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Stressverstärkende Gedanken

Die 5 höllischsten Stressverstärker-Strategien

Die 5 wirksamsten Strategien, mit denen du schnurstracks in die Stress-Hölle fährst

Unsere Erfahrungen machen uns zu dem, was wir sind. Jeden Tag machen wir Erfahrungen, die unser Denken, unsere Gefühle und unser Verhalten beeinflussen, z. B.

  • Ein Autofahrer schnappt dir den letzten freien Parkplatz vor der Nase weg
  • Der Chef hat dir heute wieder mal eine extra Arbeit aufgebrummt
  • Die Bäckereiverkäuferin ist zickig und unfreundlich zu dir
  • Der Gemüsehändler hat dir einen angeschmuddelten Salat eingepackt
  • Deine Partnerin wirft dir vor, dass du ihr nie zuhörst…

Unsere Gedanken bestimmen unsere Realität und was wir fühlen


Prof. Gerd Kaluza, vom GKM-Institut für Gesundheitspsychologie in Marburg, unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Bewertungsvorgänge:

1. Die Situation einschätzen:

„Bewertungen, die eine Einschätzung der Situation bzw. der jeweiligen Anforderungen beinhalten. Anforderungen können entweder als neutral-irrelevant, als angenehm-positiv oder als bedrohlich-schädlich bewertet werden.“

Wenn also eine Herausforderung als bedrohlich oder schädlich eingeschätzt wird, spricht man von einer stressauslösenden Bewertung.

„In eine solche Bewertung gehen die gespeicherten Erfahrungen mit früheren vergleichbaren Situationen ein. Persönliche Bedürfnisse, Motive und Ziele stellen […] die Messlatte dar, an der die persönliche Bedeutung der aktuellen Situation eingeschätzt wird, so Kaluza.“

2. Eigene Bewältigungsmöglichkeiten einschätzen:

Hier werden die eigenen Kompetenzen (interne Ressourcen) im Umgang mit der jeweiligen Herausforderung bewertet. Aber auch Unterstützungsmöglichkeiten durch Dritte, auf die bei der Bewältigung der Aufgabe zurückgegriffen werden kann (externe Ressourcen). Diese Bewältigungsmöglichkeiten werden entweder als ausreichend oder aus nicht ausreichend eingeschätzt. Die letztere Bewertung löst Stress aus, ist also ein stresserzeugender Gedanke.

Dabei spielen unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Welche Bewältigungsmöglichkeiten hatten wir früher in vergleichbaren Situationen? Diese Erfahrungen sind sehr prägend und können uns zu der Überzeugung gebracht haben „Ich bin hilflos“. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der so genannten erlernten Hilflosigkeit (M. Seligman). Diese erlernte Hilflosigkeit wirkt auch in der aktuellen Situation, und wir fühlen uns bei einer bestimmten Anforderung, die an uns gestellt wird, hilflos ausgeliefert.

Haben wir die Erfahrung gemacht, sehr wohl über ausreichende Bewältigungsmöglichkeiten zu verfügen, können diese Erfahrungen unser Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten stärken. Für die aktuelle Situation kann dies bedeuten, dass wir uns selbst vertrauen und uns etwas zutrauen. Wir fühlen uns der Aufgabe gewachsen.

Ein Beispiel:

Dein Chef brummt dir eine neue Aufgabe auf mit der Äußerung, dass er dafür eine/n kompetente/n Mitarbeiter/in braucht. Jetzt kommt es darauf an, wie du die neue Herausforderung einschätzt und wie du deine eigenen Fähigkeiten bewertest.

  1. neutral-irrelevant: „Kein Problem. Das mach ich mit links.“
  2. bedrohlich-schädlich: „Oh, Gott, hoffentlich geht das mal gut. Was, wenn ich das ich das vergeige?“
  3. angenehm-positiv: „Endlich kann ich zeigen, was in mir steckt. Ich freue mich auf die neue Chance.“

Da du dich selbst am besten kennst, wirst du wissen, wie du dich in solchen Situationen fühlst und ob dir die neue Herausforderung eher angenehm oder eher unangenehm ist.

Stress ist das Ergebnis unserer persönlichen Bewertungen

Wenn du auf destruktiven Stress stehst und dich mal wieder richtig unter Druck setzen willst, gibt es eine Sache, die höchst wirksam ist und die du unbedingt tun solltest:

Stressverstärkende Gedanken denken!

Ja, du hast richtig gelesen. Fahre dazu alle stressverschärfenden Denkmuster ab, die du kennst. Dir fällt gerade keins ein? Kein Problem, ich habe die effektivsten für dich zusammengestellt.

Noch ein Tipp: Halte dich bitte genau an die Anweisungen, sonst funktioniert es nicht!

Und hier sind sie – die 5 wirksamsten Strategien, mit denen du schnurstracks in die Stress-Hölle fährst

Strategie 1: „Das darf doch nicht wahr sein“

Dieser Gedanke taucht auf, wenn du eine unangenehme oder schwierige Situation nicht hinnehmen willst. Du weigerst dich, diese Realität zu akzeptieren. Du hast z. B. im Straßenverkehr einen Unfall verursacht, beim Fußball einen Elfmeter verschossen, der die Meisterschaft kostet. Dein Partner hat dich einen Tag vor der Hochzeit sitzenlassen usw.

In diesen Situationen hat unser Gehirn mächtig viel Platz für Gedanken, wie „das darf doch nicht wahr sein“, „das gibt’s doch nicht“, „das glaube ich jetzt nicht“ usw.

Wenn du diese Gedanken denkst, kannst du darauf wetten, dass innerhalb kürzester Zeit die Kampfhormone in deinem System die Oberhand gewinnen. Ärger und körperliche Erregung machen sich breit und werden verstärkt. Du spürst einen Widerstand in der Magengegend und wahrscheinlich auch im Hals.

Ich wette, es gelingt dir mühelos, dich mit diesem Gedanken so richtig in deinen Ärger hineinzusteigern. Gut gemacht. Jetzt wird er dich garantiert daran hindern, dich konstruktiv mit der jeweiligen Situation auseinanderzusetzen und das Beste daraus zu machen. Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft, dich schnurstracks in die Stress-Hölle zu katapultieren.

Es gibt jedoch noch eine andere Variante dieses „Nicht-wahr-haben-wollens“. Manche Menschen verleugnen regelrecht die Realität. Sie ignorieren, was passiert ist und blenden die Tatsachen aus. Hierbei handelt es sich jedoch um einen psychologischen Schutzmechanismus, der dich davor bewahrt, von allzu schmerzhaften Gefühlen, wie Angst oder Trauer überwältigt zu werden. Dies kann z. B. dann der Fall sein, wenn du vom Tod eines geliebten Wesens erfährst oder eine schlimme Krankheitsdiagnose bekommen hast.

Strategie 2: „Alles Scheiße, deine Elli!“

Eine sehr einfache und effektive Strategie, um dir das Leben zur Hölle zu machen, ist es, wenn du deine Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Dinge richtest, die schiefgelaufen sind, die dich stören oder dich sonst wie nerven. Das ist doch sicherlich kein Problem für dich, oder? Na bitte, das dachte ich mir doch.

Mit dieser Vorgehensweise gibst du deinen negativen Erfahrungen eine überdimensionale Bedeutung. Und das Beste daran ist, dass du jeglichen vernünftigen Maßstab verlierst und die positiven Dinge einfach ausblendest.

Eine blöde Bemerkung von deiner Freundin, eine kleine Kritik deines Chefs oder ein verschüttetes Glas Wein können dir das ganze Wochenende versauen.

Schließlich fängst du an, diese negativen Erfahrungen zu verallgemeinern mit Gedanken wie „Immer mache ich alles falsch“ oder „Ich bin einfach nicht gut genug“ usw.

Mit diesen Gedankenschleifen im Kopf kannst du dich mental so einstellen, dass du garantiert auch noch den Rest des Tages Frust verspürst und diesen sogar mit ins Bett nimmst. Jetzt hast du dich auch noch um den Schlaf gebracht. Ist es nicht faszinierend, wie gut das funktioniert?

Strategie 3: Horrorszenarien oder das Ausmalen negativer Konsequenzen

Du stehst vor einer wichtigen Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einer Operation? Dann tust du gut daran, dir in allen Farben deren negativen Ausgang auszumalen. Bitte sei hier so kreativ wie möglich und entwerfe dir die fantastischsten Horrorszenarien, wenn du dir das Leben zur Hölle machen willst. Stell dir vor, wie du bei der Prüfung scheiterst und mit Pauken und Trompeten durchfällst. Stell dir vor, wie du beim Vorstellungsgespräch mit puterrotem Kopf dasitzt und keinen Ton hervorbringst. Und stelle dir vor, dass du während der Operation vorzeitig aus der Narkose aufwachst.

Das hilft ungemein, die Kampfhormone in deinem System in kürzester Zeit zum Blubbern zu bringen und zu spüren, wie die Angst dir die Kehle zuschnürt.

Auch solltest du tunlichst Gedanken an frühere, ähnliche Situationen oder Erfahrungen vermeiden, in denen du derartige Herausforderungen mit Bravur gemeistert hast.

In der bevorstehenden Situation selbst wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit genau das eintreten, wovor du Angst hast. Aber das war ja der Sinn der Sache, oder etwa nicht?

Du siehst, auch diese Strategie funktioniert hervorragend, wenn du dich genau an die Anweisungen hältst.

Strategie 4: Nimm alles möglichst persönlich

Bist du heute Morgen auf dem Bettvorleger ausgerutscht? Hat deine Tochter eine schlechte Note nach Hause gebracht? Streikt der Drucker? Hat dein Nachbar dich schon wieder nicht gegrüßt? Oder bist du in ein Hundehäufchen getreten?

Dann solltest du diese Ereignisse oder Verhaltensweisen unbedingt persönlich nehmen. Rede dir immer wieder ein, dass all dies nur geschieht, um dich persönlich anzugreifen, zu beleidigen oder herabzusetzen.

Hilfreich ist es auch, wenn du dir selbst die Schuld an allem gibst. So wirst du im Laufe des Tages immer wieder Gelegenheiten finden, wo du dich aufregen kannst und in die Luft gehen, wie das HB-Männchen etc.

Praktiziere dies regelmäßig, wenn du deinen Blutdruck dauerhaft erhöhen möchtest oder dir sonst jegliche Aufregung im Leben fehlt.

Strategie 5: Betone stets deine Schwächen

Richte deine Aufmerksamkeit stets auf deine Schwächen, Defizite und Misserfolge. Setze dich ausschließlich mit deinen Schwächen auseinander und ignoriere deine Stärken und Erfolge. Das untergräbt dein Selbstvertrauen, das du eigentlich bräuchtest, um den täglichen Anforderungen des Lebens gelassen und sicher entgegengehen zu können.
Bedenke: Steter Tropfen höhlt den Stein!

So, nun weißt du, was du tun kannst, um dir selbst das Leben schwer zu machen.

Was denn? Du willst das gar nicht? Ja, wozu habe ich dir dann diese nützlichen Tipps zusammengestellt?

Okay, ich habe auch eine gute Nachricht für dich: Du hast nämlich die Wahl! Jawohl. Du kannst selbst bestimmen, was du denken und wie du dich fühlen willst. Positiv oder negativ.

Ist das nicht großartig? Welch eine Macht dir das gibt!

Das bedeutet allerdings auch, dass du für deine Gedanken verantwortlich bist. Denn sie bestimmen deine Realität oder, wie der französische Physiker J.E. Charon sagte:

„Die Welt ist, was ich von ihr denke!“

Du wirst dich vielleicht fragen, wie das gehen soll mit der freien Wahl der Gedanken. Schließlich hast du in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, die dich bis heute geprägt und dein Denken und Verhalten bestimmt haben. Und nun komme ich daher und verlange vor dir, den Schalter umzulegen und alles anders zu sehen als bisher? Diese Vorstellung läuft dem Gefühl in deiner Magengrube gerade total zuwider?

Oh ja, das glaube ich dir.

Nur, wenn du dir das Leben nicht selbst zur Hölle machen willst, indem du immer wieder die gleichen zerstörerischen Denk- und Verhaltensmuster abfährst, solltest du allmählich damit beginnen, etwas zu verändern.

Und Veränderungen sind (fast) immer mit einem unangenehmen Gefühl verbunden, nicht wahr? Schließlich müssen wir unsere Komfortzone verlassen und uns auf unbekanntes Terrain begeben, wenn wir etwas Neues lernen und uns weiterentwickeln wollen.

Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur stressverstärkende Gedanken, sondern auch stressreduzierende, förderliche Gedanken. Darauf komme ich nächste Woche zu sprechen.

Bis dahin kannst du selbst einmal prüfen, welche der vorhin genannten stressverstärkenden Strategien bei dir mehr und welche weniger ausgeprägt sind.

Ach, übrigens: Kennst du die Geschichte von Peter Pan? Erinnerst du dich noch an seinen Ausspruch

„Ein wundervoller Gedanke, und du kannst fliegen“

Trage dich in den Verteiler  ein und erhalte jeden Montag von mir einen wundervollen Gedanken, der deine Flügel mehr und mehr wachsen lässt.

Montagsspruch

Keine Lust auf Sex?

Stress als Lustkiller

Keine Lust auf Sex

Couple in Live„Wir haben schon seit Wochen nicht mehr miteinander geschlafen“, erzählt Mona, eine 38-jährige Werbekauffrau und Mutter von zwei Kindern. „Und ehrlich gesagt, habe ich auch gar keine Lust auf Sex. Im Gegenteil, ich bin froh, wenn ich abends meine Ruhe habe. Mein Mann und ich sind beide berufstätig und fallen oft todmüde ins Bett. Dabei lieben wir uns sehr und haben unsere Zweisamkeit immer genossen.  Am meisten macht mir dieser Zwiespalt zu schaffen.“

„Was meinen Sie damit?“, frage ich sie.

Quickie im Büro„Nun ja, ich fühle mich oft hin und hergerissen. Manchmal habe ich schon Lust auf ein Schäferstündchen mit meinen Mann. Aber im selben Moment denke ich: Ach nee, dazu müsste ich mich erst im Büro freischaufeln, meine Eltern fragen, ob sie die Kinder nehmen oder einen Babysitter organisieren, um mit meinem Mann eine ungestörte Zeit zu verbringen. Das ist mir dann einfach zu stressig, und so lasse ich den Gedanken daran meistens wieder fallen. Und an einen spontanen Quickie zwischendurch, so wie wir das früher gemacht haben, ist überhaupt nicht mehr zu denken.“

Sex nach Terminkalender?

TerminkalenderEs gibt Sex-Berater, die ihren Klienten raten, einen Wochenplan auszuarbeiten und zu schauen, wann sie z. B. an drei Tagen in der Woche jeweils eine Viertel- oder halbe Stunde Zeit haben. Es müsse ja nicht gleich zum Sex kommen. Man solle z. B. überlegen, womit man seinem Partner oder seiner Partnerin eine Freude bereiten könnte und solle dann der Natur ihren Lauf lassen.

Aber mal ehrlich: Würde dir das gefallen? Sex nach Terminkalender? Selbst, wenn es nicht zum Geschlechtsverkehr kommt und ihr eure Zeit einfach nur zu zweit miteinander verbringt (hoffentlich nicht mit Fernsehen oder Diskussionen über die Schulnoten der Kinder etc.). Willst du dich wirklich von deinem Smartphone mit einem blinkenden Herzchen daran erinnern lassen, dass heute Abend um 18.30 Uhr ein strategisch geplantes Liebesdate stattfindet? Wie romantisch ist das denn?

Aber ok, ich bin ja nicht der Maßstab aller Dinge. Wenn du und dein Partner damit klarkommt, macht es ruhig so. Jeder muss für sich ausprobieren, was funktioniert. Und wie sagte der amerikanische Psychotherapeut Steve de Shazer zu seinen Lebzeiten immer:

„Wenn etwas gut funktioniert, mache mehr davon. Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und mache etwas anderes.“

Seid also kreativ darin, euch eure Zeitnischen zu schaffen. Zeit, die nur euch beiden gehört. Zeit für Intimität, Erotik, Sinnlichkeit und Nähe.

Ich weiß, auch das ist oft nicht leicht, denn mit zunehmendem Stress geht nicht nur die Lust auf körperlichen Sex flöten, sondern auch die geistige Kreativität.

Und genau da gibt es einen sehr wichtigen Zusammenhang. Beides ist nämlich Ausdruck ein und derselben Energie.

Sexualität ist Schöpfungsenergie

Diese Schöpfungsenergie, Sexualkraft oder Geschlechtstrieb, ist die stärkste Energie in unserem Körper. Aus dieser Schöpfungsenergie sind wir hervorgegangen. Diese Kraft hält uns am Leben, stellt uns die Energie für unseren kreativen Ausdruck zur Verfügung und lässt uns neues Leben erschaffen.

Doch Sexualität ist mehr als nur ein koitaler Akt zwischen zwei Menschen. Sie ist auch nicht beschränkt auf Fortpflanzung.

Sexualität ist das universal gültige, naturgesetzliche »Partnerprinzip«, das jedem Austausch zugrunde liegt.

Walter Russell

Wenn du ein Bild malst, ein Haus baust oder ein Lied komponierst, so ist dies ebenfalls ein Ausdruck der Schöpfungskraft, die jedem Menschen innewohnt. Manchmal wird die geistige Kreativität blockiert, z. B. wenn wir unter Stress stehen, aber auch, wenn sich unsere Schöpfungsenergie zu sehr oder ausschließlich in körperlichen Aktivitäten „er-schöpft“. Um ihre Schöpfungskraft in die von ihnen gewünschten Bahnen zu lenken, entscheiden sich manche Menschen sogar für sexuelle Enthaltsamkeit. Deshalb leben einige Schriftsteller z. B. während eines Buchprojektes eine Zeitlang in der Abgeschiedenheit. So werden sie nicht gestört, abgelenkt oder ihr kreativer Lauf durch sexuelle Aktivitäten blockiert.

KeineLustAufSexSind wir zu großem oder dauerhaftem Stress ausgesetzt, leidet zuerst unsere Schöpfungkraft. Sie schläft ein, und wenn wir sie nicht neu beleben können, verkümmert sie. Wir verlieren die Lust auf Sex, und unsere geistige Kreativität leidet über kurz oder lang auch. Uns gehen die Ideen aus. Wir funktionieren nur noch.

Woran liegt das?

Bei steigenden körperlichen und psychischen Belastungen schüttet der Körper vermehrt das Stresshormon Cortisol aus, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Cortisol und andere Stresshormone hemmen die Produktion des Sexualhormons Testosteron.

Darüber hinaus aktivieren sie das sympathische Nervensystem. Der Sympathikus versetzt den Körper in einen Zustand höherer Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft. Der Körper mobilisiert Energien, die er zum Kampf oder zur Flucht braucht. Die Pupillen weiten sich, das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an und der Blutdruck steigt. Gleichzeitig wird die Durchblutung der Genitalien gehemmt.

Vegetatives NervensystemDer Sympathikus hat auch einen Gegenspieler, den Parasympathikus oder das so genannte parasympathische Nervensystem.  Es ist dann aktiv, wenn wir uns sicher, geborgen und entspannt fühlen. Der Parasympathikus regelt die Verdauung, den Schlaf und auch zentrale Bereiche unserer Sexualität. Die Anspannung, die wir für Sex brauchen, ist allerdings eine positive Anspannung. Negativer Stress legt unsere Lust lahm. Und das ist auch sinnvoll.

Stell dir mal vor, du befindest dich in einer Gefahrensituation, in der du weglaufen oder dich verteidigen müsstest. Da wäre eine Erektion nicht sonderlich hilfreich und würde dir im wahrsten Sinne des Wortes nur im Weg stehen Smily

Sex und Sinnlichkeit

Erinnerst du dich daran, wie es sich anfühlt, wenn du verliebt bist?

VerliebtKönnen Stress und Alltagsbelastungen dir etwas anhaben, wenn du bis über beide Ohren verknallt bist? Vielleicht, kommt drauf an, wie groß die Belastungen sind, nicht wahr? Aber irgendwie scheint im Zustand der Verliebtheit alles viel leichter zu gehen. Natürlich, es werden ja auch Unmengen an Freudehormonen ausgeschüttet. Wir strotzen vor Kraft und könnten die ganze Welt umarmen. Es fällt uns leicht, uns auf unseren Partner oder Partnerin einzulassen. Wir können auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch stundenlang miteinander im Bett herumtoben. Das ganze geht so lange, bis die erste Verliebtheit abebbt, das geschieht bei den meisten nach etwa eineinhalb Jahren. Und selbst dann ist noch genügend Energie für Lust und Sinnlichkeit da.

Der Stresstherapeut Louis Lewitan sagte bereits 1995 in einem Interview mit Focus Online: „Sex läuft über die Sinne. Wer gestresst ist, kann aber nicht mehr sinnlich sein, und damit verflacht sein Gefühlsleben.“

Der tägliche Lebenskampf erfordert Energie und kostet viel von unserer Lebenskraft. Wir verlieren die Lust an der Lust. Dieser ständige Stress führt dazu, dass wir oft nur noch funktionieren. Im schlimmsten Fall haben wir nicht einmal mehr Lust auf kulturelle Aktivitäten oder verlieren den Gefallen an den schönen Dingen des Lebens: Arbeiten – Essen – Schlafen – das war’s.

Je größer der negative Stress ist, desto stärker nimmt die sexuelle Lust ab.

Auch sexueller Leistungsdruck kann die Lust mindern. Die Erwartung, den Ansprüchen des Partners genügen zu wollen oder auch selbst Lust empfinden zu müssen, erhöhen den Druck nur noch mehr.

Umso wichtiger ist es, dass du mit deiner Partnerin oder deinem Partner über deine Gefühle und Sorgen diesbezüglich sprechen kannst. Oft sind es nämlich auch Scham oder Unsicherheit, die den Stress zusätzlich fördern. Das muss nicht sein. Eine vertrauensvolle Partnerschaft ist hier das A und O.

Wie kommt die Lust auf Sex zurück?

GemeinsamkeitSorge dafür, dass du zu einem Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung kommst. Das ist oft nicht leicht, ich weiß. Aber es ist notwendig, sonst brennst du aus und im schlimmsten Fall bricht dein System zusammen. Und dann geht gar nichts mehr.
Willst du eine Beziehung mit deinem Partner oder Partnerin führen, in der körperliche Nähe und Sinnlichkeit eine Rolle spielen, so kommt ihr nicht umhin, beide etwas dafür bzw. für euch zu tun.
Das Jahr hat 365 Tage. Einmal im Jahr ein Kurzurlaub oder alle paar Monate ein Wochenende zu zweit reichen da nicht aus, um eure Bedürfnisse nach Zweisamkeit, Nähe und Sex zu erfüllen. Zu schnell hat der Alltag euch wieder eingeholt, und zu schnell haben sich eingefahrene Muster wieder eingeschlichen.
Schaut, ob ihr bestimmte Aufgaben (beruflich oder privat) delegieren könnt. Macht euch frei von dem Gedanken, alles selber machen oder kontrollieren zu müssen.

Macht euch locker!

LeidenschaftDas ist vielleicht nicht ganz einfach, aber man kann es lernen und üben. Überdenkt eure Prioritäten und definiert sie ggf. neu.  Besucht zusammen einen Tantra-Kurs oder geht mal wieder zum Tanzen.
Entdeckt eure Sinnlichkeit wieder. Verliebt euch aufs Neue ineinander. Erinnert euch daran, wie es damals war, als ihr euch kennengelernt habt. Was hat euch am anderen so gefallen?

Findet heraus, was euch beiden gemeinsam Freude bereitet, und dann tut es bitte!

Glückliches PaarNiemand kann euch verbieten, eine glückliche Beziehung zu führen, außer ihr selbst.
Niemand kann euch erlauben, eine erfüllende Sexualität zu leben, außer ihr selbst.
Es ihr euer Leben. Wofür werdet ihr euch entscheiden?

So helfen dir Rituale, Stress abzubauen

So helfen dir Rituale, Stress abzubauen

Früher gehörten Rituale zum Alltag, wie das Ei zum Spinat. Der berufliche sowie der private Alltag wurde zu festen Zeiten und in festgelegten Abläufen gestaltet. Vor dem Essen wurde gebetet, samstags war Badetag und – nicht zu vergessen – sonntags ging man zum Gottesdienst (sofern man religiös war).

Heutzutage werden liebgewonnene Gewohnheiten eher belächelt, vielen sind sie sogar peinlich. Starre Traditionen sind out und müssen aufgebrochen werden. Nur wer flexibel ist, bringt es auf der Erfolgsleiter nach oben. Abenteuer und Adrenalinkicks liegen heute voll im Trend und treffen den Nerv der Zeit.

Dabei ist den meisten von uns gar nicht bewusst, dass unser Alltag trotzdem jede Menge Rituale enthält, die wir aber gar nicht als solche betrachten. Und manchmal handelt es sich um Rituale, die uns gar nicht guttun.

Was meine ich damit?

toothbrush-313768_640Ein Ritual ist, wie wir wissen, eine Handlung nach einem festgelegten und immer wiederkehrenden Ablauf. Die Handlung wiederholt sich immer auf die gleiche oder annähernd ähnliche Weise. Dabei können Rituale sich im Laufe der Zeit durchaus verändern. Zeit, Ort oder Dauer der Handlung sind variabel und ergeben sich aus der Situation heraus. Das heißt, dass sich ein Ritual nicht zwangsläufig in bestimmten Zeitabständen wiederholen muss, sondern dann ausgeführt wird, wenn die Situation es erfordert.

Der Gang ins Fitness-Studio zweimal pro Woche oder der Spaziergang am Sonntagnachmittag sind ebenso Rituale wie das Zähneputzen am Morgen oder die heiße Milch mit Honig vor dem Schlafengehen. Zeitunglesen beim Frühstück oder der Genuss des Feierabendbierchens nach getaner Arbeit gehören ebenfalls dazu.

Welche Rituale führst du täglich aus, ohne dass du dir dessen bewusst bist?

Mache dir einmal bewusst, welche regelmäßig wiederkehrenden Handlungen oder Gewohnheiten du jeden Tag, jede Woche, jeden Monat ausführst. Schreibe sie ruhig einmal auf. Du wirst erstaunt sein, was da alles zu Tage kommt. Und du wirst merken, dass ein Leben ohne Rituale so gut wie unmöglich ist.

Bei Stress und besonders nach traumatischen Erlebnissen können Rituale eine große Kraftquelle sein. Rituale

  • schaffen Struktur
  • geben Halt und Sicherheit
  • geben Orientierung
  • wirken beruhigend auf das Nervensystem
  • bauen Stress ab
  • machen Spaß

Ich habe einige Menschen gefragt, welche Rituale sie ausführen, wenn sie Stress abbauen wollen. Es kamen die unterschiedlichsten Antworten dabei heraus:

  • Eine Kollegin erzählte mir, dass sie eine zeitlang jeden Morgen, bevor sie zur Arbeit ging, erst einmal eine Viertelstunde badete. So machte sie sich fit für den anstrengenden Tag.
  • Eine andere badete jeden Tag nach der Arbeit bzw. vor dem Schlafengehen, um zu entspannen und die Anstrengungen des Tages hinter sich zu lassen.
  • Ich kenne jemanden, der setzt sich nach der Arbeit an seinen Computer zuhause und spielt Autorennen, Solitaire oder Ballerspiele. Er sagt, so könne er am besten entspannen und abschalten. Dazu komme ich später nochmal.
  • yoga-241609_640Eine Bekannte geht einmal in der Woche zum Tai Chi.
  • Ein Freund macht mit seiner Frau zweimal pro Woche Aqua-Gymnastik.
  • Eine Frau malt, wenn sie Stress hat. Wenn sie so richtig genervt ist und die Dinge nicht mehr fließen wollen, schnappt sie sich eine Leinwand und tobt sich mit verschiedenen Farben nach Herzenslust aus.
  • Meine ehemalige Lehrerin trinkt jeden Morgen vor dem Aufstehen eine Tasse Tee im Bett. Ihr Partner bereitet ihn für sie zu und serviert ihn ihr ans Bett.
  • BauchtanzEine Freundin besucht zweimal wöchentlich einen Zumba-Kurs und geht zusätzlich einmal pro Woche noch zum Tanzen, um ihren Alltagsstress abzubauen.
  • Eine andere macht lange Spaziergänge, um ihren Kopf frei zu bekommen.

Ich selbst habe auch verschiedene Rituale zum Stressabbau:

TeezeremonieSo mache ich kleine Achtsamkeitsübungen, wie z. B. einen Moment innehalten und eine Minute lang meinen Atem beobachten. Ich mag auch Kurzmeditationen. Dazu setze ich mich in den Schneidersitz, schließe die Augen und gehe in mich, ohne eine Absicht zu verfolgen oder etwas zu wollen. So komme ich in einen angenehm entspannten Zustand.

Wenn ich unruhig, unkonzentriert oder genervt bin, stehe ich auf und gehe auf meinen Balkon. Dort schaue ich ins Grüne, nehme einige Atemzüge oder setze mich hin und trinke einen Kaffee oder Tee. Manchmal gehe ich auch in den Wald und umarme einen Baum. Diese Mini-Rituale helfen mir, mich zwischendurch ein wenig zu entspannen, Druck und Stress loszulassen.

Rituale, die nicht guttun

ComputerspielSo, nun komme ich noch einmal auf den Freund zurück, der behauptet, mit Computerspielen könne er sich am besten entspannen.

Fakt ist: Das kann er nicht! Erwiesenermaßen können wir nicht entspannen, wenn wir am Computer arbeiten, auch wenn es sich dabei nur um ein Spiel handelt. Wir sind dabei in ständiger Anspannung. Wir fiebern mit und rutschen unruhig auf unserem Stuhl hin und her oder wechseln ständig unsere Sitzhaltung. Die Muskulatur ist angespannt, der Blutdruck erhöht, der Puls geht schneller, die Atmung ist flach, möglicherweise halten wir sogar den Atem an, wenns im Spiel gerade brenzlig wird.  Gewaltvolle Ballerspiele, bei denen wir andere Wesen abwehren oder töten sollen, wirken keinesfalls entspannend auf uns, weder auf Körper, Seele noch Geist.

Selbst wenn wir uns immer wieder sagen, dass es sich NUR um ein Spiel handelt, so nimmt unser Gehirn und unser Unterbewewusstsein die Handlung, die da läuft und in die wir beim Spielen eingebunden sind, als Realität wahr. Die elektrische Strahlung tut ihr Übriges dazu. Nächtliche Unruhe, Schlafstörungen oder Alpträume sind da keine Seltenheit. Wer da am nächsten Tag ausgeruht zur Arbeit oder zur Schule muss, sollte den Abend lieber ruhiger ausklingen lassen als mit Spätnachrichten im Fernsehen oder Computerspielen.

Was mein Freund hier tatsächlich meinte und auch geäußert hat, ist, dass er beim Computerspiel abschalten kann vom Alltagsgeschehen.  Und das glaube ich ihm aufs Wort, denn er ist ein Meister der Alltags-Dissoziation*. Wenn ihm etwas auf den Keks geht, schaltet er innerlich einfach auf einen anderen Kanal um, als hätte er eine eingebaute Fernbedienung. Ich gebe zu, dass ich ihn dafür manchmal beneide.

Allerdings ist er auch Meister im Verdrängen, und bekanntlich drängt das Verdrängte ja irgendwann nach oben. Verdrängung ist ein Schutzmechanismus, der bewusst oder unbewusst eingesetzt wird, um uns nicht zu überfordern. Allerdings ist dies auf Dauer nicht gesund. Manchmal ist die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema sinnvoller. Dann kann der Konflikt offengelegt werden und der damit verbundene Stress und Druck kann ein Ventil finden und abgebaut werden. Über Jahre aufgestauter Druck kann irgendwann zu Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Im schlimmsten Fall schnappt die Psyche über und es kommt zu Spontanhandlungen, wie Suizidversuche oder Amokläufe.

Rituale, die guttun

Du hast vorhin schon einige Rituale kennengelernt, die Menschen anwenden, um  Spannungen und Blockaden zu lösen und wieder frei durchzuatmen oder gut schlafen zu können.

Hier fallen mir noch ein paar Rituale ein, die dir helfen können, Stress abzubauen und zu entspannen:

Rituale am Morgen

  • Kaffee trinkenVor dem Aufstehen ein paar Dehnungsübungen im Bett machen. Recke und strecke dich und gähne dabei laut.
  • Vor dem Duschen die Haut mit einem Handschuh oder einer Bürste trockenbürsten. Dabei von unten nach oben arbeiten zum Herzen hin. So fährst du dein System hoch und machst dich fit für den Tag.
  • Gemütlich frühstücken, ohne Hast...

Rituale am Abend

  • FußbadFrage dich eine Zeitlang vor dem Schlafengehen: was war heute schön – wofür bin ich dankbar – was habe ich heute gelernt – wen liebe ich – wer darf mich lieben?
  • Ein Fußbad oder Vollbad bei Kerzenschein und deiner Lieblingsmusik.
  • Vor dem Einschlafen kannst du gedanklich deinen Körper durchforsten und ihn wahrnehmen. Fang beim Kopf an und gehe dann runter bis in die Zehen. So fährst du dein System runter und kannst gut entspannen. Ich schlafe oft darüber ein.
  • Ein kurzer Spaziergang an der Abendluft (vielleicht musst du sowieso mit dem Hund raus?).
  • Ein Gebet...

Kennst du noch weitere Rituale? Wie verbringst du beispielsweise deine Mittagspause? Welche Rituale hast du für dich entdeckt, um mit Stress fertigzuwerden? Welche funktionieren gut? Welche weniger gut? Vieleicht hast du dir ja eigene Rituale geschaffen.

Beachte:

meditation-609235_640Rituale sollten nicht als Ersatzbefriedigung oder zur Verdrängung verwendet werden. Es hilft auch nichts, besonders viele verschiedene Rituale auszuführen oder ein und dasselbe Rituale dreißig Mal am Tag zu wiederholen. Das wäre kontraproduktiv. Vielmehr sollen Rituale dir helfen, deine Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit nach innen zu richten. Je intensiver die damit verbundenen Gefühle sind (im positiven Sinne natürlich), desto besser ist die beruhigende Wirkung auf dein Nervensystem. Die gestörten Informationsflüsse zwischen Nervenzellen werden synchronisiert.

Führe daher deine Rituale achtsam und bewusst aus und lasse sie nicht zur Routine werden. Sonst verlieren sie ihre heilsame Wirkung.

Schreibe mir, ich freue mich auf deine Erfahrungen.


*Begriffserklärung: Alltags-Dissoziation

Dissoziation (= Ausblenden, Abschalten)

Dissoziieren hilft, ein Trauma zu überleben. Grundsätzlich ist Dissoziation ein Alltagsphänomen und das Gegenteil von Assoziation. Wir dissoziieren und assoziieren ständig. Wir fügen zusammen und trennen oder schieben zur Seite. Unser Gehirn filtert aus, was es als

  • zu unwichtig oder
  • zu brisant

einschätzt.

Es gibt Menschen, die im größten Trubel alles um sich herum vergessen. Sie blenden Geräusche und Bewegungen um sie herum aus und vertiefen sich in ein Buch. Wer gut dissoziieren kann, kann sich aus der zusammenhängenden Wahrnehmung der Alltagsrealität einfach „wegbeamen“[1].

Allerdings ist eine gute dissoziative Fähigkeit im Alltag kein unbedingter Hinweis darauf, dass Dissoziation auch in extremen Stress-Situationen als Abwehrmechanismus zum Einsatz kommt.

[1] Huber, M. (2007):  Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung Teil 1, S. 53 ff. – 3. Aufl., Junfermann Verlag.

Der Stress mit dem perfekten Körper

Der Stress mit dem perfekten Körper

Übergewicht – warum Stress dick macht

StrandfigurDie Sommersonnenwende ist längst vorbei, die Tage werden allmählich wieder kürzer. Die Schafskälte schien dieses Jahr länger als sonst zu dauern, doch auch sie liegt hinter uns. Der Hochsommer ist da. Endlich können wir unsere muskelgestählten Körper in der Sonne räkeln und die bewundernden oder auch neidvollen Blicke unserer Mitmenschen auf uns ziehen.

WaageNanu, was ist denn das für ein gequälter Gesichtsausdruck? Hast du etwa keine Hollywood-Figur? Statt dessen Stress mit dem perfekten Körper? Du leidest unter Übergewicht? Du hast deine Ernährung umgestellt, rackerst jeden Tag im Fitness-Studio und nimmst trotzdem nicht ab? Du verstehst die Welt nicht mehr und bist der Verzweiflung nahe?

Ok, dann wollen wir uns einmal anschauen, warum das so ist.

Sofern du nicht unter einer Stoffwechselstörung, einer Schilddrüsenunterfunktion oder dergleichen leidest, keine Medikamente nimmst, die dich aufschwämmen, wie z. B. Cortison, oder sonstige körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können, könnte Stress eine Erklärung dafür sein, dass du Übergewicht hast und nicht abnimmst.

Jeder zweite Deutsche leidet unter Stress. Sei es durch Zeit- und Termindruck auf der Arbeit oder Doppelbelastung durch Beruf und Familie, Stress wegen gesundheitlicher Probleme oder aus welchem Grund auch immer.

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Stress verhindert die Fettverbrennung

Längst ist der Zusammenhang von Fettleibigkeit (Adipositas), Diabetes und chronischem Stress nachgewiesen. Doch wenn du erst einmal weißt, wie Stress entsteht, was er mit dir macht und welche Auswirkungen er auf deinen Körper hat, kannst du dem entgegenwirken. Dann kann deine Psyche sich entspannen, die Körperfunktionen können sich wieder regulieren und du kannst endlich dein Übergewicht loswerden.

In meinem Blog-Artikel „Distress und Eustress“ erfährst du, dass es zwei Arten von Stress gibt, nämlich positiven und negativen Stress. Positiver Stress (Eustress) wird nicht als Belastung empfunden, selbst wenn wir vorübergehend unter großem Druck stehen, um eine Aufgabe in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu erledigen.

Eustress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit von Körper und Geist. Du fühlst dich stark und könntest Bäume ausreißen. Nach getaner Arbeit fühlst du dich super und kannst dich nach der großen Anspannung auch wieder gut entspannen.

Negativer Stress (Distress) hingegen wirkt auf Dauer zerstörerisch. Sind wir über einen längeren Zeitraum Distress ausgesetzt, kann dies schwere psychische und körperliche Folgen haben. Wir können nicht mehr entspannen und werden krank an Körper und Seele.

Weitere Faktoren für Stress und Stress-Symptome findest du im Artikel „Stressauslösende Umstände“.

Warum kann der Körper nicht abnehmen, wenn wir unter Dauerstress stehen?

Wenn wir unter Stress stehen, schüttet unser Körper Stress-Hormone aus, z. B. Adrenalin, Nor-Adrenalin und Cortisol. Cortisol zieht die Proteine aus den Muskeln und wandelt sie in Zucker (Glukose) um. Der Muskel baut sich ab. Ebenso hemmt Cortisol den Abbau von Körperfett. Da viele Menschen einen gestörten Cortisol-Zyklus haben, weil sie abends nicht in den Schlaf kommen, morgens erschöpft aufwachen und dazu womöglich noch jede Menge Kaffee brauchen, um überhaupt wach zu werden, führt dies früher oder später in eine zerstörerische Abwärtsspirale, die in einem chronischen Erschöpfungssyndrom, auch Burnout genannt, enden kann.

drug-621843_640Doch ich will hier nicht allzu wissenschaftlich werden. Wichtig zu wissen ist, dass der Körper nur Fett abbauen kann, wenn er im Gleichgewicht ist zwischen Anspannung und Entspannung. Chronischer Stress hat eine negative Wirkung auf unser körperliches und seelisches Gleichgewicht. Denaturierte Lebensmittel tragen ebenso dazu bei wie zu wenig Schlaf, zu wenig Bewegung, zu wenig Sonnenlicht und übermäßiger Zigaretten‑, Alkohol- oder Drogenkonsum. Medikamente, wie z. B. Cortison oder Antipsychotika können den Körper aufschwemmen und das Abnehmen ebenfalls behindern, im schlimmsten Fall sogar unmöglich machen.

Unser Belohnungssystem im Gehirn

woman-674977_640Musst du auch essen, wenn du Stress hast? Es gibt Menschen, die haben überhaupt keinen Appetit, wenn sie nervös sind. Und es gibt welche, die reagieren bei Stress so, als hätten sie Hunger. Dann stopfen sie jede Menge Süßigkeiten in sich hinein, um ihren emotionalen Notstand zu beruhigen. Nach einer Tafel Schokolade geht’s ihnen dann wieder gut.

gummibarchen-442543_640Blöd ist nur: Hast du dich erst einmal daran gewöhnt, deine Nervosität durch Essen, vor allem Süßes oder Fettiges zu beruhigen, wirst du bald nicht mehr anders können als zu essen, wenn du in einem emotionalen Ausnahmezustand bist. Du programmierst sozusagen dein Essverhalten um. Die ursprüngliche Aufgabe des Gehirns, dich vor dem Verhungern zu bewahren, wird praktisch überschrieben. Dann werden Gehirn-Areale aktiv, die dir suggerieren: „Wenn du jetzt etwas isst, fühlst du dich gut.“ Sich dem zu widersetzen schafft auf Anhieb nicht jeder, man kann es aber lernen und trainieren.

Die Zusammenhänge von Stress, Übergewicht und Diabetes

Das Gehirn versorgt sich immer zuerst mit Energie, bevor es dem restlichen Körper (Muskeln, Organen etc.) etwas davon abgibt. Unser Gehirn benötigt rund 50 Prozent unseres täglichen Glukosebedarfs.

In seinem Buch „Das egoistische Gehirn“ erklärt Prof. Dr. Achim Peters von der Uni-Klinik Lübeck, wie Stress mit Übergewicht und Diabetes zusammenhängt. Ist die Energieversorgung des Gehirns gestört, kommt es zu einem Stau in der Lieferkette, so Prof. Peters. „Es gelingt dem Gehirn nicht, ausreichend Energie aus dem Körper anzufordern. Es gleicht die Unterversorgung aus, indem es über ein System aus Botenstoffen den Appetit stimuliert.“

Das Ende vom Lied: Wir essen oft mehr, als wir brauchen und erhöhen unser Risiko, an Adipositas (Fettsucht) und/oder Diabetes zu erkranken.

Übergewichtige leben länger

thick-373064_640Hab ich’s doch gewusst, höre ich jetzt viele sagen. Jetzt kann ich doch so bleiben wie ich bin.

Wie jetzt? Wir haben doch gerade gelernt, dass viele Menschen viel zu viel essen und unter Übergewicht zu leiden haben.

Ja, wer unter seinem Übergewicht leidet, sollte dringend etwas dagegen tun. Angemessene Bewegung, angemessene Ernährung und ausreichend Psychohygiene lautet die Devise.

Jedoch: dick heißt nicht gleich krank, und dünn heißt nicht unbedingt gesund. Krank macht das so genannte viszerale Fett. Es sitzt am Rücken, im Bauchraum und um die Organe herum. Viszerales Fett fördert Entzündungen und die Entstehung von Krankheiten. Es gibt Übergewichtige, die kein viszerales Fett haben. Und ebenso gibt es Schlanke, die durchaus viszerale Fettansammlungen im Körper aufweisen. Die Gründe dafür werden in der Genetik vermutet.

Ein niedriger Body-Mass-Index (BMI) ist kein Garant für ein längeres Leben. Die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg fand heraus, dass Menschen mit einem BMI von 27 die geringste Sterberate haben. Das sind Menschen mit einem Gewicht von 78 Kilo und einer Größe von 1, 70 Metern, also nach BMI Übergewichtige.

Menschen lagern Fett ein als Schutzmechanismus gegen dauerhaften Stress. Diese Fetteinlagerung wird durch das Gehirn gefördert, weil es in Stress-Situationen Energie braucht.

bodybuilding-685077_640Alles für den perfekten Körper

Aber auch wer sich täglich auf die Waage stellt, zu viel Sport treibt und wessen Gedanken um nichts anderes mehr kreisen können, wie um die perfekte Figur, die perfekte Ernährung und das perfekte Aussehen, setzt sich unter Druck. Extremsportler oder auch Bodybuilder, die ständig auf ihre Ernährung achten müssen, und die sich kaputt trainieren, leiden oft unter Dauerstress. Und man sieht es ihnen auch an. Ihr Gesichtsausdruck ist eher verkniffen als entspannt. Sie sehen auch wesentlich älter aus als andere im selben Alter.

Wenn du dich mit Gedanken der Gewichtsreduktion trägst, solltest du vorher einen Stress-Check machen. Je entspannter du bist, desto leichter kannst du abnehmen. Die Gründe dafür kennst du jetzt.

Willst du deine Stressfaktoren identifizieren und lernen, wie du am besten entspannen kannst? 

meditation-609235_640Dann empfehle ich dir ein persönliche Sitzung mit mir. 

Dort finden wir gemeinsam heraus, welche Übungen und Stresslöse-Techniken für dich gut funktionieren und wie du sie im Alltag einsetzen kannst. 

Vereinbare gleich einen Termin: 030 – 7790 9225 oder per E‑Mail

Kleiner Junge mit Hund

Tierische Therapeuten

Tiere als Helfer in Therapie und Pädagogik

Viele Menschen haben ein Haustier, ich behaupte einmal, die meisten von uns. Und jeder, der ein Haustier zu sich nimmt, tut das aus ganz bestimmten, individuellen Gründen.

TiereHelfer

Die Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren vermehrt mit der Wirkung von Tieren auf Menschen befasst. Leider hinkt Deutschland mit der Erforschung der „animal assisted therapy“, wie die tiergestützte Therapie in den angelsäschischen Ländern heißt, mal wieder hinterher. In den USA erschien bereits im Jahr 1969 das erste Werk zu diesem Thema, und es gibt weiterhin dazu viel Fachliteratur.

Doch inzwischen interessieren sich immer mehr Pädagogen und Therapeuten aus verschiedenen Richtungen für die tiergestützte Therapie bzw. tiergestützte Interventionen und setzen auch Tiere bei ihrer Arbeit ein. Mittlerweile gibt es sogar professionelle Weiterbildungen für Heilpädagogen, Sozialarbeiter oder auch Ergotherapeuten in tiergestützter Therapie.

Tierische Therapeuten

Tiere haben beim Menschen positive Auswirkungen, z. B.

  • Senkung des Blutdrucks
  • Reduktion der Herzfrequenz
  • Hormonhaushalt
  • Muskeltonus
  • Wahrnehmung (wird gefördert)
  • Entspannung im Gesicht (Mund-/Augenpartie)
  • Stimme wird weicher (Frequenz steigt)
  • Erhöhung der Aufmerksamkeit
  • Erhöhung der Kommunikations- und Leistungsfähigkeit

Die Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Tier

elephant-375_640Menschen und Tiere leben schon seit Ewigkeiten zusammen. Im Lauf der Geschichte domestizierte der Mensch die Tiere und setzte sie für die Arbeit ein, z. B. auf dem Feld. Je mehr sich der Mensch kulturell entwickelte, desto mehr veränderte sich auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier. In prähistorischen Hochkulturen spielten Tiere eine wichtige Rolle. So galten beispielsweise Katzen bei den alten Pharaonen als heilige Tiere. In Indien sind es bis heute noch die Kühe. In anderen Teilen der Welt gelten Elefanten als heilig.

Trotzdem wurden Tiere als niedere Wesen angesehen, die keine Seele besaßen. Erst Aristoteles (384−322 v. Chr.) sprach den Tieren eine Seele zu. Unter verschiedenen religiösen Einflüssen änderte sich diese Sichtweise jedoch immer wieder. Der Mensch ist in der Lage, über sich selbst nachzudenken, das Tier nicht, hieß es. Daher stellte man den Menschen über das Tier und nahm sich das Recht heraus, das Tier nach Belieben zu benutzen.

Erst im 18. Jahrhundert begann ein Umdenken. Der Philosoph und Naturforscher Jean-Jacques Rousseau fand heraus, dass Tiere sehrwohl ein Empfindungsvermögen haben. Und so nahm man nicht mehr allein die geistige Leistung als Maßstab, sondern entdeckte Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier, nämlich über das Fühlen und die Sensibilität. Damit veränderte sich erneut die Mensch-Tier-Beziehung. Nicht zuletzt durch die moderne Verhaltensforschung, die herausfand, dass Tiere leidensfähig sind.

War das Tier früher überwiegend Jagdgefährte oder Arbeitstier, so nimmt es heute einen immer wichtigeren Stellenwert im sozialen Bereich ein: das Tier als Freund und Familienmitglied.

Was ist tiergestützte Therapie?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sowohl in der Therapie als auch in der Pädagogik bzw. sozialen Projekten Tiere als Helfer eingesetzt werden mit dem Ziel, das psychische und körperliche Wohlbefinden oder das Sozialverhalten zu verbessern, Ängste abzubauen, Spannungen zu lösen und vieles mehr.

Welche Voraussetzungen muss ein Tier haben, um als Helfer eingesetzt zu werden?

Nicht jedes Tier eignet sich als Therapie-Tier. Um bei einer Therapie eingesetzt zu werden, muss das Tier bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es muss

  • gesund und gepflegt
  • kontaktfreudig und neugierig sein und
  • ein freundliches Wesen haben

Es kann vorkommen, dass jemand mit motorischen Störungen das Tier etwas fester anpackt als ein gesunder Mensch. Oder dass sich aufgrund von psychischen Beeinträchtigungen, Ängsten oder emotionalen Belastungen ein Mensch nicht so verhält, wie er es sonst tun würde. Daher ist ein freundlicher und geduldiger Charakter des Tieres unabdingbar.

Welche Tiere sind als Co-Therapeuten geeignet und wo werden sie eingesetzt?

HUNDE
Der Hund als BegleiterIm medizinischen Bereich werden Hunde gerne in der Logotherapie eingesetzt.

Aber auch Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen, Erziehungsheime und sogar Justizvollzugsanstalten werden im Rahmen von Tierbesuchsdiensten besucht. In den USA wirkenTherapiehunde schon seit vielen Jahren in Krankenhäusern am Heilungsprozess von Patienten mit z. B. schweren Kopf- oder Rückenmarkverletzungen, Amputationen, Schlaganfällen und neuromuskulären Beeinträchtigungen mit.

Inzwischen gibt es sogar Hunde, die darin ausgebildet werden, Krebs zu erschnüffeln,  bevorstehende Epilepsie-Anfälle oder eine Unterzuckerung bei Diabetes-Erkrankten zu erkennen.

Aber nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen Bereich sind Hunde eine große Hilfe. In psychiatrischen Abteilungen oder psychotherapeutischen Praxen wird gerne mit Hunden gearbeitet. Der Körperkontakt zum Hund durch Streicheln und Kuscheln wirkt sich wohltuend auf die Seele des Menschen aus.

PFERDE
arabian-horse-656756_640Auch mit dem Pferd ist ein enger körperlicher Kontakt möglich. Die Hippotherapie wird in der Hauptsache zur Lösung von Verkrampfungen und zur Förderung von Gleichgewicht und Bewegung eingesetzt. Heilpädagogisches oder therapeutisches Reiten wird beispielsweise gerne bei Suchtpatienten oder bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

Ebenso bei Menschen mit Sprachstörungen oder mit psychischen bzw. psychosomatischen Beeinträchtigungen ist die Pferdetherapie sehr beliebt. Pferde und Esel werden auch gerne im Rahmen einer Angsttherapie eingesetzt. Denn das Führen eines so großen Tieres baut Unsicherheiten ab und stärkt das Selbstvertrauen. Ein Pferd lässt sich nämlich nur führen, wenn man sich selbst ganz sicher ist, wohin man will und das auch ausstrahlt. Schon die kleinste Unaufmerksamkeit genügt, und das Pferd macht was es will und nicht, was der Patient möchte.

DELPHINE
DelfintherapieDelphin-Therapien gehören zu den bekanntesten Therapieformen mit Tieren. Sie werden hauptsächlich bei Kindern angewendet, z. B. bei Autismus, dem Down-Syndrom oder geistigen Behinderungen.

Die Therapie findet im Wasser statt, was einen besonderen therapeutischen Effekt auf den Patienten hat: das Getragenwerden im Wasser, die Wärme der Sonne, die Wellenbewegungen des Wassers und natürlich der Kontakt zum Delphin haben eine überaus positive Wirkung auf den Patienten.

Delphine können erkennen, ob eine Frau schwanger ist. Über ihr Sonar nehmen sie wahr, dass im Bauch der Frau noch ein Herz schlägt. Das zieht sie magisch an.

Entspannung, Zufriedenheit, Steigerung der Kommunikation, längere Phasen der Aufmerksamkeit sind positive Effekte der Delphin-Therapie.

NUTZTIERE:
Nutztiere als TherapeutenKühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Gänse etc.
Nutztiere werden oft auf Bauernhöfen eingesetzt, die sich auf Tier-Therapien spezialisiert haben.

Hier wohnen und arbeiten Menschen mit geistiger Behinderung, psychisch oder psycho-sozial Beeinträchtigte, Suchtkranke, Demenzerkrankte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. Auch Ex-Häftlinge werden mit der Pflege eines oder mehrerer Tiere auf dem Therapie-Bauernhof betraut. Dies dient der Verbesserung des Sozialverhaltens im Rahmen von Re-Sozialisierungsmaßnahmen.

SONSTIGE TIERE
Haustiere als Therapeuten und BegleiterKatzen, Vögel, Meerschweinchen oder Fische werden in Krankenhäusern, Anstalten oder Kliniken eingesetzt, wo sie durch ihre bloße Anwesenheit wirken.

Dabei ist zu sagen, dass Katzen sich durch eine Besonderheit auszeichnen. Sie setzen oder legen sich gerne auf energetische Störfelder, z. B. Wasseradern.

Für wen sind Tiere als Co-Therapeuten geeignet?

Die Frage wurde zum Teil schon beantwortet, hier noch einmal zusammengefasst:

  • Verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • Kinder und Jugendliche in pschiatrischen und psychotherapeutischen Einrichtungen oder Praxen: Schwellenängste werden abgebaut. Tiere vermitteln eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre, die Angst vor dem Therapeuten oder der Therapie wird genommen.
  • Senioren und Bewohner von Pflegeheimen: Oft sind diese Menschen alleine und haben niemanden, der sie besucht. Auch das Knüpfen von neuen Kontakten gestaltet sich oft schwierig. Zärtlichkeiten können nicht mehr ausgetauscht werden, sind oft sogar ein Tabuthema. Die älteren Menschen erfahren wieder Gefühle und Emotionen. Sie erleben Körperkontakt mit dem Tier, spüren seine Wärme, seinen Atem, seine pulsierende Lebendigkeit. Sie dürfen dem Tier ihre Zuneigung und Zärtlichkeit geben, anstatt selbst nur versorgt zu werden. Mit einem Tier lassen sich auch leichter soziale Kontakte herstellen, und Tiere helfen gegen die gähnende Langeweile des Alltags. Tiere vertreiben die Einsamkeit und senken nachweislich die Medikamentendosis.
  • Demenz- und Parkinsonerkrankte
  • Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen
  • Patienten mit neurologischen Störungen
  • Depressive und Suchterkrankte
  • AIDS- und Krebspatienten
  • Koma-Patienten und Menschen, die im Sterben liegen: Hunde werden hier gerne eingesetzt, sie helfen Druck abzubauen.

Die Wirkung der Tiere auf Menschen

Durch die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier, durch die gemeinsame Kommunikationsebene (non-verbal, Körpersprache), lösen sich Ängste und wird das Selbstbewusstsein gestärkt.

In der Begegnung mit einem Tier, z. B. mit einem Hund, erfährt der Mensch bedingungslose Liebe, Zuneigung und Akzeptanz. Dies erfahren sie von ihren Mitmenschen meist nicht. Das Tier nimmt uns so an, wie wir sind, ohne Vorurteile oder Zweifel. Die vertrauensvolle Öffnung des Patienten dem Tier gegenüber begünstigt den Heilungsprozess.

Auch tierische Therapeuten brauchen eine Auszeit

Tiere, die pädagogisch oder therapeutisch eingesetzt werden, sind oft einem hohen Maß an Stress ausgesetzt. Körperliche Zudringlichkeiten, raues Zupacken, zu viele Menschen, die sich um ein Tier drängeln, ungewohnte Gerüche oder Bewegungen durch die Patienten bedeuten für das Tier Stress.

Hunde am StrandWichtig ist daher, dass Personen, die therapeutisch mit Tieren arbeiten, das Tier oder die Tiere gut kennen, Stressreaktionen des Tieres erkennen und gut darauf reagieren können. Tierische Co-Therapeuten spüren Anspannungen und Ängste ihrer Patienten, was für sie eine zusätzliche Belastung darstellt. Deshalb braucht das Tier regelmäßige Pausen und Erholungszeiten. Tiere sind unsere Freunde und haben ein Recht auf ihre eigene Lebensfreude.

Alles in allem sind Tiere als therapeutische Helfer eine große Bereicherung. Eine verantwortlicher, artgerechter Umgang mit den Tieren, Sachkunde sowie eine spezielle Ausbildung ist bei tier-therapeutisch Arbeitenden unerlässlich.

Wie haben sich Tiere auf dein Wohlbefinden und auf deine Genesung ausgewirkt?

Schreibe mir. Ich freue mich auf deine Erfahrungen.

Hier noch ein paar Empfehlungen, falls Du Dich näher mit der tiergestützten Therapie oder Tieren in der Sozialen Arbeit mit Menschen befassen möchtest:

11 Tipps bei Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz

Arbeitskollegen können ganz schön gemein sein. Besonders, wenn sie der Meinung sind, sie seien etwas Besseres. Wenn ihnen dann noch deine Nase nicht gefällt, bist du dran, egal, wie nett oder kompetent du bist.

Dr. Cholerikus

57400-mobbingVor vielen Jahren hatte ich einen Kollegen, der eine Freude daran zu haben schien, andere zu gängeln und zu provozieren. Das hat er nicht nur mit mir, sondern auch mit anderen Kollegen gemacht. Er war von cholerischem Charakter, deshalb nenne ich ihn hier Dr. Cholerikus. Wir waren beide in einer Bundesoberbehörde beschäftigt. Ich war Referats-Sekretärin, mein Kollege hatte einen Doktortitel, den Beamtenstatus und eine entsprechend dotierte Besoldungsgruppe.

Talente werden nicht immer von allen geschätzt

Ich hatte immer schon eine schnelle Auffassungsgabe und konnte mich rasch in neue Themengebiete einarbeiten. Meine Arbeiten erledigte ich nicht nur gewissenhaft, sondern auch noch in einem Tempo, dass mein Referatsleiter immer staunte und lache und mich fragte, ob ich zaubern könne. Und so kam es hin und wieder vor, dass am Ende meiner Arbeit noch viel Zeit übrig war. Früher nach Hause gehen durfte ich nicht, schließlich hatte ein Arbeitstag 7,5 Stunden, und die mussten „abgesessen“ werden, egal ob man was zu tun hatte oder nicht. So war das jedenfalls damals im Öffentlichen Dienst.

Mein Referatsleiter sagte immer: „Frau Geiss, wenn Sie nach Leistung bezahlt werden würden, hätten Sie bereits mittags Feierabend.“
Der Leiter eines anderen Referates meinte, ich gehörte mit meinen Fähigkeiten in die freie Wirtschaft, dort könnte ich viel mehr Geld verdienen als im Öffentlichen Dienst. Tja, da mag er Recht gehabt haben, aber ich hatte damals ein kleines Kind und war alleinerziehend. Da bot mir der Job in der Behörde die Sicherheit, die ich brauchte. Und ich war glücklich dort.

My office is my castle

Ich hatte damals ein winzig kleines Büro, das nach heutigen EU-Richtlinien gar nicht mehr als Arbeitsplatz durchgehen würde. Darin befanden sich ein Aktenschrank, ein Schreibtisch mit PC, ein Telefon und natürlich ein Drehstuhl. Ich liebte dieses Büro. Es war klein, aber es war mein Reich. Mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus hatte ich ein super gutes Verhältnis. Das Arbeitsklima wurde nicht zuletzt durch unseren Referatsleiter auf einem sehr familiären Niveau gehalten. Wir haben das alle sehr genossen.

Das Messer im RückenDr. Cholerikus hingegen war ein richtiger Stinkstiefel. Er war das, was man „hinterfotzig“ nennt. Zuerst tat er dir freundlich ins Gesicht, und kaum dass er sich umgedreht hatte, rammte er dir das Messer in den Rücken. Er konnte es nicht ertragen, wenn ich mal eine halbe Stunde Zeit hatte, um mit anderen KollegInnen im Haus ein Schwätzchen zu halten oder mich für die Arbeit im Labor interessierte.

Und so kam es, dass der werte Kollege immer mal wieder durch die Blume – manchmal auch sehr direkt – hatte fallen lassen, dass die Frau Geiss wohl entweder zu wenig zu tun oder zu viel frei hätte. Dabei war es ihm egal, ob andere Kollegen dabei waren oder nicht. Einmal fragte ich ihn vor versammelter Mannschaft, ob er denn glaubte, dass ich den ganzen Tag nur Däumchen drehen würde. Worauf er antwortete: „Nein, nicht den ganzen!“ Meine KollegInnen und ich schauten uns nur an, verdrehten die Augen und grinsten, weil klar war, dass Dr. Cholerikus mal wieder eine Laus über die Leber gelaufen sein musste.

Er war auch ein Meister der Unterstellungen. Ich erinnere mich, dass er ein paar Mal versuchte, mir etwas unter die Weste zu jubeln, um mich dann „hochgehen“ zu lassen. Da ich den Braten aber schon 10 Meilen gegen den Wind roch, beugte ich vor und machte mir zu allem, was er mir auftrug, Notizen und zeichnete die Arbeiten, die ich erledigt hatte, mit Datum und Kürzel ab. Obendrein machte ich davon Kopien und verwahrte sie bei mir auf. Wie gut, dass ich das tat.

Nicht mit mir!

Eines Tages kam er zu mir ins Büro und versuchte, mich zur Sau zu machen, weil ich angeblich eine bestimmte Aufgabe nicht erledigt hätte. Ich griff kurzerhand in meine Schublade und zog das Beweisstück hervor. Das brachte ihn erst recht auf die Palme, denn mit so viel Pfiffigkeit meinerseits hatte er nicht gerechnet. Er hielt sich nämlich für oberschlau. Da kannte er aber die Frau Geiss noch nicht. Die hat zwar keinen akademischen Grad, steht Dr. Cholerikus jedoch in Sachen Intelligenz und Straßenschläue in nichts nach. Ätsch.

Als er dabei war, mich anzubrüllen, wurde ich immer ruhiger, stand nur da und schaute ihn an, bis er fertig war. Durch die Lautstärke, die er an den Tag legte, ließ es sich nicht vermeiden, dass die KollegInnen im Haus das mitbekamen.

Rote Karte für MobberDann brüllte ich zurück: „Du verlässt auf der Stelle mein Büro. Und du kommst erst dann zurück, wenn du wieder normal geworden bist. Dann darfst du mich fragen, ob ich wieder etwas für dich schreibe. Andernfalls kannst du dich in Zukunft an die Schreibkanzlei im Haupthaus wenden.“

Dr. Cholerikus verschlug es die Sprache, er lief puterrot an und drohte fast zu ersticken. Wutentbrannt machte er auf dem Absatz kehrt und verließ mein Büro. Drei Tage lang sprach er kein Wort mit mir. Danach behandelte er mich mit einer Freundlichkeit, die schon fast nicht mehr zu ertragen war. Nicht dass er sich etwa entschuldigt hätte, nein, das hätte Dr. Cholerikus nicht über sich gebracht. Aber er machte sich mit seinem Verhalten zum Gespött des ganzen Referates. Es war köstlich und ging mir runter wie Öl.

Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass so ein Verhalten „Mobbing“ genannt wird. Und natürlich gibt es viele, die am Arbeitsplatz gemobbt werden. Gott sei Dank bin ich mit genügend Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit ausgestattet, sonst hätte ich mich gar nicht getraut, mich zu wehren.

Was ist Mobbing?

Wir alle haben eine Vermutung, was Mobbing ist, haben es vielleicht selbst schon erlebt oder können zumindest einige der nachfolgenden Punkte benennen:

Mobbingarten

Die allgemeine Definition von Mobbing geht auf den Psychologen Heinz Leymann (1932−1999) zurück. Er gilt als Pionier in der Mobbingforschung:

„Eine Person wird an ihrem Arbeitsplatz gemobbt, wenn sie im Konflikt mit Kollegen oder Vorgesetzten in eine unterlegene Position gekommen ist und auf systematische Weise über mindestens 6 Monate hinweg mindestens einmal pro Woche einer der folgenden 45 feindseligen Handlungen ausgesetzt ist:“

Einige dieser 45 feindseligen Handlungen seien an dieser Stelle aufgeführt. Die restlichen findest du unter dem o. g. Link.

  • Gerüchte werden verbreitet
  • Ständige Kritik an der Arbeit oder am Privatleben
  • Man gibt dem Betroffenen sinnlose Arbeitsaufgaben
  • Man gibt dem Betroffenen Aufgaben, die seine Qualifikation weit übersteigen, um ihn zu diskreditieren
  • Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann
  • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten

Die juristische Definition von Mobbing lt. Urteil des Landgerichts Thüringen vom 10.04.2001 (Az. 5 Sa 40300) lautet:

„Im arbeitsrechtlichen Verständnis erfasst der Begriff des „Mobbing“ fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die nach Art und Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielsetzung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere ebenso geschützte Rechte wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen…“ 
zum Volltext

mobbingKollegInnen sind keine Punching-Bälle

Es gibt Menschen, die loten mit ihrem Verhalten ihre Grenzen aus und prüfen, wie weit sie bei dir gehen können. Mein Kollege war so jemand. Er versuchte es immer wieder bei mir. Und je mehr Kontra ich ihm gab, desto größer wurde sein Respekt. Im Laufe der Zeit wurde er immer zahmer. Und wenn er mal wieder drohte auszubrechen, wies ich ihn in seine Schranken und gut war.

Manche wollen auch einfach nur ihren Frust und ihre Aggressionen an ihren KollegInnen ablassen, weil sie nicht wissen, wohin damit. Wenn du so jemand bist, solltest du darüber nachdenken, ob ein Anti-Aggressionstraining nicht angebrachter wäre. Kauf dir einen Boxsack und bearbeite den nach Herzenslust. So sorgst du dafür, dass du, deine Mitmenschen und deine Beziehung zu ihnen heil bleiben.

11 Tipps bei Mobbing am Arbeitsplatz

11TippsbeiMobbing

Bist du schon einmal Opfer von Mobbing geworden?

Schreibe mir deine Erfahrungen dazu.

  • Wie hast du dich gefühlt?
  • Was hast du gesagt/getan?
  • Konntest du dich wehren?
  • Wenn ja, wie hast du das angestellt?

Wenn du gemobbt wirst und psychologische Unterstützung brauchst, stehe ich dir für ein kostenloses 15-minütiges Telefonat zur Verfügung. Danach kannst du entscheiden, ob du weiter mit mir arbeiten möchtest.

Tel. 030 – 7790 9225


Bildquellen:

Beitragsbild ganz oben:
Anti-Mobbing e.V.: http://www.muenster.org/antimobbing/

„Messer im Rücken“
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/experten-analysieren-mobbingfaelle-und-geben-tipps-a-825551.html

„Sorry“ – Iodilavoro.it
http://www.wirtschaft.ch/Supervision+schuetzt+vor+Mobbing+am+Arbeitsplatz/420600/detail.htm

„Mobbing – eine schlimme Sache“:
https://notendur.hi.is/ems/Forum/artikeldeutsch/Gesellschaft/mobbing1.htm

 

Einkaufsstress‑3

Einkaufsstress – Teil 3

Wenn Shoppen zum
Alptraum wird

Quelle: Instagram
Quelle: Instagram

Nicht nur Frauen leiden unter Einkaufsstress, sondern auch Männer. Für sie sind die ausgedehnten Shoppingtouren ihrer Freundin oder Ehefrau der absolute Horror. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Es gibt für Männer nichts Langweiligeres als ihrer Freundin beim Shoppen zuzuschauen. Während sie im Laden nach brauchbaren Klamotten oder Schuhen sucht, darf er danebenstehen oder in einer Ecke sitzen und Löcher in die Luft gucken.

Sie könnte ja alleine shoppen gehen, doch sie will ihn unbedingt dabei haben. Sie will seinen Rat, will wissen, ob das Teil der Begierde ihm auch gefällt. Sie will ihn dabei haben, vielleicht nicht zuletzt deswegen, weil er die Kreditkarte hat? Er gibt sich wirklich Mühe, nichts Negatives zu sagen, denn darauf reagiert sie allergisch. Und dann ist das Wochenende dahin. Also bewundert er all die Handtaschen, die sie ihm zeigt und bestärkt sie darin, doch alle drei zu kaufen, weil sie sich mal wieder nicht entscheiden kann.  Freudestrahlend bezahlt sie die neuen Errungenschaften und drückt ihm noch eine Einkaufstüte in die Hand. Er verdreht die Augen und betet, dass die Einkaufsmeile doch hier zu Ende sein möge…

Selbstmord durch Einkaufsstress

boutique-646295_640Langeweile ist ein riesiger Stressfaktor, der oft unterschätzt wird. Häufig oder über einen längeren Zeitraum Dinge zu tun, die man absolut nicht mag, stresst ebenfalls. Es führt zu Gereiztheit, Nervosität, Aggressivität, Erschöpfung und manchmal auch zu Kurzschlusshandlungen.

So hat sich vor einigen Jahren ein 28-jähriger Mann in China das Leben genommen, weil er den Shopping-Marathon seiner Freundin nicht länger ertragen konnte. Der Mann folgte seiner Freundin bereits seit fünf Stunden durch die Geschäfte eines großen Einkaufszentrums. Mit zahlreichen Tüten bepackt war er genervt und wollte endlich nach Hause. Doch seine Freundin wollte unbedingt noch in ein weiteres Geschäft mit Schuh-Angeboten gehen. Der junge Mann meinte: „Du hast doch bereits mehr Schuhe, als du in deinem Leben je tragen kannst.“ Seine Freundin schrie ihn an: „Du bist ein Geizhals und verdirbst mir Weihnachten.“ Da warf der junge Mann die Tüten beiseite und sprang über die Brüstung im 7. Stock in die Tiefe. Die Notärzte konnten ihn nicht mehr retten. Er war tot.

Einkaufsstress vermeiden – alleine losziehen

Liebe Geschlechtsgenossinnen. Habt ein Einsehen mit euren Männern. Ich lasse meinen lieber zuhause, wenn ich Shoppen gehen will. Denn wenn er dabei ist, haben wir beide Stress. Das braucht keiner von uns. Wenn ich Klamotten kaufen gehe, brauche ich Zeit, denn ich muss unzählige Male in die Umkleide und wieder raus, bis ich endlich ein Teil gefunden habe, das

  1. mir gut passt,
  2. nicht zu teuer ist und
  3. auch noch gut aussieht.

Und ihr wisst selbst, diese drei Dinge unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung für jede Frau und ein Stressfaktor für sich.

Quelle: Instagram
Quelle: Instagram

Wenn ich weiß, dass es meinem für meinen Mann eine Quälerei ist, mich beim Shoppen zu begleiten, verlange ich es auch nicht von ihm. Punkt. Aus.

Ich möchte nicht die ganze Zeit über seine miese Laune ertragen, weil er sich langweilt oder genervt ist. Er möchte sich die Zeit auch lieber anders vertreiben. Also, warum nicht?

Getreu nach dem Motto „Schmerz vermeiden – Freude erleben“ wird also jeder von uns seinen Vorlieben nachgehen, ohne Einkaufsstress.

In großen Einkaufszentren gibt es so genannte „Kinderparadiese“, Spielecken mit Bällebad, wo man die lieben Kleinen während des Shoppens abgeben kann. Gibt es sowas eigentlich auch für Männer?

Quelle: borispfeiffer.de
Quelle: borispfeiffer.de

„Der erschöpfte Klausi möchte aus dem ‘7. Himmel’ abgeholt werden.“

Okay, ich werde diesen Gedanken lieber nicht weiterdenken…

Hier noch ein erheiterndes, nicht ganz so ernst gemeintes Beispiel für Einkaufsstress beim Shoppen. Es ist ein Auszug aus einer Karnevalsrede, die ich vor vielen Jahren einmal gehalten habe. Die Story ist natürlich entsprechend überzogen. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht kommt dir das sogar bekannt vor oder du kennst jemanden, dem das schon mal passiert ist…

Ich wollte neulich einen Einkaufsbummel in der Stadt machen und habe mir gedacht: ich nehme meinen Mann mit, dann kommt der auch mal raus – und wir machen uns einen richtig schönen Nachmittag.

Na, der hat sich vielleicht gefreut...

Übrigens, damit ihr es wisst: Männer brauchen klare Ansagen, damit sie genau wissen, woran sie sind. Wenn ihr also wollt, dass eure Männer mit euch ins Einkaufszentrum fahren, dann müsst ihr so genau und exakt wie möglich definieren, was ihr da wollt, warum und wie lang es dauert. kichern

So habe ich also zu meinem Liebsten gesagt: Mein Herzkartöffelchen, du Marzipanfüllung in meinem Schokoladenherzen, ich will heute Nachmittag um 15 Uhr zu C&A fahren, ich brauche eine schwarze Stoffhose. Ich verspreche dir, in spätestens 20 Minuten sind wir da wieder draußen  und fahren danach gleich in den Baumarkt...  Kaum waren wir bei C&A drin, wurde ich von einem traumhaften violett-grün changierenden Etui-Kleid aus gekämmter Wildseide magisch angezogen. Ein richtig scharfes Teil. Ich grabschte mir den Fummel, zog ihn über und sagte zu meinem Schatz: Na, mein Gummibärchen, was sagst du zu diesem Outfit? 

Er fragte mich: Soll ich ehrlich sein oder höflich?

Ich sagte: Ehrlich natürlich, du weißt doch dass ich die Wahrheit vertragen kann.

Da säuselte mein Liebster: Fantastisch, ein Traum, das sitzt an dir wie angegossen. – Können wir jetzt gehen?

Ich sagte: Moment, was soll das denn heißen – wie angegossen? Willst du vielleicht damit sagen, das Kleid ist zu eng?

Nein, auf gar keinen Fall, du siehst toll aus. – Können wir jetzt gehen?

Ich rief: Halt, ich hab gesagt, du sollst ehrlich sein, also bitte. Findest du das Kleid zu eng oder nicht?

Na ja...zu eng würde ich nicht sagen, vielleicht ein bisschen s p a c k.

S p a c k – auf das Wort bin ich allergisch... 

Nachdem ich mich von meinem Tobsuchtsanfall erholt und mir den Schaum vom Mund gewischt hatte, sagte meine bessere Hälfte süffisant lächelnd: 

Trüffelchen, reg dich nicht auf. Du weißt, dass ich nicht unbedingt der ideale Modeberater bin. Mit Farben und Mustern kenne ich mich auch nicht so gut aus, obwohl du in violett-grün changierender Wildseide ganz bezaubernd aussiehst. Und ich hab auch wirklich für vieles Verständnis – aber nicht für einen 42er Arsch in einem 38er Fummel…

So, Mädels. Das haben wir nun davon, wenn wir wollen, dass unsere Partner uns die Wahrheit sagen, weil wir meinen, wir könnten sie vertragen. Wer bei dieser Nummer mehr Einkaufsstress hatte, weiß ich nicht. Fest steht jedoch, dass Shoppingtouren mit dem Partner meist nicht gutgehen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Coaching-Tipp

 

 

Wenn du unbedingt eine Begleitung brauchst, nimm jemanden mit, der sich sowieso für Mode interessiert und es liebt, stundenlang shoppen zu gehen. Benötigst du zum Bezahlen die Kreditkarte deines Partners, wird er sie dir vielleicht freiwillig geben, wenn er dafür nicht mit zum Shoppen muss. Es sei denn, er hat Angst, dass du zu viel Geld ausgibst und hält lieber die Hand drauf – tja, dumm gelaufen 😉

Die Checkliste Einkaufsstress hilft dir, deine Stressfaktoren beim Shoppen zu identifizieren. Hier downloaden: Checkliste Einkaufsstress

Wie du Einkaufsstress vermeidest und
eine entspannte Haltung zum Einkaufen entwickelst,
zeige ich auch dir im persönlichen Coaching. 
Vereinbare gleich deinen Termin!

Einkaufsstress‑2

Einkaufsstress – Teil 2

Shoppen für die Seele?

Shoppen scheint uns weit mehr Vergnügen zu bereiten als gewöhnliches Einkaufen, welches zu unserem Lebensunterhalt dient.

Shoppen macht Spaß. Shoppen ist Freizeitbeschäftigung. Shoppen ist spannend. Shoppen ist entspannend. Shoppen bedeutet Gewinn. Shoppen ist Luxus und Freiheit. Shoppen für die Seele?…

Was ist der Unterschied zwischen Einkaufen und Shoppen? Und warum empfinden wir beim Einkaufen Stress, während wir beim Shoppen regelrecht aufblühen?

bag-159543_1280Was wir über unseren Einkauf denken oder was wir dabei erleben, beeinflusst unser Empfinden und bereitet uns positiven oder negativen Stress. Während unser normaler Feierabend‑, oder Wochenend-Einkauf oft in Distress ausartet, sieht es beim Shopping ganz anders aus. Hier wird das Belohnungssystem in unserem Gehirn aktiviert und Unmengen an Freudehormonen ausgeschüttet. Wir fühlen uns wohl und bereichert, besonders dann, wenn wir das Gefühl haben, ein Super-Schnäppchen gemacht zu haben. Das kann durchaus auch bei einem Lebensmitteleinkauf der Fall sein. Schnäppchen-JägerInnen erleben Glücksgefühle, wenn sie das Gefühl haben, etwas wirklich Gutes und Günstiges ergattert zu haben. Und genauso schnell macht sich Frustration breit, wenn sie nicht das bekommen haben, was sie wollten oder noch schlimmer, wenn sie gar nichts mitnehmen konnten.

Schmerz vermeiden – Freude erleben – so funktioniert unser Gehirn!

Ein normaler Einkauf geht bei vielen oft mit einem Verlustgefühl einher. Wir müssen unser sauer verdientes Geld hergeben für die paar Teile, die morgen schon wieder aufgebraucht sind. Verlust bedeutet für unser Gehirn „Schmerz“. Schmerz wollen wir nicht erleben und versuchen ihn daher zu vermeiden. Lieber nicht so viel Geld ausgeben… lieber behalten, was man hat. Das bedeutet aber auch, dass man sich den einen oder anderen Wunsch versagt. Und das führt wiederum zu Frustration. Wer oft Frust hat, weil er vielleicht jeden Cent zweimal umdrehen muss, schadet auf Dauer seiner Gesundheit.
Dauerfrust → Dauerstress → krank!

Shopping für die Seele?

Beim Shopping fühlen wir uns bereichert. Wir haben Beute gemacht. Wir haben etwas bekommen für unser Geld. Wir haben unsere Wünsche erfüllt.

Vielleicht hast du längst gemerkt, dass unsere Gedanken uns hier einen Streich spielen. Unsere Denkweise beeinflusst, was wir fühlen. Wenn du denkst, du hast für dein Geld nichts bekommen, fühlst du dich schlecht und hast Stress, weil du genau weißt, du musst morgen wieder Geld ausgeben, ohne etwas dafür zu bekommen. Und das Tag für Tag, Monat für Monat.

offer-706847_640Wenn du der Meinung bist, für dein Geld etwas Wertvolles erhalten zu haben, etwas das du gebrauchen kannst oder das dich erfreut, sieht die Sache ganz anders aus, nicht wahr? Du fühlst dich super, jedenfalls so lange, bis dein schlechtes Gewissen dir sagt: „Das hätte jetzt aber auch nicht sein müssen…“. Oder bis du der Meinung bist, dich mal wieder belohnen zu müssen…

Vorsicht, hier besteht Suchtgefahr! Wer ständig shoppen muss, um sich gut zu fühlen, kompensiert damit einen unbewussten psychischen Konflikt, eine Leere, die ausgefüllt wird mit Handtaschen, Schuhen, Akkuschraubern, Videospielen oder sonstigem Schnickschnack.

Was veranlasst uns zum Kauf?

Wir kaufen zu über 90% aus emotionaler Motivation. Diese emotionale Kaufentscheidung rechtfertigen wir dann mit rationalen Begründungen. Wir kaufen, um unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Abraham Maslow hat die Motive menschlichen Handelns hierarchisch in fünf Grundmotivationen unterteilt.

1. Befriedigung körperlicher Bedürfnisse:
Essen, Trinken, Schlaf, Kleidung, Gesundheit, Sexualität

2. Befriedigung unseres Sicherheitsgefühls:
Das Gefühl, in sicheren Verhältnissen zu leben, sichere Wohnung, sicherer Arbeitsplatz etc.

3. Befriedigung unseres Bedürfnisses nach sozialen Beziehungen:
Familie, Partnerschaft, Freunde, Kollegen, das Gefühl, gebraucht zu werden

4. Befriedigung unseres Bedürfnisses nach sozialer Anerkennung:
Streben nach Wohlstand, Karriere, Macht, Statussymbole, Ruhm bzw. Auszeichnungen

5. Befriedigung unseres Bedürfnisses nach Selbstverwirklichung:
Entfaltung unserer Individualität, Lebenssinn, Werte, Glauben, Religion, Spiritualität

Das viel beachtete, neuere Züricher Modell der sozialen Motivation von Norbert Bischof unterscheidet hingegen nur drei Motivsysteme des Menschen:

1. Sicherheit
Hierunter werden alle Motive zusammengefasst, die die Absicherung der Existenz, des Lebens und der Sicherheit uns nahestehender Menschen betreffen.

2. Erregung
Hierunter fallen alle Motive, die sich auf Stimulanz beziehen, z. B. das Streben nach Abwechslung, nach Abenteuer, neuen Erfahrungen etc.

2. Autonomie
Hier werden Motive vereint, die mit Leistung, Kontrolle, Durchsetzung zu tun haben, z. B. das Streben nach Unabhängigkeit, nach Geltung, Macht und Einfluss.

Das Wissen darum, dass jedes menschliche Handeln durch innere Motivationen gesteuert wird, gibt der Werbeindustrie wichtige Hinweise für die konkrete Gestaltung ihrer Werbung. Hinzu kommen Erkenntnisse aus der modernen Gehirnforschung. Neuromarketing heißt hier das Zauberwort.

Marlboro-ColaFrüher wurde die Werbung positiv gestaltet. Wir sollten uns wohlfühlen, wenn wir die Anzeige oder den Spot im Fernsehen angeschaut haben. Eine angenehme Melodie wurde hinterlegt, eine nette Szene gezeigt, die einerseits den Nutzen des Produktes herausstellte und uns andererseits ein Gefühl von mehr Lebensqualität vermitteln sollte.

Vielleicht kennst du noch die Marlboro-Werbung, die dem Konsumenten ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit suggerierte? Oder die Spots von Coca-Cola, die für Lebensfreude, Spaß und Genuss standen.

Heute weiß man:  Nicht nur positiv präsentierte, auch negative Werbung bleibt beim Konsumenten hängen. Dabei gilt: je nerviger desto besser. Das Brüllen des Werbetextes (speziell in der Radiowerbung), aggressive Hintergrundmusik und die vielfache Wiederholung des Schlagwortes innerhalb kürzester Zeit führen dazu, dass sich der Werbespot so richtig in unsere Nervenbahnen hineindreht. Das ist ähnlich wie bei einem Ohrwurm, den kriegst du so schnell auch nicht mehr aus dem Kopf.

Fazit

Ob wir positive oder negative Werbung sehen… ob wir mit dem Einkauf unsere Grundbedürfnisse befriedigen oder shoppen, um ein Glücksgefühl zu haben – hinter jedem Kauf steckt eine Motivation.

Wenn wir uns bewusst werden, wer oder was unsere Kaufentscheidungen beeinflusst, können wir uns nicht nur vor den Tricks der Werbeindustrie, sondern auch vor gefährlichen Lust- und Frustkäufen schützen. Die Betonung liegt hier auf „gefährlich“. Denn ein gelegentlicher Lust- oder auch Frustkauf schadet nicht, solange er im Rahmen bleibt. Den allerdings musst du selbst festlegen.

Coaching-Tipp

 

 

Mach dir deine Einstellungen und Glaubenssätze übers Einkaufen bewusst. Finde heraus, was genau dir Einkaufsstress bereitet. Sind es die 17 verschiedenen Sorten Ketchup, die dich wuschig machen? Ist es die lange Schlange an der Kasse?

HandtaschenbohrerIst es die Feststellung, dass diese spezielle Handtasche oder Bohrmaschine leider ausverkauft ist und du heute „leer“ ausgehst?

Oder ist es die Vermutung, für dein Geld nicht genug bekommen zu haben? In diesem Fall ist es ratsam, dir eine wertschätzendere Einstellung anzueignen, wenn du Dauerfrust vermeiden willst.

Wie du deinen Blickwinkel veränderst und
eine wertschätzende Grundhaltung entwickelst,
zeige ich dir im persönlichen Coaching. 
Vereinbare gleich deinen Termin!

Die Checkliste Einkaufsstress hilft dir, deine Stressfaktoren beim Einkaufen zu identifizieren. Hier downloaden: Checkliste Einkaufsstress


In der nächsten Woche:
3. und letzter Teil der Einkaufsstress-Reihe: „Wenn Shoppen zum Alptraum wird“

Einkaufsstress‑1

Einkaufsstress – Teil 1:

Schnäppchenjagd im Supermarkt 

Einkaufsstress ist nicht nur ein Modewort, sondern eine ernstzunehmende Angelegenheit. Einkaufen ist anstrengend. Einkaufen ist langweilig. Einkaufen ist eine lästige Pflicht. Einkaufen und dabei jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen, ist Stress pur.

Mann an der WurstthekeDa ist der Mann, der total überfordert vor dem Wurstregal steht und nicht weiß, welche Mortadella nochmal die richtige war. Er weiß wohl, dass es zuhause Stress gibt, wenn er die falsche mitbringt. Also, egal wie er es macht, es wird höchstwahrscheinlich falsch sein…

Und da ist die junge Familie, die jeden Samstag mit kleinem Budget ihren Wocheneinkauf macht. Die Kinder quengeln im Auto, quengeln im Supermarkt und haben keinerlei Verständnis dafür, warum Mama und Papa sich schon wieder an der süßwarenfreien Kasse anstellen. Wo es doch nebenan so herrliche Köstlichkeiten gibt.

Supermarkt FamilieDer vierjährige Daniel wirft sich auf den Boden und schreit, was das Zeug hält. Die Leute, die an den Nachbarkassen anstehen, schauen schon herüber, was denn da wohl los ist.... Mama ist die Situation sichtlich peinlich. Sie versucht verzweifelt, den Jungen zu beruhigen, aber der schreit nur noch lauter. Papa ist da etwas gelassener. Er hebt seinen Sohn auf und geht „…mit ihm schon mal nach draußen“.

Mama bleibt mit der sechsjährigen Lisa und puterrotem Kopf an der Kasse zurück und legt ihre Einkäufe aufs Band. Vor ihr zählt eine ältere Dame beim Bezahlen jeden Cent einzeln ab. Du meine Güte, wie lange dauert das denn noch? – Endlich ist sie dran. Bezahlen, einpacken, und dann nichts wie raus hier.

EiswagenAuf dem Supermarktparkplatz steht ein Eiswagen, den die Kinder natürlich sofort entdecken. Mama und Papa schauen sich an, und jeder entdeckt beim anderen den leicht panischen Ausdruck in den Augen. Natürlich wissen sie, was jetzt kommt, und da geht es auch schon los. Beide Kinder wie aus einem Mund: „Krieg ich ein Eis…, bitte, ach bitte…, warum nicht... och menno.“ Bevor sich wieder jemand schreiend auf den Boden wirft und strampelt, bestellt Mama „einmal Vanille und einmal Erdbeer.“ – Sehr konsequent. Nun ja, man muss eben Prioritäten setzen. Die Kinder schlecken an ihrem Eis. Und Mama und Papa genießen die Ruhe – wenn auch nur für drei Minuten...

Was sich hier liest wie ein Sketch, ist in Wirklichkeit bitterer Ernst. Viele Familien machen diesen Einkaufsstress Tag für Tag und Woche für Woche immer wieder durch. Besonders wenn das Budget knapp ist, wird der Einkauf zu einer echten Herausforderung. Da muss man manchmal ganz schön jonglieren. Wie viel bekomme ich heute noch für mein Geld? Was brauche ich unbedingt, und worauf kann ich verzichten? Ist noch ein Eis für die Kinder drin? Eigentlich bräuchte ich auch mal wieder eine neue Hose. Soll ich sie mir kaufen oder lieber noch einen Monat damit warten?

SonderangebotEinkaufen ist für viele der reinste Horror. Da häufen sich Angebote über Angebote. Der Briefkasten ist voll mit Werbeprospekten unterschiedlichster Supermärkte, die natürlich alle abgeklappert werden müssen. Schließlich gibt es das Pfund Kaffee bei Aldi um 50 Cent billiger. Dafür hat Lidl die Erdnüsse um 20 % reduziert. Beim Bäcker zwei Blocks weiter schmeckt das Brot besser als in der Bäckerei gegenüber, also wird dort auch noch hingefahren.

Mein Freund Henry sagte mir einmal, ich müsse die Angebote verschiedener Supermärkte nutzen, so würde ich eine Menge Geld sparen. Ich bezweifelte das und war der Meinung, dass sich die viele Hin- und Herfahrerei nicht rechnet. Dennoch machte ich die Probe aufs Exempel. Und was denkst du, was unterm Strich dabei herauskam? Ich sparte nicht einen Cent. Im Gegenteil, ich war erheblich länger unterwegs als sonst, verbrauchte Sprit, weil ich Auto fahren musste, anstatt wie sonst zu Fuß zum Supermarkt gegenüber zu gehen. Ich war in insgesamt vier verschiedenen Supermärkten, musste viermal einen Parkplatz suchen, einen Einkaufswagen holen und in der langen Schlange an der Kasse stehen. Zudem waren die Angebote teilweise schon vergriffen oder gar nicht da, so dass ich auf Ersatzprodukte zurückgreifen musste. Zu guter Letzt musste ich dann doch noch in meinen Stamm-Supermarkt gegenüber gehen, um dort die Sachen zu kaufen, die ich woanders nicht bekommen hatte. Das mache ich garantiert nicht wieder.

Coaching-Tipp

 

 

Ich habe schon lange „Bitte keine Werbung“ an meinem Briefkasten kleben und kaufe ohne Prospekte wesentlich entspannter ein. Ich klappere auch nicht mehr mehrere Geschäfte nach Angeboten ab. Zeit ist Geld. Und meine Zeit kann ich sinnvoller nutzen als sie mit Einkaufen zu verbringen.

Wenn dir der Großeinkauf mit Kind und Kegel den letzten Nerv raubt, frag doch mal die Oma oder lass die Kinder bei deinem Partner oder Partnerin und fahre alleine zum Einkaufen. Wenn du alleinerziehend bist, hat deine Freundin vielleicht mal Zeit oder du hast eine liebe Nachbarin, die so lange auf den Nachwuchs aufpasst. Es muss ja nicht jedes Mal sein, sondern vielleicht jeden zweiten Samstag oder nur einmal im Monat.

Was bereitet dir Stress beim Einkaufen?
Welche Herausforderungen hast du?
Wie hast du sie bisher gemeistert?
Schreibe mir, ich freue mich auf deine Geschichte.

Nächste Woche:
Einkaufsstress Teil 2: Shoppen für die Seele?

Mit oder ohne Galle?

Wenn die Galle überläuft

Vor zwei Jahren kam ich mit starken Schmerzen im linken Oberbauch ins Krankenhaus. Es wurde eine Gallenkolik diagnostiziert mit Steinen im Gallengang. Der Oberarzt ordnete für den nächsten Morgen eine endoskopische Untersuchung an. Bei dieser Untersuchung wurden die Steine aus dem Gallengang entfernt. Im Zuge dessen wurde auch der Gang zur Bauchspeicheldrüse untersucht, um sicherzugehen, dass dieser nicht verstopft ist.

Bildquelle: http://heilfastenkur.de/krankheit-19-Gallensteine.htm

Ich wurde am Abend vorher von der Assistenzärztin über die Risiken dieser endoskopischen Untersuchung aufgeklärt. Sie erklärte mir, es könne in wenigen Ausnahmefällen zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen, nämlich genau dann, wenn das Endoskop in den Bauchspeicheldrüsengang eindringt. Ich bekam Angst und wollte die Endoskopie nicht machen, wollte aber natürlich auch, dass die Steine rauskommen. Irgendwann hätte es sonst lebensgefährlich für mich werden können. Ich legte mich mit dem Gedanken schlafen, dass dies bitte bei mir nicht passieren möge.

Energie folgt der Aufmerksamkeit

Und wie es im Leben so ist: Wovor man sich fürchtet, das zieht man an wie ein Magnet. Nach dem Erwachen aus der Narkose bekam ich erneut heftige Schmerzen im linken Oberbauch. Intuitiv wusste ich, was los war. Ich informierte die Assistenzärztin darüber, und sie sagte etwas mitleidig lächelnd, dass ich dann wohl zu den besagten Ausnahmefällen gehörte.

KäsebrotEin göttliches Erlebnis

Nachdem ich mich die folgende Nacht hindurch ein ums andere Mal in zahlreiche Kotztüten übergeben hatte, durfte ich die nächsten drei Tage nichts essen. Ich bekam nur etwas Brühe und Tee. Nun ja, meiner Figur tat dies keinen Abbruch. Ich hatte genügend zuzusetzen, wie man so schön sagt. Am 4. Tag bekam ich eine Scheibe Brot mit Käse. Ich erinnere mich wie gestern an dieses göttliche Erlebnis. Ich glaube, ich habe eine halbe Stunde an dieser Brotscheibe gegessen, schön langsam und zig-fach gekaut, damit ich diesen Genuss so lange wie möglich erleben konnte. Noch nie hatte ich ein Käsebrot so genossen. Und ich behielt es sogar drin 🙂

Nach 6 Tagen Krankenhausaufenthalt wollte ich nach Hause, und man gab mir zähneknirschend die Entlassungspapiere. Nur zu gerne hätten sie mich noch ein paar Tage dort behalten mit der Begründung, dass eine weitere Beobachtung meiner Befindlichkeit angesagt wäre. Aber ich war selbständig und musste Geld verdienen. Jeder Unternehmer, der mit eigenen Händen arbeiten muss, wird das verstehen. Kein Geschäft – kein Einkommen.

den Ausgleich suchenOperation – ja oder nein?

Der Oberarzt legte mir nahe, mich in 5 bis 6 Wochen erneut im Krankenhaus zu melden zwecks Entfernung meiner Gallenblase. Ich warf ein, dass die Gallenblase doch immerhin für irgend etwas gut sein müsste, schließlich hätte die Natur uns sonst nicht damit ausgestattet. Die Assistenzärztin wiegelte ab und erklärte, dass die Gallenblase nur eine Speicherfunktion hätte, sonst nichts. Und man könnte auch sehr gut ohne Gallenblase leben.

Ich nahm das zur Kenntnis und war hin- und hergerissen. Was sollte ich tun? Meine Intuition sagte mir, dass ich meine Gallenblase behalten sollte – auf gar keinen Fall operieren lassen. Andererseits hatte ich nicht genügend Kenntnisse und Informationen, um eine adäquate Entscheidung treffen zu können.

Also war klar: Ich musste mit so vielen Leuten wie möglich darüber sprechen.

Lukrative Langzeitkunden

Meiner Bettnachbarin, einer 32-jährigen Frau, wurde 12 Jahre zuvor die Gallenblase entfernt. Sie erzählte mir, dass sie einige Jahre danach Diabetes bekam. Nun lag sie im  Krankenhaus und gab sich ganz in die Hände der Schulmedizin. Und die Schulmedizin hatte mir nicht gesagt, dass sich ein Diabetes entwickeln kann, nachdem einem die Gallenblase entfernt wurde.

IcDiabetesh sprach also mit meiner Internistin darüber und teilte ihr meine Bedenken mit. Auch sie empfahl mir, die Gallenblase entfernen zu lassen. Sie meinte , gerade bei Frauen könnten sich immer wieder Steine bilden und es könne zu Entzündungen kommen. Um dem vorzubeugen, sei es besser, die Blase herausnehmen zu lassen. Sie berichtete mir von einer Patientin, die einige Wochen zuvor qualvoll an Gallenblasenkrebs gestorben war.

Du kannst dir sicher vorstellen, dass meine Ängste damit nicht gerade kleiner wurden. Ich fragte mich, warum bei Patienten eine solche Angst geschürt wird. Die Antwort kam mir sofort in den Sinn: Es gehört wohl zum Kundenbindungssystem der Pharmaindustrie. Ein Patient, bei dem sich nach einer Gallen-OP ein Diabetes entwickelt, ist ein lukrativer  Kunde, der lebenslang behandelt werden muss. Ein einträgliches Geschäft. Mehr zu diesem Thema in meinem Beitrag „Kausalität im Gesundheitswesen“.

„Wer sein Herz ausschütten kann, dem wird die Galle nicht überlaufen“

HerzensangelegenheitAlso sprach ich mit zwei meiner besten Freundinnen, die in der Naturheilkunde sehr bewandert sind sowie mit einer befreundeten Heilpraktikerin.

Alle drei empfahlen mir, auf die Operation zu verzichten und bestärkten mich damit in meiner Intuition.

Das Thema hinter dem Symptom

Ich wusste schon länger, dass das seelisch-geistige Thema hinter den Gallensteinen unterdrückte Wut und Aggressionen sind, die nicht adäquat zum Ausdruck gebracht werden konnten.

Ich habe einen schönen Artikel von Margret Rupprecht gefunden, den ich hier gerne zitieren möchte. Du findest ihn im Original unter: http://www.naturheilmagazin.de/natuerlich-heilen/krankheiten-a-bis‑z/galle.html

"Während das Herz als Symbol für positive Gefühle gilt, ist bei der Galle genau das Gegenteil der Fall. Galle steht für Ärger, Bitterkeit und Aggression. Wer zornig ist, möchte am liebsten „Gift und Galle spucken". Galle ist ein Synonym für geronnene, feststeckende Gefühle, die ein Mensch nicht zu zeigen wagt und die sich in ihm im wahrsten Wortsinn versteinern. Wer für ein gutes Familienleben sorgt und einen Freundeskreis pflegt, in dem er über alles sprechen kann, was ihn bewegt, wird selten an der Galle erkranken. Denn wenige Organerkrankungen stehen in so engem Zusammenhang mit einem blockierten Gefühlsleben wie die Erkrankungen der Galle. Darin liegt aber auch eine Chance für die Therapie: Wer lernt, einen Zugang zu seinen tieferen Gefühlen zu finden und diese angemessen zum Ausdruck zu bringen, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass auch seine Gallenflüssigkeit wieder fließt und nicht länger durch Entzündung, Stau und Versteinerung Beschwerden verursacht."

Tiefe Erkenntnis ist der erste Schritt zur Heilung

In den 6 Tagen im Krankenhaus hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, und mir ist einiges bewusst geworden. Ich hatte in den letzten Jahren einfach viel zu viel hinuntergeschluckt, anstatt mich zu erheben und zu sagen, was mir nicht passt oder was mich bewegt.hurra pantera

Ich habe mir diese Erkenntnisse sehr zu Herzen genommen, habe den Entschluss gefasst, meine Gefühle mehr zum Ausdruck zu bringen anstatt sie zu schlucken, und bin seitdem beschwerdefrei.

Und ich habe das tiefe Gefühl, dass das so bleibt.

 

 

 


Informationen zu Gallensteinen und deren Behandlung:

http://heilfastenkur.de/krankheit-19-Gallensteine.htm

http://www.naturheilmagazin.de/natuerlich-heilen/krankheiten-a-bis‑z/galle.html

Bildquellen:

Beitragsbild oben: https://www.kloesterl-apotheke.de

Gallensteine: http://heilfastenkur.de/krankheit-19-Gallensteine.htm

Käsebrot: https://www.flickr.com/photos/capitainb/5636991783

Operation: http://fotos.piqs.de/4/4/b/f/5/8f7cd27aaef687a200374e335fb91d43.jpg

Diabetes: https://www.flickr.com/photos/124826101@N03/15331984653

Herzen: http://fotos.piqs.de/2/4/5/1/8/99e442517c2652416fbdaa87aa7deb8f.jpg

Hurra: http://aragec.com/hurra.html#prettyPhoto%5Bgaleri%5D/1/

Hypnose mittels Pendel

Keine Angst vor Hypnose

Hast du Angst vor Hypnose?

Immer wieder höre ich von Menschen, dass sie Angst vor Hypnose haben. Sie würden zwar gerne eine Hypnosesitzung oder eine Rückführung haben, fürchten aber, dass der Behandler in der Trance mit ihnen etwas machen könnte, das sie nicht wollen oder dass sie in der Hypnose Dinge sagen oder tun könnten, die ihnen im Nachhinein peinlich sein würden...

In vielen Gesprächen, die ich mit Laien bisher über Hypnose geführt habe, trat die Befürchtung zutage, dass der Hypnotiseur die Macht hätte, Menschen nach Belieben zu manipulieren und fernzusteuern.

Das ist Quatsch!

Dieses Vorurteil möchte ich entkräften und dir die Angst vor einer Hypnose nehmen. Denn diese Annahme ist völlig falsch. Der Hypnotiseur hat keineswegs die Macht, dich nach seinem Gutdünken fernzusteuern. Ja, er hat  – genau genommen – nicht einmal die Macht, dich zu hypnotisiern. Ja, du hast richtig gelesen.

Kein Mensch hat jemals einen anderen
Menschen in Trance versetzt!

Wer das von sich behauptet und damit prahlt, ist ein Schwätzer, der lediglich sein Ego polieren will.

Ob du in einen Trancezustand kommst, ist einzig und allein deine Entscheidung. Der Hypnotiseur kann einen noch so tollen Einleitungstext haben und diesen mit den besten Einstreutechniken spicken. Wenn du ihm nicht vertraust oder nicht bereit bist, dich darauf einzulassen und dich (ein Stück weit) fallenzulassen, wirst du nicht in Trance gehen.

Niemand kann dich hypnotisieren,
außer du dich selbst.

Na, wenn das nicht beruhigend ist... Der Hypnotiseur hilft dir lediglich dabei, in den Trancezustand zu gelangen. Er bereitet dir sozusagen den Weg. Er sorgt dafür, dass du dich wohlfühlst und es gemütlich hast. Er hilft dir, dich zu entspannen, damit du deine Aufmerksamkeit von außen nach innen lenken kannst.

Und du darfst gewiss sein, dass unter unter Hypnose keine Dinge tun wirst, vor denen du auch im Wachzustand zurückschrecken würdest. Jeder Mensch hat gewisse Hemmschwellen, die er niemals überschreiten würde. Wenn du also im Wachbewusstsein keinen Mord begehen oder nackt auf dem Tisch tanzen könntest, so wirst du das unter Hypnose auch nicht tun.

Noch einmal:
Kein Mensch kann dich in Trance versetzen,
außer du dich selbst!

Was Hypnose ist und wie genau sie funktioniert, wird in dem Artikel Hypnotherapie und „Hypnosystemische Therapie“ von Gerlinde Meijer & Heribert Döring-Meijer kurz und knackig erklärt. Besser kann ich es nicht beschreiben, deshalb möchte ich dir diesen Artikel sehr ans Herz legen.

Wozu ist eine Hypnose gut?

Durch die Tranceinduktionen wird dem Klienten der Zugang und die Aufmerksamkeit auf unwillkürliche Prozesse, auf das „Unbewusste„ ermöglicht (Meijer G. & H. Döring-Meijer). Mit Hilfe des Unbewussten (auch Unterbewusstsein genannt) können positive und kreative Lösungen erarbeitet werden, die der Klient in der für sich angemessenen Zeit in sein Leben integrieren kann.

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar
Antoine de Saint-Exupéry

Ich selbst arbeite auch sehr gern mit Trance-Sitzungen und Rückführungen. Das Erleben von Empfängnis, Geburt und des eigenen Todes bzw. des Zustandes nach dem Tod sind gut geeignet, um Bewusstseinsbegrenzungen aufzuheben und den geistigen Horizont zu erweitern.

Ein tiefgreifender Heilungsprozess
kann angeregt werden.

Auch hypnotische Sprachmuster nach Milton Erickson (1901−1980), die Arbeit mit Metaphern oder geführte Meditationen sowie Imaginationsübungen sind sehr wirksam und effektiv.

Fakt ist:

Grundsätzlich musst du vor Hypnose keine Angst haben. Wenn du Vertrauen zu deinem  Therapeuten oder Coach hast, musst du dich nicht fürchten. Die meisten Menschen haben meines Erachtens eher Angst vor dem, was sie in der Hypnose sehen oder erleben könnten, z. B. dass sie schon einmal gelebt haben oder dass sie in einem früheren Leben etwas Schreckliches erlebt haben, vielleicht ein Opfer oder ein Schurke gewesen sind.

Diese Vorstellung schreckt viele ab, eine Rückführung oder Hypnosesitzung zu machen. Das ist sehr menschlich und verständlich, denn es besteht die Möglichkeit, dass ihr bisher vertrautes Weltbild im wahrsten Sinne des Worts „ver-rückt“ werden könnte. Und das ist für den einen oder anderen ggf. schwer zu verdauen.

Aber du darfst beruhigt sein: Dein Unbewusstes wird nichts freigeben, womit du im Wachzustand und im Alltag nicht umgehen könnten. Eine geniale Schutzmaßnahme des LEBENS, nicht wahr?

In diesem Sinne wünsche ich dir spannende und heilsame Erfahrungen.

 


Literatur und Quellen:

Erickson M.H., E.L. Rossi & S.L. Rossi (1978): Hypnose. – Reihe Leben Lernen, Bd. 35. – Pfeiffer

Meijer, G. & H. Döring-Meijer: Hypnotherapie und „Hypnosystemische Therapie“ – http://www.claro-vita.net

Schmidt, G. (2010):  Wie hypnotisieren wir uns erfolgreich im Alltag – Einführung in hypnosystemisches Empowerment. – Workshop auf dem Kongress „Mentales Stärken“ in Heidelberg, Oktober 2010. –  Auditorium Netzwerk.

Zeig, J. (2013): Meine Stimme begleitet Sie überall hin – ein Lehrseminar mit Milton Erickson. – 11. Auflage, Klett-Cotta.


Bildquelle Beitragsbild oben (Taschenuhr): http://www.gateofmindpower.com

 

„Entspannungsstress“

Was bitte ist Entspannungsstress?

Heute habe ich mit einer lieben Kollegin telefoniert. Wir hatten uns längere Zeit nicht gesprochen, und sie erzählte mir, dass sie im vergangenen Jahr eine zusätzliche Ausbildung zur Entspannungstrainerin gemacht hat.

Die Ausbildung sei sehr anstrengend gewesen. Den lieben langen Tag habe es eine Entspannungsübung nach der anderen gegeben. Nach jeder Entspannung sei der Organismus wieder „hochgefahren“ worden in einen Zustand der Anspannung, in dem Aufmerksamkeit und Konzentration möglich sind.  Dieser ständige Wechsel von Entspannung und Anspannung habe ihr sehr viel Energie und obendrein den letzten Nerv geraubt. Zum Schluss habe sie regelrechten „Entspannungstress“ gehabt.

Ich musste herzhaft lachen. Den Ausdruck „Entspannungsstress“ hatte ich auch noch nicht gehört und fand ihre Geschichte zunächst sehr amüsant. „Entspannungsstress“ klingt irgendwie paradox, nicht wahr? Doch wenn ich mir vorstelle, wie so ein Ausbildungstag abgelaufen ist und mich in ihre Situation hineinversetze, kann ich sie verstehen.

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Bildquelle: www.simplify.de

Ausbildungen sind immer anstrengend, auch wenn es sich dabei „nur“ um Entspannungsmodule handelt. Denn diese müssen zunächst theoretisch behandelt und verstanden werden, bevor man zur Tat schreitet. Es ist also höchste Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt. Wenn dann auch noch zu jeder vollen oder halben Stunde der Organismus vom Anspannungs–  in den Entspannungsmodus und wieder zurück in den Anspannungsmodus umschalten soll, ist dies für Körper und  Psyche sehr kräftezehrend.

So schön und angenehm Entspannungsübungen auch sind, im Rahmen einer straff organisierten Ausbildung können sie – wenn es zuviel wird – sehr nerven. Ich kenne das aus meiner Ausbildung zur Rückführungsbegleiterin. Der ständige Wechsel vom Alpha- in den Beta-Zustand kostet viel Kraft.

Die persönliche Tagesverfassung sowie gruppendynamische Prozesse spielen dabei ebenfalls eine Rolle und können zusätzliche Belastungen bedeuten, mit denen man umgehen muss. All das zusammengenommen kann in unserem System großen Stress auslösen. Und wir kommen abends todmüde und völlig entnervt nach Hause.

Bildquelle: http://gesund.co.at
Bildquelle: http://gesund.co.at

Dr. Gunther Schmidt, Entwickler des hypno-systemischen Ansatzes in der Psychotherapie und Vorsitzender des Milton Erickson-Instituts in Heidelberg, bestätigt das. In seinem Vortrag „Wie hypnotisieren wir uns erfolgreich im Alltag?“ berichtet er von einem Mann, der mit Erektionsproblemen zu ihm in die Praxis kam. Der Mann meinte, Dr. Schmidt müsse unbedingt eine Entspannungs-Hypnose mit ihm machen, um sein Problem zu lösen. Er sei  wohl zu sehr verspannt.

Dr. Schmidt fragte ihn , ob er nicht auch der Meinung sei, dass er in bestimmten Bereichen seines Organismus ein wenig arg entspannt sei. Und ob seine Partnerin, wenn er sie fragen würde, für noch mehr Entspannung in diesem Bereich plädieren würde... 😉

Der Kontext macht den Unterschied

Ob wir entspannt oder angespannt sind, kommt immer auf den Kontext an. Entspannt zu sein ist zwar unser natürlicher Zustand. Kein Baby kommt schlecht gelaunt oder aggressiv zur Welt oder steht ständig unter Strom. Jedoch sind wir nicht 24 Stunden am Tag entspannt. Um im Leben zurecht zu kommen und uns auf Dinge und Situationen zu konzentrieren und zu reagieren, ist eine gewisse Grundanspannung notwendig. Und manchmal auch ein wenig mehr 😉

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anspannung und Entspannung hält uns gesund und stabil. Sicherlich gelingt uns das im Alltag nicht immer. Es ist auch nicht weiter tragisch, wenn wir über einen gewissen Zeitraum Stress ausgesetzt sind, solange es sich nicht um traumatischen Stress handelt. Und auch nicht, solange wir wissen, wir wir uns wieder zurück ins emotionale Gleichgewicht bringen können.

Passiver oder aktiver Stressabbau?

Um Stress abzubauen, sind nicht zwangsläufig Entspannungsübungen in Form von Meditation, Hypnose oder Atemübungen das Mittel der Wahl. Manchmal braucht es etwas anderes, nämlich gezielte Aktivität im Außen. Auch auf ein Kissen oder eine Matratze einzudreschen, eignet sich hervorragend, um Emotionen, wie Wut, Aggressionen und innere Anspannungen zu lösen. Wer sich nach einem anstrengenden Bürotag gerne beim Sqash austobt, einen Waldlauf macht oder zum Fußballtraining geht, schafft auf diese Weise die angesammelten Stresshormone aus seinem System. Sie werden ausgeatmet, ausgeschwitzt und über den Urin ausgeschieden. Zudem setzt die aktive Bewegung enorm viele Freudehormone frei und reguliert damit den Stresspegel wieder auf ein Normalmaß.

Körper und Psyche sind danach spürbar ausgeglichen. Solltest du also einmal unter „Entspannungsstress“ leiden, weißt du jetzt, wie du dem entgegenwirken kannst.

Blümchenblau