem Baum etwas von deiner Last abgeben. Dann lehne dich mit dem Rücken an ihn und stell dir dabei vor, wie er dir etwas von deinem „Gepäck“, das du mit dir herumträgst, abnimmt. Stell dir vor, wie der Baum deine Last aufnimmt und über die Blätterkrone ans Universum abgibt oder über seine Wurzeln in Mutter Erde weiterleitet, die alles transformiert.

Du kannst dich auch mit der Stirn an seinen Stamm lehnen. Das mache ich gerne, wenn mir zu viele Gedanken im Hirn herumschwirren und ich den Kopf wieder frei bekommen will. Die Gedanken beruhigen sich, der Druck in Stirn und Schläfen lässt nach.

Zieht es dich zu einem jungen Baum mit schmalem Stamm und verspielten Blättern oder brauchst du eher die Energie eines alten, weisen Baumes, der dir das Gefühl vermittelt, deine Last auch tragen zu können. Was kann er dir mit auf den Weg geben?

Wenn du das Gefühl hast, jetzt ist es genug, dann bedanke dich bei deinem Baum und verabschiede dich. Du kannst ihn jederzeit wieder besuchen.

entspannungWenn dir das alles zu seltsam erscheint, dann spanne dir doch einfach eine Hängematte zwischen zwei Baumstämme und genieße es, getragen und geschaukelt zu werden.

Dabei kannst du die nachfolgende Imaginationsübung machen. Sie dient zum Krafttanken und dauert nur wenige Sekunden bis Minuten:


Baum-Meditation


Quelle des Beitragsbildes ganz oben: „1000-jährige Eiche Bad Blumau“ von Claus Ableiter – Eigenes Werk http://commons.wikimedia.org/wiki/File:1000‑j%C3%A4hrige_Eiche_Bad_Blumau.JPG#/media/File:1000‑j%C3%A4hrige_Eiche_Bad_Blumau.JPG

Lachen – Wellness für die Seele

Lachen tut der Seele gut

Zähneputzen und Duschen gehört bei den meisten von uns zum täglichen Programm. Wir pflegen unseren Körper mit Peelings, Cremes, Massagen. Unsere Haare lassen wir vom Friseur behandeln, wenn sie stumpf und splissig geworden sind. Wir halten unsere Wohnung und unseren Arbeitsplatz sauber. Sogar unser Auto wird regelmäßig gewartet, gewaschen und gewachst, damit das gute Stück lange läuft und schön glänzt.

Nur eines pflegen wir selten mit so viel Hingabe: unsere Psyche

Dabei ist es sehr gewinnbringend, hin und wieder einen „seelischen Hausputz“ zu machen und sich von unnützem Ballast zu befreien.

Wellness für die Seele (Psychohygiene) zu betreiben bedeutet konkret: 

Maßnahmen zur Erhaltung der seelischen Gesundheit und emotionalen Zufriedenheit 

Ein ausreichender Ressourcen-Pool, aus dem wir Kraft schöpfen können, um mit belastenden Ereignissen angemessen umzugehen, ist dabei äußerst wertvoll. Dabei sind nährende Familienbeziehungen und Freunde genauso wichtig wie sinnvolle (Arbeits-) Aufgaben, stabile finanzielle Verhältnisse, Hobbies, gute Ernährung, regelmäßige Bewegung, Spaß an schönen Dingen, Musik, Kunst, Tanz, erfüllende Sexualität und vieles mehr.

Lache.jpgLachen hält jung und gesund

Lachen erhöht die Sauerstoffaufnahme… Lachen führt zur Vermehrung der natürlichen Killerzellen und stärkt die Immunabwehr. Die Lachforschung hat zahlreiche Belege dafür gefunden, warum Lachen tatsächlich gesund ist und dass Menschen, die viel lachen, weniger krankheitsanfällig sind und schneller wieder gesund werden (siehe „Lache, wenn Dir zum Weinen ist!“).

Heftiges Lachen ist richtig körperliche Arbeit: fast sämtliche Muskeln im Körper werden beansprucht. Bei herzhaftem Lachen steigt der Puls auf 120 Schläge pro Minute. Die Atmung wird stark angeregt, so dass es zu einem beschleunigten Austausch von verbrauchter und sauerstoffangereicherter Luft kommt. Die Lungenflügel dehnen sich und nehmen 3 bis 4 Mal so viel Sauerstoff auf wie gewöhnlich. Insgesamt kommt es zu einer besseren Durchblutung der Muskulatur. Das entspannt die Arterien und senkt den Blutdruck, weil auch der Herzschlag zwar zunächst beschleunigt wird, sich dann aber deutlich verlangsamt. Das Zwerchfell hüpft und massiert die inneren Organe. Die Bauchmuskeln spannen sich an, um die Luft mit einer Geschwindigkeit von ca. 100 km/h hinaus zu pressen.

Der durchschnittliche Lachanfall dauert übrigens etwa 6 Sekunden. Nach der starken muskulären Anspannung setzt umgekehrt eine genauso tiefe Entspannung ein. Stresshormone werden abgebaut. Der Effekt auf den Körper ist mit anderem körperlichen Muskeltraining vergleichbar. Auch die Ausschüttung von Hormonen, den so genannten Endorphinen, ist nach einem Lachanfall vergleichbar mit der Hormonausschüttung nach dem Joggen.

lucky-pig-580693_640Körperpflege und Seelenmassage

Achten Sie darauf, dass Sie sich gut ernähren, und zwar zu 80 Prozent basenbildende Lebensmittel und 20 Prozent säurebildende Lebensmittel (in den meisten Fällen ist es umgekehrt!). Nehmen Sie viele natürliche Mineralstoffe zu sich. Mineralien leiten Säuren aus. Schmeißen Sie Ihr billiges Kochsalz weg und nehmen Sie stattdessen Steinsalz oder Himalaya-Kristallsalz, hierin sind alle Mineralstoffe enthalten, aus denen auch Ihr Körper besteht.

Gönnen Sie Ihrem Körper hin und wieder eine Entschlackungskur. Fasten Sie, machen Sie basische Bäder etc. damit die überschüssige Säure nicht kristallisiert und sich an Ihren Zellwänden absetzt, was Sie definitiv krank macht (Arteriosklerose, Alzheimer, Parkinson, um nur einige Krankheiten zu nennen).

Sorgen Sie für ausreichenden Schlaf, machen Sie mal Pause, wenn Ihnen alles zu viel wird, spannen Sie aus. Ich weiß, dass das nicht immer leicht zu organisieren ist, aber es geht, wenn man sich selbst wichtig genug nimmt und nicht die Arbeit, den Chef, die Umstände und was sonst noch alles über sich stellt. Es muss auch nicht immer (viel) Geld kosten. Nehmen Sie sich wichtig – lieben Sie sich selbst. Sie dürfen, sollen und müssen, wenn Sie glücklich sein wollen.

Und sorgen Sie dafür, dass Sie immer viel zu lachen haben! Lachen wirkt nicht nur positiv auf Ihre Seele, sondern auch auf Ihren Körper. Heilungsprozesse können schneller vonstatten gehen, wenn Sie sich freuen und Spaß haben. Sie kennen das sicher aus eigenen Erfahrungen. Wenn Sie als Kind mit Fieber das Bett hüten mussten, und der Ausflug in den Zoo oder Vergnügungspark rückte immer näher, dann waren Sie beinahe schlagartig gesund, nicht wahr? Die Vorfreude darauf hat so viele Glückshormone produziert, dass Sie tatsächlich schneller genesen sind. Leider haben wir Erwachsene heute fast völlig vergessen, wie es sich anfühlt, in Glückseligkeit zu schwelgen.

20150105_102727Lache, wenn Dir zum Weinen ist!

Ich rate Ihnen: tun Sie es so oft wie möglich. Und wenn Sie nichts zu lachen haben, dann schaffen Sie sich die Umstände dafür. Sie haben es in der Hand. Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie auf bestimmte Umstände oder Situationen reagieren. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie fröhlich oder miesepetrig sein wollen. Sie sind für sich verantwortlich! Kicken Sie alles aus Ihrem Leben, was Sie runterzieht. Schauen Sie einen lustigen Film, lesen Sie ein witziges Buch, treffen Sie sich mit Freunden, albern Sie herum, spielen Sie Klingelmännchen, hüpfen Sie mit einem Lolly im Mund durch die Stadt und amüsieren sich darüber, wenn die Leute Ihnen kopfschüttelnd hinterher schauen. Oder besuchen Sie ein Lachseminar. Werden Sie wieder zum Kind – es tut sooo gut!

Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust am Leben

Werner Finck


Literatur & Quellen:

LachenGeiss, S. (2010): Lache, wenn Dir zum Weinen ist.  Wer niemals lacht, stirbt viel zu früh. – Books on Demand, Norderstedt

www.lachseminare.de

www.michael-titze.de

„Entspannungsstress“

Was bitte ist Entspannungsstress?

Heute habe ich mit einer lieben Kollegin telefoniert. Wir hatten uns längere Zeit nicht gesprochen, und sie erzählte mir, dass sie im vergangenen Jahr eine zusätzliche Ausbildung zur Entspannungstrainerin gemacht hat.

Die Ausbildung sei sehr anstrengend gewesen. Den lieben langen Tag habe es eine Entspannungsübung nach der anderen gegeben. Nach jeder Entspannung sei der Organismus wieder „hochgefahren“ worden in einen Zustand der Anspannung, in dem Aufmerksamkeit und Konzentration möglich sind.  Dieser ständige Wechsel von Entspannung und Anspannung habe ihr sehr viel Energie und obendrein den letzten Nerv geraubt. Zum Schluss habe sie regelrechten „Entspannungstress“ gehabt.

Ich musste herzhaft lachen. Den Ausdruck „Entspannungsstress“ hatte ich auch noch nicht gehört und fand ihre Geschichte zunächst sehr amüsant. „Entspannungsstress“ klingt irgendwie paradox, nicht wahr? Doch wenn ich mir vorstelle, wie so ein Ausbildungstag abgelaufen ist und mich in ihre Situation hineinversetze, kann ich sie verstehen.

entspannungsuebungen_kl
Bildquelle: www.simplify.de

Ausbildungen sind immer anstrengend, auch wenn es sich dabei „nur“ um Entspannungsmodule handelt. Denn diese müssen zunächst theoretisch behandelt und verstanden werden, bevor man zur Tat schreitet. Es ist also höchste Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt. Wenn dann auch noch zu jeder vollen oder halben Stunde der Organismus vom Anspannungs–  in den Entspannungsmodus und wieder zurück in den Anspannungsmodus umschalten soll, ist dies für Körper und  Psyche sehr kräftezehrend.

So schön und angenehm Entspannungsübungen auch sind, im Rahmen einer straff organisierten Ausbildung können sie – wenn es zuviel wird – sehr nerven. Ich kenne das aus meiner Ausbildung zur Rückführungsbegleiterin. Der ständige Wechsel vom Alpha- in den Beta-Zustand kostet viel Kraft.

Die persönliche Tagesverfassung sowie gruppendynamische Prozesse spielen dabei ebenfalls eine Rolle und können zusätzliche Belastungen bedeuten, mit denen man umgehen muss. All das zusammengenommen kann in unserem System großen Stress auslösen. Und wir kommen abends todmüde und völlig entnervt nach Hause.

Bildquelle: http://gesund.co.at
Bildquelle: http://gesund.co.at

Dr. Gunther Schmidt, Entwickler des hypno-systemischen Ansatzes in der Psychotherapie und Vorsitzender des Milton Erickson-Instituts in Heidelberg, bestätigt das. In seinem Vortrag „Wie hypnotisieren wir uns erfolgreich im Alltag?“ berichtet er von einem Mann, der mit Erektionsproblemen zu ihm in die Praxis kam. Der Mann meinte, Dr. Schmidt müsse unbedingt eine Entspannungs-Hypnose mit ihm machen, um sein Problem zu lösen. Er sei  wohl zu sehr verspannt.

Dr. Schmidt fragte ihn , ob er nicht auch der Meinung sei, dass er in bestimmten Bereichen seines Organismus ein wenig arg entspannt sei. Und ob seine Partnerin, wenn er sie fragen würde, für noch mehr Entspannung in diesem Bereich plädieren würde... 😉

Der Kontext macht den Unterschied

Ob wir entspannt oder angespannt sind, kommt immer auf den Kontext an. Entspannt zu sein ist zwar unser natürlicher Zustand. Kein Baby kommt schlecht gelaunt oder aggressiv zur Welt oder steht ständig unter Strom. Jedoch sind wir nicht 24 Stunden am Tag entspannt. Um im Leben zurecht zu kommen und uns auf Dinge und Situationen zu konzentrieren und zu reagieren, ist eine gewisse Grundanspannung notwendig. Und manchmal auch ein wenig mehr 😉

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung hält uns gesund und stabil. Sicherlich gelingt uns das im Alltag nicht immer. Es ist auch nicht weiter tragisch, wenn wir über einen gewissen Zeitraum Stress ausgesetzt sind, solange es sich nicht um traumatischen Stress handelt. Und auch nicht, solange wir wissen, wir wir uns wieder zurück ins emotionale Gleichgewicht bringen können.

Passiver oder aktiver Stressabbau?

Um Stress abzubauen, sind nicht zwangsläufig Entspannungsübungen in Form von Meditation, Hypnose oder Atemübungen das Mittel der Wahl. Manchmal braucht es etwas anderes, nämlich gezielte Aktivität im Außen. Auch auf ein Kissen oder eine Matratze einzudreschen, eignet sich hervorragend, um Emotionen, wie Wut, Aggressionen und innere Anspannungen zu lösen. Wer sich nach einem anstrengenden Bürotag gerne beim Sqash austobt, einen Waldlauf macht oder zum Fußballtraining geht, schafft auf diese Weise die angesammelten Stresshormone aus seinem System. Sie werden ausgeatmet, ausgeschwitzt und über den Urin ausgeschieden. Zudem setzt die aktive Bewegung enorm viele Freudehormone frei und reguliert damit den Stresspegel wieder auf ein Normalmaß.

Körper und Psyche sind danach spürbar ausgeglichen. Solltest du also einmal unter „Entspannungsstress“ leiden, weißt du jetzt, wie du dem entgegenwirken kannst.

Blümchenblau

 

 

 

 

60 Sekunden

Die 60-Sekunden-Strategie

...ist eine von Vera F. Birkenbihl vorgestellte Methode, um schnell wieder runter zu kommen, wenn das Fass mal wieder überlaufen will (siehe auch „Distress und Eustress“).

Freudehormone fressen Kampfhormone auf!

Wenn die kritische Marge an Stresshormonen in deinem System erreicht ist (du merkst das, wenn dir die Hutschnur hochgeht) wäre es gut, wenn du jetzt jemanden hättest, der dich zum Lachen brächte. Dann gewännen die Freudehormone die Überhand und könnten die Stresshormone neutralisieren.

Wenn gerade niemand da ist, der dich  zum Lachen bringt, kannst du in 60 Sekunden dasselbe bewirken, so Frau Birkenbihl. Wenn wir lachen, drückt ein Gesichtsmuskel auf einen Nerv, der dem Gehirn signalisiert: “Achtung, Gehirnbesitzer lacht!” Sofort löst das Gehirn Freudehormone aus. Der Muskel ist sozusagen der Schalter, über den das läuft. Diesen Effekt können wir nutzen.

Und hier kommt die 60-Sekunden-Strategie:

Wenn du also das Gefühl hast, dass dein Maß an Ärger voll ist, dann verzieh dich irgendwohin, wo dich niemand sehen kann. Im Zweifelsfall schließe dich auf dem “stillen Örtchen” ein.

Lacher-im-Spiegel2Und dann mache 60 Sekunden nonstop diesen hier ⇒⇒⇒

Du musst nur mit dem Muskel auf den Gesichtsnerv drücken, sonst nichts. Das ist kein Lächeln, das ist eine Grimasse, völlig klar. Dein Gesicht sieht total verbissen aus. Aber solange du mit dem Muskel auf den Nerv drückst, ist alles in Ordnung.

60 Sekunden durchhalten, dann sinkt der Stresspegel genauso ab wie in 10 Sekunden echten Lachens! 🙂

Distress und Eustress

Hat Stress immer negative Auswirkungen auf Psyche und Körper?

Die Antwort lautet: Nein!
Wir unterscheiden zwei Arten von Stress, nämlich Dis-Stress und Eu-Stress.

Dis-Stress

Die lateinische Vorsilbe „dis“ bedeutet „schlecht“. Dis-Stress (oder Distress) wird auch als negativer Stress bezeichnet. Diese Art von Stress wirkt destruktiv (zerstörerisch) auf unsere psychische und körperliche Gesundheit. Da es eine Wechselwirkung zwischen Psyche und Körper gibt, kann man diese beiden Aspekte unseres Selbst nicht trennen.

Sind wir über einen längeren Zeitraum Distress ausgesetzt, kann dies schwere geistige, körperliche und seelische Folgen haben. Dauerhafter Negativ-Stress kann zu traumatischem Stress werden. Unsere Bewältigungsmechanismen, die uns normalerweise zur Verarbeitung emotionaler Belastungen zur Verfügung stehen, sind vehement überfordert. 

Schnell auf „180“?

Unsere Nerven liegen blank, wir sind gereizt, aggressiv und schnell auf 180. Wir schreien unsere Kinder an und unser Partner kann uns nichts rechtmachen. Wir nörgeln an allem herum, nichts ist uns gut genug. 

Es kann aber auch ins Gegenteil umschlagen. Depressive Vestimmungen, Lethargie und Freudlosigkeit können die Folge sein. Wir haben keinen Appetit mehr, leiden unter chronischer Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung. 

Im Artikel Stressauslösende Umstände sind zahlreiche Stressoren, also Stressfaktoren aufgelistet, die unsere Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Sicherlich kommt dir der eine oder andere bekannt vor, weil du ihn selbst schon erlebt hast.

Erinnerst du dich an eine stressige Situation in der Vergangenheit?

  • Was hast du damals gefühlt? 
  • Was hast du gedacht? 
  • Wie hast du reagiert? 
  • Welche Mittel und Möglichkeiten hattest du zur Verfügung, um angemessen mit dem Stress umzugehen?

TIPP:

Solltest du wieder einmal vor einer ähnlich belastenden Situation stehen, kannst du dir bewusst machen, dass du diese Art von Distress schon einmal ganz gut gemeistert hast. Das stärkt dein Selbstvertrauen!

Eu-Stress

Dieser Begriff leitet sich von einer griechischen Vorsilbe ab. „Eu“ bedeutet „gut“. Euphorie ist ein vorübergehendes Gefühl gesteigerter Lebensfreude und Wohlbefindens. Eu-Stress (auch Eustress) ist also positiver Stress. Er wird nicht als Belastung empfunden. Musst du beispielsweise eine Aufgabe in einer vorgegebenen Zeit erledigen und tust dies mit größter Freude und Leidenschaft, so wirst du den Zeitdruck nicht als strapaziös oder überfordernd empfinden.

Im Gegenteil – du erledigst alles mit Leichtigkeit und Heiterkeit. Eustress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit von Körper und Geist. Nichts kann dich aus der Bahn werfen. Das Kribbeln in deinem Bauch fühlt sich angenehm an. Du strotzt vor Kraft und könntest Bäume ausreißen.

Beispiele für positiven Stress

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass wir von Stress meist im negativen Sinn sprechen, aber selten von Eustress? Dabei gibt es zahlreiche Beispiele für Eustress, z. B.  Sport, eine Hochzeit, die Vorfreude auf ein bevorstehendes Ereignis, eine Prüfung, auf die man sich gut vorbereitet hat etc.

Diese Ereignisse bedeuten zunächst auch Stress für den Organismus, denn es werden Kampfhormone (z. B. Adrenalin) ausgeschüttet, genau wie bei einer Gefahrensituation. Allerdings wirken sich freudige Ereignisse positiv auf unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit aus. Es werden nämlich gleichzeitig Freudehormone (z. B. Serotonin) ausgeschüttet, die Glücksgefühle in uns hervorrufen.

Vera F. Birkenbihl (1946−2011), Psychologin, Bestsellerautorin und ihrerzeit Leiterin des Instituts für gehirn-gerechtes Arbeiten, lehrt uns:

Freudehormone fressen Kampfhormone auf!

Wenn wir uns z. B. ärgern und die kritische Marge an Kampfhormonen in unserem „Stresstöpfchen“ erreicht ist, können wir nicht mehr klar denken. Vielleicht kennst du ja jemanden, dem das schon mal passiert ist 😉

In solch einem Moment wäre es gut, wenn wir jemanden hätten, der uns zum Lachen brächte. Dann gewännen die Freudehormone die Überhand und könnten die Stresshormone neutralisieren (siehe hierzu das Video von Vera F. Birkenbihl: Pragmatische Esoterik – Der kleine Weg zum großen Selbst). 

Wenn gerade niemand da ist, der dich  zum Lachen bringt, kannst du in 60 Sekunden dasselbe bewirken, so Frau Birkenbihl. Wenn wir lachen, drückt ein Gesichtsmuskel auf einen Nerv, der dem Gehirn signalisiert: „Achtung, Gehirnbesitzer lacht!“ Sofort löst das Gehirn Freudehormone aus. Der Muskel ist sozusagen der Schalter, über den das läuft. Diesen Effekt können wir nutzen.

Und hier kommt die 60-Sekunden-Strategie:

Wenn du also das Gefühl hast, dass dein Maß an Ärger voll ist, dann verzieh dich irgendwohin, wo dich niemand sehen kann. Im Zweifelsfall schließe dich auf dem „stillen Örtchen“ ein.

Lacher-im-Spiegel2
Copyright S. Geiss

Und dann mache 60 Sekunden nonstop diesen hier ⇒⇒⇒

Du musst nur mit dem Muskel auf den Gesichtsnerv drücken, sonst nichts. Das ist kein Lächeln, das ist eine Grimasse, völlig klar. Dein Gesicht sieht total verbissen aus. Aber solange du mit dem Muskel auf den Nerv drückst, ist alles in Ordnung.

60 Sekunden durchhalten, dann sinkt der Stresspegel genauso ab wie in 10 Sekunden echten Lachens!

Warum Lachen gesund ist und welche positiven Wirkungen es auf uns hat, erfährst du in meinem Ratgeber „Lache, wenn Dir zum Weinen ist!“

 Meist pendeln wir zwischen Distress und Eustress hin und her. Im Idealfall haben wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Distress- und Eustress-Situationen.  Überwiegt der negative Stress, sollten wir dafür sorgen, dass wir mehr zu Lachen haben. Und für zwischendurch hilft die 60-Sekunden-Strategie 🙂

{Bildquelle Beitragsfoto oben: http://www.thinkstockphotos.de}

Alkohol als Überlebensstrategie

„Das Leben lässt sich nur noch im Suff ertragen...“

Hat man einmal einen über den Durst getrunken, kommt einem dieser Satz schon mal über die Lippen. Er ist allerdings selten ernst gemeint und kommt eher mit einem Augenzwinkern daher. Jammern wir doch nur allzugerne auf hohem Niveau. Doch das gilt nicht für alle. 

Für viele Menschen ist dieser locker dahergesagte Spruch alles andere als witzig. Er ist bitterer Ernst. Denn ihr Leben lässt sich in der Tat nur noch im Suff ertragen. Viele haben über Jahre hinweg eine Alkoholabhängigkeit entwickelt, um sich zu betäuben, um den Schmerz, den sie in sich tragen, nicht fühlen zu müssen. 

Mit „Suffköppen“ wollen wir nicht gerne etwas zu tun haben. Nun, wenn uns eine fremde Person nicht behagt, können wir naserümpfend die Straßenseite wechseln. Doch was, wenn dieser alkoholabhängige Mensch ein Familienmitglied ist? Was, wenn es sich bei diesem Alkoholsüchtigen um den eigenen Partner, die Eltern oder das eigene Kind handelt? 

Ein Schluck zur Erleichterung

Es gibt immer einen Grund, warum ein Mensch eine Alkoholabhängigkeit entwickelt. Niemand gerät per Zufall in eine Alkoholsucht. Abgesehen davon, dass es keine Zufälle gibt. Der Mensch trinkt, um seelische Belastungen leichter zu ertragen. Man spricht hier auch vom Erleichterungstrinker oder Alpha-Trinker (n. Jellinek). 

Keine Feier ohne Meier

Es gibt Menschen, die keine Gelegenheit auslassen, zu denen Alkohol konsumiert wird (Gelegenheitstrinker bzw. Beta-Trinker). Sie lassen sich leicht zum Trinken verleiten und sind suchtgefährdet. Durch ihr Trinkverhalten schädigen sie ihre Gesundheit. 

Immer mehr, immer mehr, immer mehr...

Ist der Mensch erst einmal zum Suchttrinker (Gamma-Trinker) geworden, kommt es beim Trinken häufig zu Kontrollverlust. Regelrechte Saufexzesse und unauffällige Phasen wechseln sich ab. Bereits der erste Schluck Alkohol löst ein unstillbares Verlangen (Craving) aus.

Entzugserscheinungen

Irgendwann schmeckt die Plörre nicht mehr. Leider ist es dann oft zu spät. Man kann nicht mehr aufhören zu trinken, kommt nicht mehr vom Alkohol los. Ohne ein gewisses Pensum an „Sprit“ ist der Tag nicht mehr zu bewältigen (Spiegeltrinker bzw. Delta-Trinker). Sind alkoholische Getränke nicht sofort verfügbar, kommt Panik auf. Der Mensch leidet an Entzugserscheinungen, wird unruhig, nervös und fängt an zu zittern. 

Spätestens jetzt ist klar, dass es sich bei diesem Trinkverhalten um eine ausgewachsene Alkoholabhängigkeit handelt. 

War ich das etwa?

So genannte Quartalssäufer (Epsilon-Trinker) können über viele Monate abstinent leben und ohne Alkohol auskommen. Dann folgt eine Phase exzessiven Alkoholkonsums, wobei der Trinker keine Kontrolle über sein Trinkverhalten hat. Tagelange Saufgelage können zu vorübergehendem Gedächtnisschwund, dem berühmten Filmriss (Blackout) führen. Danach folgt in der Regel wieder eine Phase der Abstinenz.

Trinken als Überlebensstrategie

Wie ich vorhin schon angeführt habe, haben diese Menschen einen Grund für ihr Tun. Sie trinken, um innere Spannungen abzubauen und sich selbst vor unerträglichem Seelenschmerz zu schützen. Der Alkoholkonsum ist zunächst eine Bewältigungsstrategie, so absurd das auch klingen mag.

Menschen haben alles, was sie für ihre Lösung brauchen, bereits in sich. Und sie tun immer das Beste, was sie gerade tun können, um größeren Schaden von sich abzuwenden – bewusst oder unbewusst!

In der systemischen Therapie und Beratung spricht man von ressourcenorientiertem Verhalten. Und wenn die einzige Ressource darin besteht, durch Trinken diesen tiefen Schmerz nicht spüren zu müssen, ist dies erst einmal positiv zu sehen und entsprechend zu würdigen.

Dass dies auf Dauer keine Lösung ist, ist sonnenklar. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Doch wir sollten uns immer vor Augen halten, dass niemand aus Jux und Tollerei zum Säufer wird. Dahinter steckt immer ein Seelenschmerz, ein unüberwältigbarer Stress bzw. ein Trauma. Eine Alkoholentzugstherapie mit anschließender Traumatherapie ist hier dringend angesagt.

Verurteilen wir also nicht vorschnell den Penner auf der Straße. Wir kennen nicht seine Geschichte, sind nicht in seinen Schuhen gegangen und haben nicht sein Leben gelebt.

Love & Light,

Sissell

 

{Bildquelle Beitragsfoto oben: http://www.thinkstockphotos.de}

Dauerstress durch Film, Fernsehen und Videospiele

Sex & Crime geht immer

Gestern wurde im Fernsehen der Spielfilm „Ironclad“ gezeigt, die Handlung spielte im Jahr 1215, also im tiefsten Mittelalter. Danach gab es „Game of Thrones“ – Sex & Crime mit mittelalterlicher Kulisse.

Viele fahren auf diese Serie total ab. Sex & Crime funktioniert beim breiten Publikum anscheinend am besten. Sie lieben geradezu den Kick, den sie durch Gefahrensituationen, sei es im Film oder im realen Erleben, erfahren.

Dieses Kribbeln im Bauch wird regelrecht zur Sucht. Die Ereignisse, die den geliebten Kick auslösen, müssen immer intensiver werden, damit der Kick überhaupt noch als solcher wahrgenommen werden kann. So werden Menschen zu Adrenalin-Junkies.

Ebenso ist es mit Videospielen. Der Unterhaltungswert scheint am größten, je mehr darin herumgeballert wird. Der Unterschied zwischen Filmen und Videospielen liegt in der Passvität bzw. Aktivität des Zuschauers oder Anwenders.

Fake oder real – dem Gehirn ist’s egal

Allerdings macht es für unser Gehirn keinen Unterschied, ob wir nur Beobachter eines Ereignisses sind oder ob wir ein Ereignis tatsächlich erleben. Unser Gehirn nimmt die Bilder, die in einem Film gezeigt werden, als real an und sendet bestimmte Botenstoffe aus, die eine Reaktion in unserem Körper hervorrufen. Im Falle von Gewalt- und Todesszenen, schaltet unser Gehirn auf „Alarmbereitschaft“ um und schüttet Stresshormone aus, die der Organismus in einer realen Gefahrensituation zum Kampf oder zur Flucht benötigen würde. Diese Stress-Energien (Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol) bleiben im Nervensystem gebunden. Werden wir sie nicht wieder los, kann dies fatale Folgen haben für die psychische und körperliche Gesundheit.

Sehen wir uns immer wieder solche Gewaltszenen an oder spielen ständig Videospiele, bei denen wir andere töten sollen (auch wenn es „nur“ Spielzeugfiguren sind), führt dies über kurz oder lang zu Dauerstress in unserem System. Es kommt zu strukturellen Veränderungen im Gehirn. Die Aggressivität steigt, Hemmschwellen sinken. Die eigene Gewaltbereitschaft wächst. Der Körper steht ständig unter Strom, unsere Psyche ebenfalls. Langfristig kommt es zu Persönlichkeits- bzw. Wesensveränderungen.

Nicht selten kommt es vor, dass Menschen (besonders Kinder und Jugendliche), die eine gewaltvolle Szene sehen, traumatisiert werden. Man spricht hier von sekundärer bzw. tertiärer Traumatisierung.

Welche Sendungen und Filme siehst du dir am liebsten an? Was schauen deine Kinder gerne?

Verfolgst du regelmäßig die Nachrichten im Fernsehen oder Internet? Und regst du dich regelmäßig über das dort Gezeigte auf?

Dann wundere dich bitte nicht über

  • Schlafstörungen
  • Unruhe
  • Verspannungen in der Kiefer‑, Nacken- und Schultermuskulatur
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Aggressionen
  • depressive Verstimmungen
  • Konzentrationsstörungen
  • chronische Müdigkeit  und vieles mehr...

Das Monster in uns

Videospiele sind noch schlimmer, was unser latent schlummerndes Aggressionspotential betrifft. Hier kann der Spieler aktiv am Geschehen teilnehmen. Hier kann er seine Gegenspieler per Knopfdruck „ausschalten“. Er lernt, dass er die Macht hat, andere zu befehligen oder sogar zu töten, auch wenn es sich dabei „nur“ um irgendwelche Monster handelt, die es im „richtigen“ Leben nicht gibt. Diese Konditionierung hat aber fatale Auswirkungen auf das „richtige“ Leben und den Umgang mit anderen Menschen, z. B. Familienmitglieder, Freunde, Mitschüler etc.

Dieser Dauerstress in deinem System wirkt zerstörerisch. Du wirst krank und weißt womöglich gar nicht warum, weil du deine Symptome nicht mit den täglichen Nachrichten im TV oder Actionfilmen in Verbindung bringst.

Sicherlich haben Actionfilme auch einen angenehmen Unterhaltungswert. Wenn das Verhältnis von lustigen Szenen, bei denen man herzhaft lachen kann und gewaltvollen Szenen, wo man am liebsten gar nicht hinsehen würde, ausgewogen bleibt, pendelt unser Organismus zwischen Anspannung und Entspannung hin und her. Das ist zwar auch stressig, aber immer noch besser, als ständig in Abwehrhaltung und mit verzerrtem Gesicht, geballten Fäusten und verkrampftem Bauch vor der Glotze zu sitzen.

Die Brutalität nimmt zu

Doch in den letzten Jahren sind Gewaltszenen immer brutaler und blutrünstiger geworden.  Ich frage mich, wozu? Brauchen wir das wirklich, um uns gut unterhalten zu fühlen? Ist unser intellektuelles Niveau wirklich so tief gesunken?

Ich stehe auch auf Actionfilme, wenn die Story einigermaßen anspruchsvoll und nachvollziehbar ist,  der Humor nicht zu kurz kommt und ich nicht das Gefühl habe, als Zuschauer total verarscht zu werden.

Als Kind habe ich mir gerne Tom & Jerry angesehen. Was die beiden sich alles angetan haben... und doch wusste ich immer, dass das alles nur Trick und Spiel ist. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, meine kleine Schwester aus dem 5. Stock zu werfen, nur um zu sehen, ob sie tatsächlich unversehrt wieder aufsteht.

Beobachte dein Fernsehverhalten

Ich möchte dich ermuntern, einmal darauf zu achten, was du dir dauerhaft im Fernsehen oder im Internet anschaust. Beobachte das doch einmal für vier Wochen und notiere dir, welche Sendungen du am liebsten und am meisten anschaust. Beobachte auch, wie viele Stunden du und deine Kinder vor dem Fernseher verbringen und notiere auch das.

Wenn du deinen Stress reduzieren willst, frage dich, ob du wirklich jede Nachrichtensendung sehen musst, wo es vor Negativmeldungen nur so wimmelt. Ist es vielleicht so, dass du mitguckst, was dein Partner sich gerade anschaut, obwohl du im Grunde genommen gar keine Lust darauf hast und der Film dich total runterzieht. Viele tun es trotzdem, damit sie nicht alleine da hocken müssen, denn das würde sie  womöglich noch mehr runterziehen.

Frage dich, ob es das wert ist, dass dein emotionales Gleichgewicht dauerhaft aus dem Ruder gerät, nur weil du ihm oder ihr zuliebe mitguckst, was du eigentlich verabscheust.

Lass auch deine Kinder nicht jeden Mist im Fernsehen anschauen, nur weil du gerade deine Ruhe haben willst. Auch wenn es scheinbar „harmlose“ Zeichentrickfilme sind. So harmlos sind viele nämlich gar nicht.

Wie wäre es zur Abwechslung mit einem Ausflug in die Natur, wo du dich mit Freunden und Familie mal wieder richtig austoben kannst? Abends werdet ihr alle todmüde ins Bett fallen und herrlich schlafen.

In diesem Sinne wünsche ich dir und deinen Lieben wahrhaft „gute Unterhaltung“.

Die Familienmanagerin

Ein Tag im Leben einer berufstätigen Mutter

Du bist heute Morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden und bist spät dran. Dein Mann hat heute einen wichtigen Geschäftstermin und ist schon seit einer Stunde aus dem Haus. 

Die Kinder müssen zur Schule und du ins Büro. Der Einkauf muss erledigt werden und du hast dir noch keine Gedanken darüber gemacht, was es zum Mittagessen geben soll. Deine Mutter ist vor zwei Tagen gestürzt und liegt mit einem gebrochenen Fußknöchel im Krankenhaus. Vater ist nun mit dem Haushalt alleine. Und du hast ihm versprochen, nachher noch bei ihm vorbeizuschauen und nach dem Rechten zu sehen.

Jetzt aber schnell!

Du machst im Bad eine schnelle Katzenwäsche, weckst die Kinder und machst Frühstück. Dein Großer ist noch müde und mault herum. Deine Jüngste hat Fieber und Brechdurchfall.

Grundgütiger, auch das noch. Jetzt wird’s richtig hektisch. Du hast deinem Jungen versprochen, ihn heute mit dem Auto zur Schule zu fahren, damit er die große Pappmaché-Figur für das Schulprojekt nicht in der U‑Bahn transportieren muss. Das würde aber bedeuten, dass du die Kleine mitnehmen musst, weil du sie nicht alleine zu Hause lassen kannst. Dann kotzt sie dir womöglich noch das Auto voll...

Tausend Gedanken rasen durch deinen Kopf
  • Wie kriegst du unter diesen Umständen deinen Jungen in die Schule mit dem sperrigen Ding, das ohnehin kaum in den Kofferraum passt?
  • Wer kümmert sich in der Zwischenzeit um die Kleine?
  • Und wer kümmert sich um deinen Vater?
  • Wer erledigt den Einkauf?
  • Wer erledigt deine Arbeit im Büro?

Kommt dir die Geschichte bekannt vor? Vielleicht hast du schon etwas Ähnliches erlebt oder kennst jemanden, dem es womöglich ständig so geht.

Welche Gefühle steigen in dir auf, wenn du das liest? 
  • Verkrampft sich dein Bauch oder bleibst du ganz entspannt?
  • Spürst du einen Kloß im Hals? 
  • Wie geht dein Atem – flach oder tief?
  • Was ist mit deiner Schulter‑, Nacken- und Kiefermuskulatur – ist sie locker oder hart?
  • Mahlen deine Wangenknochen und beißt du die Zähne zusammen?
  • Ballen sich deine Hände zu Fäusten oder bleiben sie locker?
Spüre jetzt einmal genau in dich hinein und beobachte auch, welche Gedanken dir kommen. Beobachte deine Körperhaltung. 

Allein dadurch, dass du dich eine kleine Weile selbst beobachtest, wirst du vielleicht merken, wie du dich dabei allmählich etwas entspannst... gut gemacht!

Jetzt kannst du deine Nachbarin anrufen, die deinen Jungen zur Schule fährt, während du mit der Kleinen auf den Kinderarzt wartest. Den Einkauf besorgt deine Nachbarin gleich mit und kocht auch das Mittagessen für euch. Dein Vater kommt zu dir, anstatt du zu ihm, und so schlägst du mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Du rufst im Büro an und meldest dich für heute ab. Wenn deine Arbeit nicht inzwischen von deinen Kolleginnen erledigt wurde, wirst du deinen Schreibtisch morgen genauso vorfinden, wie du ihn gestern verlassen hast.

Inzwischen ist es 14 Uhr am Nachmittag. Das Telefon klingelt. Dein Mann ist dran, um dir zu sagen, dass der Geschäftstermin super erfolgreich war. Das bedeutet, du kannst in Zukunft zuhause arbeiten und hast mehr Zeit für deine Familie. 

Ist das nicht wundervoll?

Wenn es dir gelingt, dich locker zu machen (z. B. indem du eine Weile innehältst und nur deinen Atem beobachtest), können die Energien wieder ins Fließen kommen. Du kannst wieder durchatmen und wieder klar denken!