Finger-Yoga: 5 Mudras, mit denen du deine Nerven beruhigst und Stress abbaust

Mit Fingerübungen zu innerer Ruhe und Gelassenheit

Unsere Alltagswelt ist sehr hektisch und von Terminen und Verpflichtungen bestimmt. Oft nehmen wir uns nicht einmal Zeit, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken oder eine Minute aus dem Fenster zu sehen und den Blick ins Grüne schweifen zu lassen.

Mudras, auch Finger-Yoga genannt, werden hauptsächlich während einer Meditation angewandt. Sie werden im Allgemeinen über einen längeren Zeitraum, beispielsweise 30 oder 45 Minuten gehalten, um ihre volle Wirkung besser zu erreichen.

Doch wusstest du auch, wie einfach und bequem sich Mudras in den Alltag einbauen lassen?

Oft genügt schon eine kurze Fingerübung, um die Energien deines Körper zu harmonisieren, z. B. im Fahrstuhl, in der U‑Bahn, aber auch in der Badewanne, wenn du dich ohnehin einige Minuten entspannst.

Finger-Yoga ist hervorragend geeignet, um körperliche Beschwerden und seelische Belastungen zu behandeln und zu heilen. Mudras helfen dir, Stress abzubauen und steigern dein Wohlbefinden.

Wenn du Schwierigkeiten hast, in einen meditativen Zustand zu kommen, helfen dir Mudras dabei, deine Aufmerksamkeit von außen nach innen zu ziehen.

Es gibt komplexere Mudras, die zunächst ein wenig Übung erfordern. Es gibt aber auch ganz einfache. Wenn du dir die komplexen Fingerübungen nicht gut merken kannst oder nicht ausführen magst, sei unbesorgt. Oft genügt es bereits, wenn du einen Finger mit der anderen Hand hältst, um eine Besserung deines Befindens zu erreichen.

Dabei brauchst du dir nur zu merken, welche Emotionen den einzelnen Fingern zugeordnet werden:

  • Der Daumen             –   reguliert die Sorgen
  • Der Zeigefinger      –   verringert die Angst
  • Der Mittelfinger     –   vertreibt die Wut
  • Der Ringfinger        –   mildert die Trauer
  • Der kleine Finger  –   zügelt die Übereifrigkeit

Finger-Yoga: 5 Mudras, mit denen du deine Nerven beruhigst und Stress abbaust

Heute möchte ich dir fünf Fingerübungen vorstellen, mit denen du in kurzer Zeit zu innerer Ruhe und mehr Gelassenheit kommst:

1.Die Hakini-Mudra für einen tiefen Atem

Hakini-MudraMit der Hakini-Mudra kannst du deinen Atem vertiefen und deinen gesamten Organismus lockern. Das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt, die Aufnahmefähigkeit gesteigert und gleichzeitig die Entspannung gefördert.

So gehts:

  • Lege alle Fingerspitzen aufeinander.
  • Atme tief durch die Nase ein und noch tiefer durch den Mund wieder aus. Lass deine Zunge dabei locker im Mundraum liegen.
  • Bereits nach den ersten Atemzügen wirst du spüren, wie deine Atmung tiefer und dein Zwerchfell weicher wird.
  • Du kannst die Übung im Stehen oder im Sitzen machen.

2. Die Shakti-Mudra bei innerer Unruhe

Shakti-MudraWenn du nervös und unruhig bist und keine Möglichkeit findest, diese innere Anspannung durch Bewegung, wie Radfahren, Joggen, Tanzen oder sonstiges wieder loszuwerden, kann eine kurze Meditation oder das Halten der Shakti-Mudra dir von großem Nutzen sein.

Die Shakti-Mudra verstärkt ebenfalls die Tiefenatmung. Überdies beruhigt sie und erleichtert das Einschlafen. Sie ist daher am Abend vor dem Zubettgehen gut geeignet.

So gehts:

  • Beuge die Daumen der Hände in die Handflächen und lege Zeige- und Mittelfinger locker darüber.
  • Die Ringfinger und kleinen Finger berühren die Spitzen der entsprechenden Finger der anderen Hand.
  • Halte die Shakti-Mudra höchstens für 10 Minuten und nicht öfter als dreimal am Tag, da sie sonst zu Trägheit führen kann.

3. Die Dhyani-Mudra – auf dem Weg zu innerer Stille

Dhyani-MudraDie Dhyani-Mudra ist eine klassische Fingerhaltung während einer Meditation. Du hast sie sicher schon oft gesehen oder auch selbst ausgeführt. Sie hilft dir, zu innerer Stille zu finden.

So gehts:

  • Lege beide Hände wie Schalen in deinen Schoß. Dabei liegt die linke Hand auf der rechten. Die beiden Daumen berühren sich an den Spitzen und bilden einen Henkel zu den Händeschalen.
  • Schließe die Augen und richte deinen Blick auf den Punkt zwischen deinen Augenbrauen (drittes Auge). Das bewusste Denken wird erschwert und die Versenkung in Entspannung unterstützt.
  • Richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Wenn sorgenvolle Gedanken sich dazwischendrängen, kehre mit deiner Aufmerksamkeit immer wieder auf deine Atmung zurück.
  • Du kannst dir ein Mantra als Hilfestellung nehmen. Denke z. B.  das Mantra „Om“ oder „Ruhe“ oder „Frieden“. So kannst du beim Einatmen „Ruhe“ denken und beim Ausatmen „Frieden“. Dabei lenkst du dein Bewusstsein auf dein gewünschtes Ziel.

4. Die Ksepana-Mudra zum Loslassen

Ksepana-MudraDie Ksepana-Mudra wird auch als Geste des Loslassens bezeichnet. Sie hilft dir, dich leichter zu entspannen. Du kannst sie im Stehen oder Sitzen anwenden.

So gehts:

  • Lege deine gestreckten Zeigefinger aufeinander.
  • Die Daumen überkreuzen sich, die anderen Finger sind verschränkt.
  • Zwischen den Handflächen ist ein Hohlraum. Halte die Hände locker nach unten.
  • Atme ca. 10 bis 15 Mal ein und etwas tiefer wieder aus.
  • Nimm danach frischen Atem und neue Energie auf. Dazu strecke die Arme nach oben, so dass die Handflächen zum Himmel zeigen.
  • Nun atme tief ein, diesmal liegt die Betonung auf dem Einatmen.
  • Übe beide Haltungen ca. 3 Mal im Wechsel.
  • Die Ksepana-Mudra regt die Ausscheidung von Flüssigkeiten über den Dickdarm, den Schweiß und die Atemluft an. So findet gleichzeitig eine Entgiftung statt.

5. Die Tiefenentspannungs-Mudra bei Stress im Alltag

Damit du dich wirklich entspannen kannst, ist es hilfreich, Alltagsbelastungen loszulassen. Ja, ja, ich weiß. Das mit dem Loslassen ist so eine Sache, nicht wahr? Es fällt vielen Menschen schwer, den Kopf freizubekommen. Aber du kannst es lernen, es ist leichter als du denkst.

Wir beginnen mit einer kleinen Loslassübung, bevor wir in die Tiefenentspannungs-Mudra einsteigen:

  • Nimm dir einen kleinen Ball oder einen weichen Gegenstand, der gut in der Hand liegt. Während du ihn im Bogen von einer Hand in die andere wirfst, denke  oder – noch besser – sprich dabei die Worte „Werfen“ – „Fangen“.
  • Nun lass den Ball bewusst fallen. Sage dir laut und deutlich: „Loslassen“.
  • Danach schüttle deinen Körper kräftig aus.
  • Übe dies täglich einige Minuten.

Nach der Loslass-Übung eignet sich besonders gut die oben unter Punkt 4 beschriebene Ksepana-Mudra – Geste des Loslassens. Führe sie im Anschluss an die Loslassübung aus, aber nicht zu lange, da sonst auch unverbrauchte Energie mit abfließt, und das willst du ja nicht.

Tiefenentspannungs-MudraJetzt die Tiefenentspannungs-Mudra.

So gehts:

  • Setze dich bequem hin, schließe die Augen und richte deinen inneren Blick auf die Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen (drittes Auge).
  • Bilde nun mit Daumen und Zeigefinger jeder Hand einen Kreis und lege die Fingerspitzen der übrigen Finger auf die der anderen Hand.
  • Die beiden Kreise berühren sich an den Verbindungspunkten.

Diese Mudra wirkt tief entspannend. Sie löst auch Spannungen im Kopf und fördert das Einschlafen.

Neugeboren – Wege aus dem Geburtstrauma

Wie der Geburtsprozess unser Leben prägt

Nicht nur Mütter und Väter können die Geburt ihres Kindes als belastend oder gar traumatisierend erleben, sondern auch das Baby selbst.

SchwangerWir verbringen viele Monate im Bauch unserer Mutter. Wir schwimmen geschützt und geborgen in der Schwerelosigkeit der Fruchtblase und erleben eine Zeit des Wachsens und Versorgtseins. Dieses „ozeanische Gefühl des Einsseins“ wird jäh unterbrochen, wenn der Geburtsprozess eingeleitet wird. Entweder durch den Embryo selbst oder durch künstliche Einleitung.

Geburtstrauma – jetzt wird’s eng

Der Embryo muss den Weg nach draußen finden, um zu überleben. Er macht sich auf den Weg ins Unbekannte. Dabei weiß er nicht, wie lange und mühsam dieser Weg werden wird. Eine Geburt kann schnell gehen, sie kann aber auch viele Stunden dauern, und das ist nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Baby extrem anstrengend.

Geburt im KreißsaalDer Geburtsprozess kann leicht und kurz sein, aber auch zu schnell (Sturzgeburt), zu schwer oder kompliziert (z. B. Steißlage, Zangengeburt etc.). Der Temperatursturz von ca. 15 Grad, das grelle Licht im Kreißsaal, laute Geräusche oder Stimmen sowie das technische Agieren der Geburtshelfer können das Nervensystem des Babys extrem belasten, so dass es in einen Schockzustand geraten kann. Dieser Schockzustand wird Geburtstrauma genannt.

„Der Beginn des Lebens auf der Erde ist der Moment des ersten Atemzugs. Die sofortige Durchtrennung der Nabelschnur unterbricht die Versorgung für das Neugeborene und es muss atmen, aus der panischen Angst heraus zu ersticken und zu sterben. So jedenfall sah der Beginn des Lebens auf dieser Erde für viele von uns aus. Es ist das große Verdienst von Frédérick Leboyer, einem französischen Gynäkologen, der einfühlsam die Torturen des Babys nachvollzog und uns darauf aufmerksam machte, wie früh wir der Autonomie und Selbstbestimmung beraubt wurden. Sein Buch „Geburt ohne Gewalt“ erschien Anfang der 70er Jahre und hat zu einer neuen Offenheit und zu bewussteren Geburtspraktiken geführt¹.“

Frédérick Leboyer (*1918) gilt als der Vater der sanften Geburtsmedizin.

GeburtNach seiner Forderung soll das Neugeborene sanft und liebevoll und ohne unnötigen Stress auf die Welt gebracht werden. Aus der Geborgenheit des Mutterleibes soll sich das Baby langsam an die körperliche Veränderung gewöhnen dürfen. Hierzu gehören folgende Maßnahmen:

  • Das Neugeborene soll der Mutter auf den Bauch gelegt werden, um die Wärme zu spüren und die Herztöne der Mutter zu hören. So soll sich das Baby von den Strapazen der Geburt erholen.
  • Die Nabelschnur wird nicht unmittelbar nach der Geburt durchtrennt, dadurch soll dem Kind die Umstellung auf die selbständige Atmung leichter fallen.
  • Kind und Mutter wird Zeit gegeben, sich erst einmal kennenzulernen. Erst danach wird das Neugeborene warm gebadet und dann zum ersten Mal an die Brust gelegt.
  • Mit dem Kind soll sanft umgegangen werden, falls keine besonderen medizinischen Maßnahmen erforderlich sind.
  • Das Entbindungszimmer soll besonders warm und das Licht gedämpft sein, damit sich das Kind an den Übergang gewöhnen kann.

Leboyers Bücher werden vielfach zu Geburtsvorbereitungen genutzt. Er lebt heute als Schriftsteller in der Schweiz².

MeergeborenDie Art, wie wir geboren werden, prägt unsere späteren Lebensmuster

Dr. Ines Howe, Atemtrainerin und Leiterin des Atman-Institutes in Berlin³ sagte in einem Interview mit der Zeitschrift „Sein“ im März 2011: „...die Muster, die unser Bewusstsein während der Geburt prägen, sind unsere Überlebensstrategien. Jedes Mal, wenn wir durch eine schwierige Phase der Veränderungen gehen oder in Stress-Situationen geraten, wird die Blaupause unserer Geburt aktiviert. Aber: Nicht, was faktisch während der Schwangerschaft und der Geburt geschieht, prägt unsere Persönlichkeit, sondern unsere „Antwort“ darauf, wie wir die Geburt erlebt und welche Entscheidungen wir während des Geburtsprozesses getroffen haben. Der Weg durch den Geburtskanal ist für den Embryo unter Einsatz seines ganzen Körpers, seiner ganzen Kraft und mit der wirksamen Unterstützung der mütterlichen Wehen zu bewältigen.“

Auf diesem Weg können Überzeugungen und Lebensmuster entstehen, wie z. B.

  • Das Leben ist schwer
  • Ich muss härter arbeiten als andere, um das gleiche zu erreichen
  • Ich fühle mich hilflos
  • Ich muss es alleine schaffen
  • Nur wer hart arbeitet, wird erfolgreich sein
  • Das Leben ist ein einziger Kampf
  • Ich muss mir alles mühevoll erwerben, während anderen alles zufällt
  • Es gibt keinen Ausweg
  • Ich muss kämpfen, um zu überleben
  • Ich schaffe es nicht

Wenn die Geburt künstlich herbeigeführt wurde, kann die Überzeugung entstehen, fremdbestimmt zu sein und nicht selbst über Art und Zeit des Geschehens bestimmen zu können. Diese Menschen werden später alles daran setzen, es alleine zu schaffen, um diesen Schmerz nicht mehr erleben zu müssen („Ich muss es alleine schaffen“).

TwinsWerden Zwillinge geboren, erleben sie nicht nur die Trennung vom schützenden Mutterleib, sondern auch die Trennung vom Zwilling. Diese Erfahrung löst einen tiefen Schmerz und ein Gefühl des Verlassenseins und Alleinseins aus.

Komplikationen bei der Geburt, wie z. B. Kaiserschnitt, Zangengeburt, Steißlage oder Nabelschnur-Umschlingung, ein extrem langer Geburtsprozess, der Gesundheitszustand der Mutter, die familiäre, finanzielle und/oder psycho-soziale Situation zur Zeit der Geburt hinterlassen entsprechende Geburtsblaupausen.

Um mit diesen schmerzlichen Erfahrungen überleben zu können, werden sie ins Unterbewusstsein verschoben. Dort wirken sie im Verborgenen und bestimmen, wie wir uns selbst, die Welt und andere Menschen sehen und auf Situationen und Anforderungen reagieren. Sie wirken sich auf viele unserer Lebensthemen aus, z. B. wie wir uns in Beziehungen verhalten, wie wir auf Druck und Stress reagieren, wie wir mit Problemen umgehen. Sie haben Auswirkungen auf unsere Angst, keinen Ausweg zu finden, beeinflussen unser Selbstwertgefühl, unser Ess- und Schlafverhalten, die Beziehung zu uns selbst, unserem Körper, unserer Sexualität und unsere Fähigkeit, Liebe und Freude zu empfinden und zu geben.

Neugeboren – Wege aus dem Geburtstrauma (Rebirth)

Ich selbst kam drei Wochen zu spät zur Welt, die Nabelschnur war ein paarmal um meinen Hals gewickelt und ich war schon blau angelaufen. Noch heute kann ich keine engen Rollkragenpullis tragen oder Halsketten, die nicht mindestens 45 cm lang sind. Auch trage ich immer noch Prägungen aus dem Geburtsprozess mit mir herum. So habe ich auch jahrelang die Überzeugung vertreten, dass ich es alleine schaffen muss, dass ich kämpfen muss, um zu überleben oder dass ich oft den Menschen am meisten weh tue, die ich am meisten liebe. Um Hilfe zu bitten, fiel mir oft schwer.

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass alles, was verletzt wurde, auch wieder heilen kann.

„Es ist nie zu spät, die emotionalen und spirituellen Wunden der ersten prägenden Erfahrungen zu heilen, egal wie lange die Geburt zurück liegt. Im Körpergedächtnis der Zellen sind alle Erinnerungen gespeichert. Wenn wir die Tür zu unseren dort festgehaltenen Gefühlen aus der Vergangenheit zu öffnen beginnen, fangen wir an, uns zu erinnern und emotional und spirituell zu heilen“, so Dr. Ines Howe.

Auf welche Art du deinen Heilungsprozess angehst, ist deine persönliche Sache. Es gibt viele Möglichkeiten, an die Prägungen deiner Geburt heranzukommen, z. B. durch spezielle Atem-Meditationen (holotropes Atmen, integratives Atmen, Quantum Light Breath) oder  durch Trancearbeit (Hypnose, Rückführung), SeiFu, Somatic Experiencing und vieles mehr.

Hallo, hier bin ichUm diesen Artikel mit etwas Humorigem abzuschließen, möchte ich allen werdenden Eltern das Büchlein von Willy Breinholst „Hallo, hier bin ich!“ ans Herz legen. Es schildert die Schwangerschaft und Geburt aus Sicht des Babys im Mutterleib. Ich habe es während meiner eigenen Schwangerschaft vor vielen Jahren gelesen und habe mich köstlich amüsiert.

 


1, 3 Dr. Ines Howe, Praxis für Integratives Atmen und Leiterin des Atman-Instituts in Berlin: http://www.atman-institut.de

2 Wikipedia: Frédérick Leboyer

 

Literatur:

Breinholst, Willy (1980): Hallo, hier bin ich! – Bastei Lübbe
Griscom, Chris (1990): Meergeboren. - Goldmann Verlag

 

Mit Humor geht alles besser

Humor als Kraftquelle

„Die Zeit verödet alle Wunden, ernstlich ›heilen‹ kann sie allenfalls ein schier göttlicher Humor und all die positiven Emotionen, die er mit sich bringt.“
Peter Rudl

Der Spruch würde sich auch sehr gut für meine Montagszitate eignen. Aber ich möchte heute ein bisschen mehr über Humor schreiben. Gerade weil Humor eine großartige Kraftquelle ist, mit Stress und Belastungen umzugehen und die Dinge leichter zu nehmen.

Heute ist ein sehr heißer Sommertag, und mir steht der Sinn nach etwas Leichtigkeit und Lachen. In meinem Büchlein „Lache, wenn Dir zum Weinen ist!“ sind dem Humor einige Seiten gewidmet. Ohne Sinn für Humor hätten wir wahrscheinlich gar nichts zu lachen.

ostrich-502124_640 Was genau ist Humor eigentlich?

Das lateinische Wort „humor“ bedeutet Feuchtigkeit, Saft. Wo Humor ist, erscheint die Welt nicht als spröde oder trocken. Vielmehr wird sie von einer Feuchtigkeit durchdrungen, die die Objekte miteinander verbindet.

Die antike Medizin bezeichnete die Körpersäfte eines Menschen (Blut, Galle, Schleim) als „humores„¹. Nach der mittelalterlichen Temperamentenlehre hängt ein „guter Humor“ von einem ausgeglichenen Verhältnis dieser Säfte ab, woraus sich der entsprechende Gemütszustand herleitet.

Im 16. Jahrhunder bedeutete „humour“ im Englischen Stimmung, Laune, aber auch ein von den Normen abweichendes, exzentrisches Verhalten². Seite dem 18. Jahrhundert bezeichnet das Wort „Humor“ die heiter-gelassene Gemütsverfassung inmitten aller Widerwärtigkeiten und Unzulänglichkeiten des Lebens³.

„Humor sollte so trocken sein,
dass kein Auge trocken bleibt.“
Werner Hinz

Auf der Internteseite „Stupidedia“ habe ich vor einigen Jahren doch tatsächlich etwas über die Lebensgewohnheiten und Eigenarten des Humors herausgefunden, die ich dir auf gar keinen Fall vorenthalten will:

"Der Humor gilt als einer der Abkömmliche des Hummers, allerdings mit Ohren. Sein Bruder ist der Tumor. Bei einer Rektalgeburt ist oft die Rede vom 'Arsch mit Ohren'.
Der Humor ist bei den Franzosen eine beliebte Spezialität. Er wird eiskalt und je nach Geschmack auch staubtrocken serviert.
Meist erkennt man einen Humor daran, dass man trotzdem lacht. Dies ist aber sehr gefährlich, da der Humor dies wegen seiner Ohren hören kann und sich schnell beleidigt fühlt.
Der bayerische Humor ist eine Unterart des deutschen Humors. Er ist sehr scheu und zeigt sich meist nur in Hopfenblütentee getränkter Umgebung. Dann fällt er jedoch durch lautes Bellen auf, das aber nur durch die wilden Bewohner dieses Landes gedeutet werden kann. Auswärtige, so genannte 'Saupreißn', können das Bellen des bayerischen Humors kaum verstehen und leugnen daher vehement seine Existenz."

Verschiedene Arten des Humors

Der britische Humor besticht durch seine Bissigkeit und Trockenheit. Er kennt keine Grenzen und schreckt auch nicht vor realen Katastrophen oder dem Tod zurück. Nonsens ist ebenfalls charakteristisch für den britschen Humor. Hierbei wird ein Sachverhalt scherzhaft grob falsch dargestellt, losgelöst von Sinn und Logik.

funny-671759_640Schwarzer Humor behandelt als normalerweise ernst betrachtete oder makabre Themen, wie Verbrechen, Krankheit und Tod in satirischer oder bewusst verharmlosender Weise. Oft werden dabei von der Gesellschaft aktuell stark beachtete Themen verwendet. Nicht selten ist schwarzer Humor Gegenstand von Diskussionen, bei denen es um die Frage geht, ob man sich über bestimmte Dinge lustig machen darf und wo die Grenzen des guten Geschmacks liegen. Besonders gilt dies für religiöse oder sexuelle Themen.

Ich erinnere mich hier an die britischen Comedians Marty Feldman (Das Leben des Brian), Mr. Bean alias Rowan Atkinson, Monty Python’s Flying Circus oder die Benny Hill Show, die weit über die Grenzen Groß Britanniens bekannt sind.

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“
Otto Julius Bierbaum

Galgenhumor ist eine Art von Humor, der zunächst ziemlich makaber anmutet. Aber ich finde, er ist eine große Ressource, mit den alltäglichen Widrigkeiten des Lebens ebenso wie mit größeren Belastungen, ja sogar traumatischen Erlebnissen fertig zu werden. Nach dem 2. Weltkrieg wurden massenhaft Witze gerissen über die schrecklichen Geschehnisse im Holocaust. Das war damals eine wichtige Kraftquelle der Überlebenden, mit den Schrecken umzugehen. So konnten sie ihre Gefühle, Empfindungen und Gedanken externalisieren (nach außen verlagern).

Wirklich begreifen oder fassen, wie Menschen anderen Menschen solches Leid zufügen können, war aufgrund der schweren Traumata, die fast alle seinerzeit erlebten, gar nicht möglich.

Das Witzemachen über die Vorkommen dieser Schreckensherrschaft verlieh dem Ganzen etwas Abstraktes und Groteskes. So seltsam das vielleicht klingt, aber es ermöglichte Familien, Gemeinschaften und Völkern, den Horror und das Entsetzen gemeinsam besser zu ertragen.

Wer lachen kann, 
dort, wo er hätte heulen können,
bekommt wieder Lust am Leben
Werner Finck

traffic-sign-480725_640Warum müssen wir lachen, wenn jemand einen Witz erzählt?

Es ist das Kontrasterlebnis: Der Zusammenprall von Vernunft und Unvernunft bringt den normlen Ablauf unseres Denkens zu einer Art Entgleisung.

„Wir können nicht mehr...“, heißt es bei solchen Gelegenheitn häufig, und so überlassen wir uns eben der Spontanreaktion unseres Körper, die sich im Lachen entbindet.

Humor – männlich oder weiblich?

Worüber lachen Männer und Frauen? Das ist eine gute Frage. Humor an sich ist natürlich weder männlich noch weiblich. Allerdings sind die Vorstellungen davon, was lustig ist und was nicht, bei Männern und Frauen verschieden.

Es wird auch behauptet, dass Männer mehr Humor hätten als Frauen. Wahr ist wohl eher, dass Frauen nur selten lustig finden, worüber Männer lachen und umgekehrt.

Und dann gibt es da noch die These, dass der größte Witzbold bei den Frauen die besten Chancen hat. Stimmt das wirklich? Spürt doch einmal in euch hinein, liebe Geschlechtsgenossinnen. Und wenn ihr ganz ehrlich zu euch selbst seid, müsst auch ihr zugeben, dass es euch eben doch nicht egal ist, wie der Mann aussieht, der euer Herz zum Glühen bringt, sondern dass auch der Intellekt des Auserwählten eine große Rolle spielt. Oder, wie Michael Mittermeier, seines Zeichens Comedian, es in seinen Shows immer sehr treffend ausdrückte: „Du, ich hab ’nen neuen Freund. Der ist zwar strunzdoof und sieht aus wie Quasimodo, aber er ist soooooo witzig...“

Humor ist also eine Kraftquelle, um mit Stress besser fertigzuwerden.

Hast du Humor? Bist du ein frohsinniger Mensch, oder schaust du eher ernst und griesgrämig drein?

Lacher-im-Spiegel2Mit Humor geht alles besser

Auch wenn dir nicht zum Lachen zumute ist, so hilft es doch, Stresshormone zu reduzieren. Dabei muss es nicht einmal ein echtes Lachen sein, es genügt, wenn du mit dem Gesichtsmuskel auf einen Nerv drückst, der dem Gehirn signalisiert: Achtung, Freudehormone ausschütten.

Die 60-Sekunden-Strategie von Vera F. Birkenbihl zeigt dir, wie es geht.

Humor kann man lernen

Wenn du mehr über den Humor als Kraftquelle erfahren möchtest, empfehle ich dir einen Blick auf die Seite von tamala. Dort gibt es verschiedene Humor-Trainings, um die eigene Widerstandskraft zu stärken, die Kommunikation und damit Beziehungen zu verbessern und um die emotionale Intelligenz zu stärken.

Ich wünsche dir viel Vergnügen und immer eine Prise Humor im Repertoire.


¹ M. Titze/H. Gröner: „Was bin ich für ein Mensch?“ – Freiburg 1989

² Preisendanz in „Historisches Wörterbuch der Philosophie“, Band III, Darmstadt 1980

³ dtv Brockhaus Lexikon, BAnd 8, München 1984

Mentale Stresskompetenz

Mentale Stresskompetenz

Am Anfang war... der Gedanke!

Dieses Zitat kennst du sicherlich anders, nicht wahr? Heißt es nicht ursprünglich „Am Anfang war das Wort“? Ja, so lautet das bekannte Bibel-Zitat.

Aber es stimmt nicht ganz. Der altgriechische Ausdruck „logos“ hat einen großen Bedeutungsspielraum. So wird er im Sinne von Wort und Rede sowie deren Gehalt (= Sinn) gebraucht. „Logos“ bezeichnet auch das geistige Vermögen und dessen Schöpfungen (z. B. Vernunft), aber auch den Gesamtsinn der Wirklichkeit. Darüber hinaus deutet der Wortteil „-log-“ auch auf die philosophisch-mathematische Disziplin der Logik hin, also der Lehre des vernünftigen Schlussfolgerns.

Wenn du dir einmal vor Augen führst, wie Schöpfungsprozesse ablaufen, wirst du feststellen, dass alles seinen Ursprung im Geistigen hat. Schöpfungsprozesse laufen immer, ob konstruktiv oder destruktiv, ob bewusst oder im Hintergrund, sie finden ständig statt. Sie funktionieren in 4 Zyklen:

1. Alles beginnt mit einem Gedanken

Jede Schöpfung beginnt mit einer Absicht, also dem bewussten Willen, etwas zu tun. Diese Absicht entsteht in deinen Gedanken. Und das ist auch logisch, denn bevor du ein Wort  hervorbringst, hast du dir in der Regel überlegt, was du sagen willst. Es soll auch Leute geben, die reden und dann erst nachdenken. Da kommen dann die unbewussten Schöpfungen zum Vorschein, wie z. B. Freud’sche Versprecher oder irgend ein unsinniges Zeug. Aber ob bewusst oder unbewusst: Wenn du den Mund aufmachst, um ein Wort hervorzubringen (sinnig oder unsinnig), musst du vorher die Absicht dazu gehabt haben, sonst funktioniert es nicht.

2. Die Vorstellung/das Bild

Je genauer ich mir etwas vorstellen kann, desto größer ist die Chance, dass sich mein Bild auch verwirklicht. Das Bild gibt der Schöpfung die Richtung. Wenn meine Absicht und meine Vorstellung nicht übereinstimmen, verwirklicht sich das Bild, auch wenn die Absicht noch so stark gewesen sein mag.

Das bedeutet im Klartext: Alles, was du dir vorstellen kannst, kann zu deiner Realität werden. Und damit das geschehen kann, braucht es Zyklus Nr. 3.

3. Die Emotion

Die Emotion ist der Motor, der die Dinge ans Laufen bringt. Sie sollte kraftvoll und positiv sein. Wenn die Emotion der Absicht und der Vorstellung widerspricht, dann verwirklicht sich die Emotion. Wenn meine Angst vor dem Scheitern also größer ist, als die Vorstellung von z. B. einer erfüllenden Beziehung oder einem erfolgreichen Job, siegt die Angst. Der Part mit der größeren Energie gewinnt den Schöpfungsprozess.

Emotionen gehören zu den wertvollsten Eigenschaften des Menschen. Es gibt, genau wie bei der Absicht, keine vergangenen und keine zukünftigen Emotionen. Emotionen und Gefühle spüren wir immer im Hier & Jetzt.

4. Die Handlung

Ohne Handlung keine Schöpfung. Nur das Tun ist der Maßstab für alles, was sich im Hier & Jetzt manifestiert. Wenn ich die drei vorherigen Punkte nicht umsetze, macht das Ganze keinen Sinn. Nur unser Tun vollendet den Schöpfungszyklus. Dabei gibt es keine Abkürzung, der Schöpfungszyklus muss vollständig durchlaufen werden, sonst kann er nicht funktionieren.

Förderliche Gedanken entwickeln

judge-300552_640Wie du bereits aus meinem letzten Blog-Beitrag „Die 5 wirksamsten Strategien, mit denen du schnurstracks in die Stress-Hölle fährst“ weißt, bestimmen deine Gedanken deine Realität und was du fühlst. Umgekehrt beeinflussen deine Emotionen wiederum deine Gedanken und wie du dich verhältst. Das kann zu einem Teufelskreis werden, zu einer Endlosspirale, aus der du möglicherweise ohne einen Hinweis von außen nicht wieder herauskommst.

Wenn du ständig in negativen Gedankenschleifen drinhängst und du schon auf dem Zahnfleisch gehst, weil dir das fast deine gesamte Lebensenergie raubt, solltest du dringend damit beginnen, förderliche Gedanken und Einstellungen zu entwickeln.

Wie kannst du das machen?

Zunächst einmal solltest du dir darüber bewusst werden, dass du dich jederzeit  entscheiden kannst, wie du Situationen, Dinge, die passieren und andere Menschen bewertest und einschätzt. Du hast die Macht dazu! Das ist doch schonmal ein förderlicher Gedanke, nicht wahr? Falls du es nicht glaubst, möchte ich dir kurz und knapp die Geschichte von Viktor Frankl erzählen:

Der österreichische Arzt und Psychotherapeut Viktor Frankl wurde von den Nazis ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo seine erste Frau und seine Eltern ermordet wurden. Er selbst wurde gefoltert und entwürdigt. Eines Tages wurde er sich dessen bewusst, was er “die letzte Freiheit des Menschen” nannte. Die Aufseher im KZ konnten ihn und seine Umgebung kontrollieren und mit seinem Körper machen was sie wollten. Er blieb trotzdem ein selbstbewusstes Wesen, das beobachten konnte, was mit ihm geschieht. Seine grundlegende Identität war intakt. Er konnte selbst entscheiden, welche Auswirkungen all diese Erlebnisse auf ihn haben würden.

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellungen zu den Dingen“
Viktor Frankl (1905−1997)

Dies zu erkennen ist der erste Schritt auf deinem Weg, dein eigener Stress-Experte zu werden. Darauf kannst du aufbauen.

board-765311_640Um deine mentale Stresskompetenz zu stärken, wird es also ab jetzt darum gehen, deine persönlichen Stressverstärker zu identifizieren, selbstkritisch zu reflektieren und neue förderliche Gedanken und Einstellungen zu entwickeln.

Mit der Zeit gewinnst du mehr und mehr die Kontrolle über deine eigenen, oft automatisierten stressverstärkenden Gedanken. Du lernst, dass du nicht nur das Opfer deiner früheren Erfahrungen oder deiner äußeren Umstände bist, sondern auch, dass du dich weiterentwickeln kannst.

Du kannst lernen, deine Stressverstärker – selbst wenn du sie nicht komplett loswirst –  dann doch zumindest abzumildern, aufzuweichen und nach und nach eine positivere Einstellung und förderlichen gedanklichen Umgang mit den Anforderungen des Lebens zu enwickeln.

Dabei ist es wichtig, keinen naiven Optimismus walten zu lassen, in Form von positiven Affirmationen, wie „Chaka, du schaffst es!“ – Das hilft vielleicht kurzfristig, aber nicht nachhaltig. Wichtig ist, dass du das, was du da sagst, auch so meinst, dass du es fühlen und umsetzen kannst. Nur dann wird es zu einer Erfahrung, die es dir erlaubt, einen gesunden Optimismus zu entwickeln und kompetent mit Belastungen umzugehen.

Optimismus besteht darin, aus einer Situation das Beste (= Optimum) zu machen
Viktor Frankl (1905−1977)

Ziel des mentalen Stressmanagements ist es also, dich dazu zu befähigen, aus jeder Situation das Beste zu machen.


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Montagsspruch
Stressverstärkende Gedanken

Die 5 höllischsten Stressverstärker-Strategien

Die 5 wirksamsten Strategien, mit denen du schnurstracks in die Stress-Hölle fährst

Unsere Erfahrungen machen uns zu dem, was wir sind. Jeden Tag machen wir Erfahrungen, die unser Denken, unsere Gefühle und unser Verhalten beeinflussen, z. B.

  • Ein Autofahrer schnappt dir den letzten freien Parkplatz vor der Nase weg
  • Der Chef hat dir heute wieder mal eine extra Arbeit aufgebrummt
  • Die Bäckereiverkäuferin ist zickig und unfreundlich zu dir
  • Der Gemüsehändler hat dir einen angeschmuddelten Salat eingepackt
  • Deine Partnerin wirft dir vor, dass du ihr nie zuhörst…

Unsere Gedanken bestimmen unsere Realität und was wir fühlen


Prof. Gerd Kaluza, vom GKM-Institut für Gesundheitspsychologie in Marburg, unterscheidet grundsätzlich zwei verschiedene Bewertungsvorgänge:

1. Die Situation einschätzen:

„Bewertungen, die eine Einschätzung der Situation bzw. der jeweiligen Anforderungen beinhalten. Anforderungen können entweder als neutral-irrelevant, als angenehm-positiv oder als bedrohlich-schädlich bewertet werden.“

Wenn also eine Herausforderung als bedrohlich oder schädlich eingeschätzt wird, spricht man von einer stressauslösenden Bewertung.

„In eine solche Bewertung gehen die gespeicherten Erfahrungen mit früheren vergleichbaren Situationen ein. Persönliche Bedürfnisse, Motive und Ziele stellen […] die Messlatte dar, an der die persönliche Bedeutung der aktuellen Situation eingeschätzt wird, so Kaluza.“

2. Eigene Bewältigungsmöglichkeiten einschätzen:

Hier werden die eigenen Kompetenzen (interne Ressourcen) im Umgang mit der jeweiligen Herausforderung bewertet. Aber auch Unterstützungsmöglichkeiten durch Dritte, auf die bei der Bewältigung der Aufgabe zurückgegriffen werden kann (externe Ressourcen). Diese Bewältigungsmöglichkeiten werden entweder als ausreichend oder aus nicht ausreichend eingeschätzt. Die letztere Bewertung löst Stress aus, ist also ein stresserzeugender Gedanke.

Dabei spielen unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Welche Bewältigungsmöglichkeiten hatten wir früher in vergleichbaren Situationen? Diese Erfahrungen sind sehr prägend und können uns zu der Überzeugung gebracht haben „Ich bin hilflos“. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von der so genannten erlernten Hilflosigkeit (M. Seligman). Diese erlernte Hilflosigkeit wirkt auch in der aktuellen Situation, und wir fühlen uns bei einer bestimmten Anforderung, die an uns gestellt wird, hilflos ausgeliefert.

Haben wir die Erfahrung gemacht, sehr wohl über ausreichende Bewältigungsmöglichkeiten zu verfügen, können diese Erfahrungen unser Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten stärken. Für die aktuelle Situation kann dies bedeuten, dass wir uns selbst vertrauen und uns etwas zutrauen. Wir fühlen uns der Aufgabe gewachsen.

Ein Beispiel:

Dein Chef brummt dir eine neue Aufgabe auf mit der Äußerung, dass er dafür eine/n kompetente/n Mitarbeiter/in braucht. Jetzt kommt es darauf an, wie du die neue Herausforderung einschätzt und wie du deine eigenen Fähigkeiten bewertest.

  1. neutral-irrelevant: „Kein Problem. Das mach ich mit links.“
  2. bedrohlich-schädlich: „Oh, Gott, hoffentlich geht das mal gut. Was, wenn ich das ich das vergeige?“
  3. angenehm-positiv: „Endlich kann ich zeigen, was in mir steckt. Ich freue mich auf die neue Chance.“

Da du dich selbst am besten kennst, wirst du wissen, wie du dich in solchen Situationen fühlst und ob dir die neue Herausforderung eher angenehm oder eher unangenehm ist.

Stress ist das Ergebnis unserer persönlichen Bewertungen

Wenn du auf destruktiven Stress stehst und dich mal wieder richtig unter Druck setzen willst, gibt es eine Sache, die höchst wirksam ist und die du unbedingt tun solltest:

Stressverstärkende Gedanken denken!

Ja, du hast richtig gelesen. Fahre dazu alle stressverschärfenden Denkmuster ab, die du kennst. Dir fällt gerade keins ein? Kein Problem, ich habe die effektivsten für dich zusammengestellt.

Noch ein Tipp: Halte dich bitte genau an die Anweisungen, sonst funktioniert es nicht!

Und hier sind sie – die 5 wirksamsten Strategien, mit denen du schnurstracks in die Stress-Hölle fährst

Strategie 1: „Das darf doch nicht wahr sein“

Dieser Gedanke taucht auf, wenn du eine unangenehme oder schwierige Situation nicht hinnehmen willst. Du weigerst dich, diese Realität zu akzeptieren. Du hast z. B. im Straßenverkehr einen Unfall verursacht, beim Fußball einen Elfmeter verschossen, der die Meisterschaft kostet. Dein Partner hat dich einen Tag vor der Hochzeit sitzenlassen usw.

In diesen Situationen hat unser Gehirn mächtig viel Platz für Gedanken, wie „das darf doch nicht wahr sein“, „das gibt’s doch nicht“, „das glaube ich jetzt nicht“ usw.

Wenn du diese Gedanken denkst, kannst du darauf wetten, dass innerhalb kürzester Zeit die Kampfhormone in deinem System die Oberhand gewinnen. Ärger und körperliche Erregung machen sich breit und werden verstärkt. Du spürst einen Widerstand in der Magengegend und wahrscheinlich auch im Hals.

Ich wette, es gelingt dir mühelos, dich mit diesem Gedanken so richtig in deinen Ärger hineinzusteigern. Gut gemacht. Jetzt wird er dich garantiert daran hindern, dich konstruktiv mit der jeweiligen Situation auseinanderzusetzen und das Beste daraus zu machen. Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft, dich schnurstracks in die Stress-Hölle zu katapultieren.

Es gibt jedoch noch eine andere Variante dieses „Nicht-wahr-haben-wollens“. Manche Menschen verleugnen regelrecht die Realität. Sie ignorieren, was passiert ist und blenden die Tatsachen aus. Hierbei handelt es sich jedoch um einen psychologischen Schutzmechanismus, der dich davor bewahrt, von allzu schmerzhaften Gefühlen, wie Angst oder Trauer überwältigt zu werden. Dies kann z. B. dann der Fall sein, wenn du vom Tod eines geliebten Wesens erfährst oder eine schlimme Krankheitsdiagnose bekommen hast.

Strategie 2: „Alles Scheiße, deine Elli!“

Eine sehr einfache und effektive Strategie, um dir das Leben zur Hölle zu machen, ist es, wenn du deine Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Dinge richtest, die schiefgelaufen sind, die dich stören oder dich sonst wie nerven. Das ist doch sicherlich kein Problem für dich, oder? Na bitte, das dachte ich mir doch.

Mit dieser Vorgehensweise gibst du deinen negativen Erfahrungen eine überdimensionale Bedeutung. Und das Beste daran ist, dass du jeglichen vernünftigen Maßstab verlierst und die positiven Dinge einfach ausblendest.

Eine blöde Bemerkung von deiner Freundin, eine kleine Kritik deines Chefs oder ein verschüttetes Glas Wein können dir das ganze Wochenende versauen.

Schließlich fängst du an, diese negativen Erfahrungen zu verallgemeinern mit Gedanken wie „Immer mache ich alles falsch“ oder „Ich bin einfach nicht gut genug“ usw.

Mit diesen Gedankenschleifen im Kopf kannst du dich mental so einstellen, dass du garantiert auch noch den Rest des Tages Frust verspürst und diesen sogar mit ins Bett nimmst. Jetzt hast du dich auch noch um den Schlaf gebracht. Ist es nicht faszinierend, wie gut das funktioniert?

Strategie 3: Horrorszenarien oder das Ausmalen negativer Konsequenzen

Du stehst vor einer wichtigen Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einer Operation? Dann tust du gut daran, dir in allen Farben deren negativen Ausgang auszumalen. Bitte sei hier so kreativ wie möglich und entwerfe dir die fantastischsten Horrorszenarien, wenn du dir das Leben zur Hölle machen willst. Stell dir vor, wie du bei der Prüfung scheiterst und mit Pauken und Trompeten durchfällst. Stell dir vor, wie du beim Vorstellungsgespräch mit puterrotem Kopf dasitzt und keinen Ton hervorbringst. Und stelle dir vor, dass du während der Operation vorzeitig aus der Narkose aufwachst.

Das hilft ungemein, die Kampfhormone in deinem System in kürzester Zeit zum Blubbern zu bringen und zu spüren, wie die Angst dir die Kehle zuschnürt.

Auch solltest du tunlichst Gedanken an frühere, ähnliche Situationen oder Erfahrungen vermeiden, in denen du derartige Herausforderungen mit Bravur gemeistert hast.

In der bevorstehenden Situation selbst wird dann mit großer Wahrscheinlichkeit genau das eintreten, wovor du Angst hast. Aber das war ja der Sinn der Sache, oder etwa nicht?

Du siehst, auch diese Strategie funktioniert hervorragend, wenn du dich genau an die Anweisungen hältst.

Strategie 4: Nimm alles möglichst persönlich

Bist du heute Morgen auf dem Bettvorleger ausgerutscht? Hat deine Tochter eine schlechte Note nach Hause gebracht? Streikt der Drucker? Hat dein Nachbar dich schon wieder nicht gegrüßt? Oder bist du in ein Hundehäufchen getreten?

Dann solltest du diese Ereignisse oder Verhaltensweisen unbedingt persönlich nehmen. Rede dir immer wieder ein, dass all dies nur geschieht, um dich persönlich anzugreifen, zu beleidigen oder herabzusetzen.

Hilfreich ist es auch, wenn du dir selbst die Schuld an allem gibst. So wirst du im Laufe des Tages immer wieder Gelegenheiten finden, wo du dich aufregen kannst und in die Luft gehen, wie das HB-Männchen etc.

Praktiziere dies regelmäßig, wenn du deinen Blutdruck dauerhaft erhöhen möchtest oder dir sonst jegliche Aufregung im Leben fehlt.

Strategie 5: Betone stets deine Schwächen

Richte deine Aufmerksamkeit stets auf deine Schwächen, Defizite und Misserfolge. Setze dich ausschließlich mit deinen Schwächen auseinander und ignoriere deine Stärken und Erfolge. Das untergräbt dein Selbstvertrauen, das du eigentlich bräuchtest, um den täglichen Anforderungen des Lebens gelassen und sicher entgegengehen zu können.
Bedenke: Steter Tropfen höhlt den Stein!

So, nun weißt du, was du tun kannst, um dir selbst das Leben schwer zu machen.

Was denn? Du willst das gar nicht? Ja, wozu habe ich dir dann diese nützlichen Tipps zusammengestellt?

Okay, ich habe auch eine gute Nachricht für dich: Du hast nämlich die Wahl! Jawohl. Du kannst selbst bestimmen, was du denken und wie du dich fühlen willst. Positiv oder negativ.

Ist das nicht großartig? Welch eine Macht dir das gibt!

Das bedeutet allerdings auch, dass du für deine Gedanken verantwortlich bist. Denn sie bestimmen deine Realität oder, wie der französische Physiker J.E. Charon sagte:

„Die Welt ist, was ich von ihr denke!“

Du wirst dich vielleicht fragen, wie das gehen soll mit der freien Wahl der Gedanken. Schließlich hast du in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, die dich bis heute geprägt und dein Denken und Verhalten bestimmt haben. Und nun komme ich daher und verlange vor dir, den Schalter umzulegen und alles anders zu sehen als bisher? Diese Vorstellung läuft dem Gefühl in deiner Magengrube gerade total zuwider?

Oh ja, das glaube ich dir.

Nur, wenn du dir das Leben nicht selbst zur Hölle machen willst, indem du immer wieder die gleichen zerstörerischen Denk- und Verhaltensmuster abfährst, solltest du allmählich damit beginnen, etwas zu verändern.

Und Veränderungen sind (fast) immer mit einem unangenehmen Gefühl verbunden, nicht wahr? Schließlich müssen wir unsere Komfortzone verlassen und uns auf unbekanntes Terrain begeben, wenn wir etwas Neues lernen und uns weiterentwickeln wollen.

Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur stressverstärkende Gedanken, sondern auch stressreduzierende, förderliche Gedanken. Darauf komme ich nächste Woche zu sprechen.

Bis dahin kannst du selbst einmal prüfen, welche der vorhin genannten stressverstärkenden Strategien bei dir mehr und welche weniger ausgeprägt sind.

Ach, übrigens: Kennst du die Geschichte von Peter Pan? Erinnerst du dich noch an seinen Ausspruch

„Ein wundervoller Gedanke, und du kannst fliegen“

Trage dich in den Verteiler  ein und erhalte jeden Montag von mir einen wundervollen Gedanken, der deine Flügel mehr und mehr wachsen lässt.

Montagsspruch

Keine Lust auf Sex?

Stress als Lustkiller

Keine Lust auf Sex

Couple in Live„Wir haben schon seit Wochen nicht mehr miteinander geschlafen“, erzählt Mona, eine 38-jährige Werbekauffrau und Mutter von zwei Kindern. „Und ehrlich gesagt, habe ich auch gar keine Lust auf Sex. Im Gegenteil, ich bin froh, wenn ich abends meine Ruhe habe. Mein Mann und ich sind beide berufstätig und fallen oft todmüde ins Bett. Dabei lieben wir uns sehr und haben unsere Zweisamkeit immer genossen.  Am meisten macht mir dieser Zwiespalt zu schaffen.“

„Was meinen Sie damit?“, frage ich sie.

Quickie im Büro„Nun ja, ich fühle mich oft hin und hergerissen. Manchmal habe ich schon Lust auf ein Schäferstündchen mit meinen Mann. Aber im selben Moment denke ich: Ach nee, dazu müsste ich mich erst im Büro freischaufeln, meine Eltern fragen, ob sie die Kinder nehmen oder einen Babysitter organisieren, um mit meinem Mann eine ungestörte Zeit zu verbringen. Das ist mir dann einfach zu stressig, und so lasse ich den Gedanken daran meistens wieder fallen. Und an einen spontanen Quickie zwischendurch, so wie wir das früher gemacht haben, ist überhaupt nicht mehr zu denken.“

Sex nach Terminkalender?

TerminkalenderEs gibt Sex-Berater, die ihren Klienten raten, einen Wochenplan auszuarbeiten und zu schauen, wann sie z. B. an drei Tagen in der Woche jeweils eine Viertel- oder halbe Stunde Zeit haben. Es müsse ja nicht gleich zum Sex kommen. Man solle z. B. überlegen, womit man seinem Partner oder seiner Partnerin eine Freude bereiten könnte und solle dann der Natur ihren Lauf lassen.

Aber mal ehrlich: Würde dir das gefallen? Sex nach Terminkalender? Selbst, wenn es nicht zum Geschlechtsverkehr kommt und ihr eure Zeit einfach nur zu zweit miteinander verbringt (hoffentlich nicht mit Fernsehen oder Diskussionen über die Schulnoten der Kinder etc.). Willst du dich wirklich von deinem Smartphone mit einem blinkenden Herzchen daran erinnern lassen, dass heute Abend um 18.30 Uhr ein strategisch geplantes Liebesdate stattfindet? Wie romantisch ist das denn?

Aber ok, ich bin ja nicht der Maßstab aller Dinge. Wenn du und dein Partner damit klarkommt, macht es ruhig so. Jeder muss für sich ausprobieren, was funktioniert. Und wie sagte der amerikanische Psychotherapeut Steve de Shazer zu seinen Lebzeiten immer:

„Wenn etwas gut funktioniert, mache mehr davon. Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und mache etwas anderes.“

Seid also kreativ darin, euch eure Zeitnischen zu schaffen. Zeit, die nur euch beiden gehört. Zeit für Intimität, Erotik, Sinnlichkeit und Nähe.

Ich weiß, auch das ist oft nicht leicht, denn mit zunehmendem Stress geht nicht nur die Lust auf körperlichen Sex flöten, sondern auch die geistige Kreativität.

Und genau da gibt es einen sehr wichtigen Zusammenhang. Beides ist nämlich Ausdruck ein und derselben Energie.

Sexualität ist Schöpfungsenergie

Diese Schöpfungsenergie, Sexualkraft oder Geschlechtstrieb, ist die stärkste Energie in unserem Körper. Aus dieser Schöpfungsenergie sind wir hervorgegangen. Diese Kraft hält uns am Leben, stellt uns die Energie für unseren kreativen Ausdruck zur Verfügung und lässt uns neues Leben erschaffen.

Doch Sexualität ist mehr als nur ein koitaler Akt zwischen zwei Menschen. Sie ist auch nicht beschränkt auf Fortpflanzung.

Sexualität ist das universal gültige, naturgesetzliche »Partnerprinzip«, das jedem Austausch zugrunde liegt.

Walter Russell

Wenn du ein Bild malst, ein Haus baust oder ein Lied komponierst, so ist dies ebenfalls ein Ausdruck der Schöpfungskraft, die jedem Menschen innewohnt. Manchmal wird die geistige Kreativität blockiert, z. B. wenn wir unter Stress stehen, aber auch, wenn sich unsere Schöpfungsenergie zu sehr oder ausschließlich in körperlichen Aktivitäten „er-schöpft“. Um ihre Schöpfungskraft in die von ihnen gewünschten Bahnen zu lenken, entscheiden sich manche Menschen sogar für sexuelle Enthaltsamkeit. Deshalb leben einige Schriftsteller z. B. während eines Buchprojektes eine Zeitlang in der Abgeschiedenheit. So werden sie nicht gestört, abgelenkt oder ihr kreativer Lauf durch sexuelle Aktivitäten blockiert.

KeineLustAufSexSind wir zu großem oder dauerhaftem Stress ausgesetzt, leidet zuerst unsere Schöpfungkraft. Sie schläft ein, und wenn wir sie nicht neu beleben können, verkümmert sie. Wir verlieren die Lust auf Sex, und unsere geistige Kreativität leidet über kurz oder lang auch. Uns gehen die Ideen aus. Wir funktionieren nur noch.

Woran liegt das?

Bei steigenden körperlichen und psychischen Belastungen schüttet der Körper vermehrt das Stresshormon Cortisol aus, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Cortisol und andere Stresshormone hemmen die Produktion des Sexualhormons Testosteron.

Darüber hinaus aktivieren sie das sympathische Nervensystem. Der Sympathikus versetzt den Körper in einen Zustand höherer Aufmerksamkeit und Fluchtbereitschaft. Der Körper mobilisiert Energien, die er zum Kampf oder zur Flucht braucht. Die Pupillen weiten sich, das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an und der Blutdruck steigt. Gleichzeitig wird die Durchblutung der Genitalien gehemmt.

Vegetatives NervensystemDer Sympathikus hat auch einen Gegenspieler, den Parasympathikus oder das so genannte parasympathische Nervensystem.  Es ist dann aktiv, wenn wir uns sicher, geborgen und entspannt fühlen. Der Parasympathikus regelt die Verdauung, den Schlaf und auch zentrale Bereiche unserer Sexualität. Die Anspannung, die wir für Sex brauchen, ist allerdings eine positive Anspannung. Negativer Stress legt unsere Lust lahm. Und das ist auch sinnvoll.

Stell dir mal vor, du befindest dich in einer Gefahrensituation, in der du weglaufen oder dich verteidigen müsstest. Da wäre eine Erektion nicht sonderlich hilfreich und würde dir im wahrsten Sinne des Wortes nur im Weg stehen Smily

Sex und Sinnlichkeit

Erinnerst du dich daran, wie es sich anfühlt, wenn du verliebt bist?

VerliebtKönnen Stress und Alltagsbelastungen dir etwas anhaben, wenn du bis über beide Ohren verknallt bist? Vielleicht, kommt drauf an, wie groß die Belastungen sind, nicht wahr? Aber irgendwie scheint im Zustand der Verliebtheit alles viel leichter zu gehen. Natürlich, es werden ja auch Unmengen an Freudehormonen ausgeschüttet. Wir strotzen vor Kraft und könnten die ganze Welt umarmen. Es fällt uns leicht, uns auf unseren Partner oder Partnerin einzulassen. Wir können auch nach einem anstrengenden Arbeitstag noch stundenlang miteinander im Bett herumtoben. Das ganze geht so lange, bis die erste Verliebtheit abebbt, das geschieht bei den meisten nach etwa eineinhalb Jahren. Und selbst dann ist noch genügend Energie für Lust und Sinnlichkeit da.

Der Stresstherapeut Louis Lewitan sagte bereits 1995 in einem Interview mit Focus Online: „Sex läuft über die Sinne. Wer gestresst ist, kann aber nicht mehr sinnlich sein, und damit verflacht sein Gefühlsleben.“

Der tägliche Lebenskampf erfordert Energie und kostet viel von unserer Lebenskraft. Wir verlieren die Lust an der Lust. Dieser ständige Stress führt dazu, dass wir oft nur noch funktionieren. Im schlimmsten Fall haben wir nicht einmal mehr Lust auf kulturelle Aktivitäten oder verlieren den Gefallen an den schönen Dingen des Lebens: Arbeiten – Essen – Schlafen – das war’s.

Je größer der negative Stress ist, desto stärker nimmt die sexuelle Lust ab.

Auch sexueller Leistungsdruck kann die Lust mindern. Die Erwartung, den Ansprüchen des Partners genügen zu wollen oder auch selbst Lust empfinden zu müssen, erhöhen den Druck nur noch mehr.

Umso wichtiger ist es, dass du mit deiner Partnerin oder deinem Partner über deine Gefühle und Sorgen diesbezüglich sprechen kannst. Oft sind es nämlich auch Scham oder Unsicherheit, die den Stress zusätzlich fördern. Das muss nicht sein. Eine vertrauensvolle Partnerschaft ist hier das A und O.

Wie kommt die Lust auf Sex zurück?

GemeinsamkeitSorge dafür, dass du zu einem Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung kommst. Das ist oft nicht leicht, ich weiß. Aber es ist notwendig, sonst brennst du aus und im schlimmsten Fall bricht dein System zusammen. Und dann geht gar nichts mehr.
Willst du eine Beziehung mit deinem Partner oder Partnerin führen, in der körperliche Nähe und Sinnlichkeit eine Rolle spielen, so kommt ihr nicht umhin, beide etwas dafür bzw. für euch zu tun.
Das Jahr hat 365 Tage. Einmal im Jahr ein Kurzurlaub oder alle paar Monate ein Wochenende zu zweit reichen da nicht aus, um eure Bedürfnisse nach Zweisamkeit, Nähe und Sex zu erfüllen. Zu schnell hat der Alltag euch wieder eingeholt, und zu schnell haben sich eingefahrene Muster wieder eingeschlichen.
Schaut, ob ihr bestimmte Aufgaben (beruflich oder privat) delegieren könnt. Macht euch frei von dem Gedanken, alles selber machen oder kontrollieren zu müssen.

Macht euch locker!

LeidenschaftDas ist vielleicht nicht ganz einfach, aber man kann es lernen und üben. Überdenkt eure Prioritäten und definiert sie ggf. neu.  Besucht zusammen einen Tantra-Kurs oder geht mal wieder zum Tanzen.
Entdeckt eure Sinnlichkeit wieder. Verliebt euch aufs Neue ineinander. Erinnert euch daran, wie es damals war, als ihr euch kennengelernt habt. Was hat euch am anderen so gefallen?

Findet heraus, was euch beiden gemeinsam Freude bereitet, und dann tut es bitte!

Glückliches PaarNiemand kann euch verbieten, eine glückliche Beziehung zu führen, außer ihr selbst.
Niemand kann euch erlauben, eine erfüllende Sexualität zu leben, außer ihr selbst.
Es ihr euer Leben. Wofür werdet ihr euch entscheiden?

So helfen dir Rituale, Stress abzubauen

So helfen dir Rituale, Stress abzubauen

Früher gehörten Rituale zum Alltag, wie das Ei zum Spinat. Der berufliche sowie der private Alltag wurde zu festen Zeiten und in festgelegten Abläufen gestaltet. Vor dem Essen wurde gebetet, samstags war Badetag und – nicht zu vergessen – sonntags ging man zum Gottesdienst (sofern man religiös war).

Heutzutage werden liebgewonnene Gewohnheiten eher belächelt, vielen sind sie sogar peinlich. Starre Traditionen sind out und müssen aufgebrochen werden. Nur wer flexibel ist, bringt es auf der Erfolgsleiter nach oben. Abenteuer und Adrenalinkicks liegen heute voll im Trend und treffen den Nerv der Zeit.

Dabei ist den meisten von uns gar nicht bewusst, dass unser Alltag trotzdem jede Menge Rituale enthält, die wir aber gar nicht als solche betrachten. Und manchmal handelt es sich um Rituale, die uns gar nicht guttun.

Was meine ich damit?

toothbrush-313768_640Ein Ritual ist, wie wir wissen, eine Handlung nach einem festgelegten und immer wiederkehrenden Ablauf. Die Handlung wiederholt sich immer auf die gleiche oder annähernd ähnliche Weise. Dabei können Rituale sich im Laufe der Zeit durchaus verändern. Zeit, Ort oder Dauer der Handlung sind variabel und ergeben sich aus der Situation heraus. Das heißt, dass sich ein Ritual nicht zwangsläufig in bestimmten Zeitabständen wiederholen muss, sondern dann ausgeführt wird, wenn die Situation es erfordert.

Der Gang ins Fitness-Studio zweimal pro Woche oder der Spaziergang am Sonntagnachmittag sind ebenso Rituale wie das Zähneputzen am Morgen oder die heiße Milch mit Honig vor dem Schlafengehen. Zeitunglesen beim Frühstück oder der Genuss des Feierabendbierchens nach getaner Arbeit gehören ebenfalls dazu.

Welche Rituale führst du täglich aus, ohne dass du dir dessen bewusst bist?

Mache dir einmal bewusst, welche regelmäßig wiederkehrenden Handlungen oder Gewohnheiten du jeden Tag, jede Woche, jeden Monat ausführst. Schreibe sie ruhig einmal auf. Du wirst erstaunt sein, was da alles zu Tage kommt. Und du wirst merken, dass ein Leben ohne Rituale so gut wie unmöglich ist.

Bei Stress und besonders nach traumatischen Erlebnissen können Rituale eine große Kraftquelle sein. Rituale

  • schaffen Struktur
  • geben Halt und Sicherheit
  • geben Orientierung
  • wirken beruhigend auf das Nervensystem
  • bauen Stress ab
  • machen Spaß

Ich habe einige Menschen gefragt, welche Rituale sie ausführen, wenn sie Stress abbauen wollen. Es kamen die unterschiedlichsten Antworten dabei heraus:

  • Eine Kollegin erzählte mir, dass sie eine zeitlang jeden Morgen, bevor sie zur Arbeit ging, erst einmal eine Viertelstunde badete. So machte sie sich fit für den anstrengenden Tag.
  • Eine andere badete jeden Tag nach der Arbeit bzw. vor dem Schlafengehen, um zu entspannen und die Anstrengungen des Tages hinter sich zu lassen.
  • Ich kenne jemanden, der setzt sich nach der Arbeit an seinen Computer zuhause und spielt Autorennen, Solitaire oder Ballerspiele. Er sagt, so könne er am besten entspannen und abschalten. Dazu komme ich später nochmal.
  • yoga-241609_640Eine Bekannte geht einmal in der Woche zum Tai Chi.
  • Ein Freund macht mit seiner Frau zweimal pro Woche Aqua-Gymnastik.
  • Eine Frau malt, wenn sie Stress hat. Wenn sie so richtig genervt ist und die Dinge nicht mehr fließen wollen, schnappt sie sich eine Leinwand und tobt sich mit verschiedenen Farben nach Herzenslust aus.
  • Meine ehemalige Lehrerin trinkt jeden Morgen vor dem Aufstehen eine Tasse Tee im Bett. Ihr Partner bereitet ihn für sie zu und serviert ihn ihr ans Bett.
  • BauchtanzEine Freundin besucht zweimal wöchentlich einen Zumba-Kurs und geht zusätzlich einmal pro Woche noch zum Tanzen, um ihren Alltagsstress abzubauen.
  • Eine andere macht lange Spaziergänge, um ihren Kopf frei zu bekommen.

Ich selbst habe auch verschiedene Rituale zum Stressabbau:

TeezeremonieSo mache ich kleine Achtsamkeitsübungen, wie z. B. einen Moment innehalten und eine Minute lang meinen Atem beobachten. Ich mag auch Kurzmeditationen. Dazu setze ich mich in den Schneidersitz, schließe die Augen und gehe in mich, ohne eine Absicht zu verfolgen oder etwas zu wollen. So komme ich in einen angenehm entspannten Zustand.

Wenn ich unruhig, unkonzentriert oder genervt bin, stehe ich auf und gehe auf meinen Balkon. Dort schaue ich ins Grüne, nehme einige Atemzüge oder setze mich hin und trinke einen Kaffee oder Tee. Manchmal gehe ich auch in den Wald und umarme einen Baum. Diese Mini-Rituale helfen mir, mich zwischendurch ein wenig zu entspannen, Druck und Stress loszulassen.

Rituale, die nicht guttun

ComputerspielSo, nun komme ich noch einmal auf den Freund zurück, der behauptet, mit Computerspielen könne er sich am besten entspannen.

Fakt ist: Das kann er nicht! Erwiesenermaßen können wir nicht entspannen, wenn wir am Computer arbeiten, auch wenn es sich dabei nur um ein Spiel handelt. Wir sind dabei in ständiger Anspannung. Wir fiebern mit und rutschen unruhig auf unserem Stuhl hin und her oder wechseln ständig unsere Sitzhaltung. Die Muskulatur ist angespannt, der Blutdruck erhöht, der Puls geht schneller, die Atmung ist flach, möglicherweise halten wir sogar den Atem an, wenns im Spiel gerade brenzlig wird.  Gewaltvolle Ballerspiele, bei denen wir andere Wesen abwehren oder töten sollen, wirken keinesfalls entspannend auf uns, weder auf Körper, Seele noch Geist.

Selbst wenn wir uns immer wieder sagen, dass es sich NUR um ein Spiel handelt, so nimmt unser Gehirn und unser Unterbewewusstsein die Handlung, die da läuft und in die wir beim Spielen eingebunden sind, als Realität wahr. Die elektrische Strahlung tut ihr Übriges dazu. Nächtliche Unruhe, Schlafstörungen oder Alpträume sind da keine Seltenheit. Wer da am nächsten Tag ausgeruht zur Arbeit oder zur Schule muss, sollte den Abend lieber ruhiger ausklingen lassen als mit Spätnachrichten im Fernsehen oder Computerspielen.

Was mein Freund hier tatsächlich meinte und auch geäußert hat, ist, dass er beim Computerspiel abschalten kann vom Alltagsgeschehen.  Und das glaube ich ihm aufs Wort, denn er ist ein Meister der Alltags-Dissoziation*. Wenn ihm etwas auf den Keks geht, schaltet er innerlich einfach auf einen anderen Kanal um, als hätte er eine eingebaute Fernbedienung. Ich gebe zu, dass ich ihn dafür manchmal beneide.

Allerdings ist er auch Meister im Verdrängen, und bekanntlich drängt das Verdrängte ja irgendwann nach oben. Verdrängung ist ein Schutzmechanismus, der bewusst oder unbewusst eingesetzt wird, um uns nicht zu überfordern. Allerdings ist dies auf Dauer nicht gesund. Manchmal ist die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema sinnvoller. Dann kann der Konflikt offengelegt werden und der damit verbundene Stress und Druck kann ein Ventil finden und abgebaut werden. Über Jahre aufgestauter Druck kann irgendwann zu Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Im schlimmsten Fall schnappt die Psyche über und es kommt zu Spontanhandlungen, wie Suizidversuche oder Amokläufe.

Rituale, die guttun

Du hast vorhin schon einige Rituale kennengelernt, die Menschen anwenden, um  Spannungen und Blockaden zu lösen und wieder frei durchzuatmen oder gut schlafen zu können.

Hier fallen mir noch ein paar Rituale ein, die dir helfen können, Stress abzubauen und zu entspannen:

Rituale am Morgen

  • Kaffee trinkenVor dem Aufstehen ein paar Dehnungsübungen im Bett machen. Recke und strecke dich und gähne dabei laut.
  • Vor dem Duschen die Haut mit einem Handschuh oder einer Bürste trockenbürsten. Dabei von unten nach oben arbeiten zum Herzen hin. So fährst du dein System hoch und machst dich fit für den Tag.
  • Gemütlich frühstücken, ohne Hast...

Rituale am Abend

  • FußbadFrage dich eine Zeitlang vor dem Schlafengehen: was war heute schön – wofür bin ich dankbar – was habe ich heute gelernt – wen liebe ich – wer darf mich lieben?
  • Ein Fußbad oder Vollbad bei Kerzenschein und deiner Lieblingsmusik.
  • Vor dem Einschlafen kannst du gedanklich deinen Körper durchforsten und ihn wahrnehmen. Fang beim Kopf an und gehe dann runter bis in die Zehen. So fährst du dein System runter und kannst gut entspannen. Ich schlafe oft darüber ein.
  • Ein kurzer Spaziergang an der Abendluft (vielleicht musst du sowieso mit dem Hund raus?).
  • Ein Gebet...

Kennst du noch weitere Rituale? Wie verbringst du beispielsweise deine Mittagspause? Welche Rituale hast du für dich entdeckt, um mit Stress fertigzuwerden? Welche funktionieren gut? Welche weniger gut? Vieleicht hast du dir ja eigene Rituale geschaffen.

Beachte:

meditation-609235_640Rituale sollten nicht als Ersatzbefriedigung oder zur Verdrängung verwendet werden. Es hilft auch nichts, besonders viele verschiedene Rituale auszuführen oder ein und dasselbe Rituale dreißig Mal am Tag zu wiederholen. Das wäre kontraproduktiv. Vielmehr sollen Rituale dir helfen, deine Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit nach innen zu richten. Je intensiver die damit verbundenen Gefühle sind (im positiven Sinne natürlich), desto besser ist die beruhigende Wirkung auf dein Nervensystem. Die gestörten Informationsflüsse zwischen Nervenzellen werden synchronisiert.

Führe daher deine Rituale achtsam und bewusst aus und lasse sie nicht zur Routine werden. Sonst verlieren sie ihre heilsame Wirkung.

Schreibe mir, ich freue mich auf deine Erfahrungen.


*Begriffserklärung: Alltags-Dissoziation

Dissoziation (= Ausblenden, Abschalten)

Dissoziieren hilft, ein Trauma zu überleben. Grundsätzlich ist Dissoziation ein Alltagsphänomen und das Gegenteil von Assoziation. Wir dissoziieren und assoziieren ständig. Wir fügen zusammen und trennen oder schieben zur Seite. Unser Gehirn filtert aus, was es als

  • zu unwichtig oder
  • zu brisant

einschätzt.

Es gibt Menschen, die im größten Trubel alles um sich herum vergessen. Sie blenden Geräusche und Bewegungen um sie herum aus und vertiefen sich in ein Buch. Wer gut dissoziieren kann, kann sich aus der zusammenhängenden Wahrnehmung der Alltagsrealität einfach „wegbeamen“[1].

Allerdings ist eine gute dissoziative Fähigkeit im Alltag kein unbedingter Hinweis darauf, dass Dissoziation auch in extremen Stress-Situationen als Abwehrmechanismus zum Einsatz kommt.

[1] Huber, M. (2007):  Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung Teil 1, S. 53 ff. – 3. Aufl., Junfermann Verlag.

Der Stress mit dem perfekten Körper

Der Stress mit dem perfekten Körper

Übergewicht – warum Stress dick macht

StrandfigurDie Sommersonnenwende ist längst vorbei, die Tage werden allmählich wieder kürzer. Die Schafskälte schien dieses Jahr länger als sonst zu dauern, doch auch sie liegt hinter uns. Der Hochsommer ist da. Endlich können wir unsere muskelgestählten Körper in der Sonne räkeln und die bewundernden oder auch neidvollen Blicke unserer Mitmenschen auf uns ziehen.

WaageNanu, was ist denn das für ein gequälter Gesichtsausdruck? Hast du etwa keine Hollywood-Figur? Statt dessen Stress mit dem perfekten Körper? Du leidest unter Übergewicht? Du hast deine Ernährung umgestellt, rackerst jeden Tag im Fitness-Studio und nimmst trotzdem nicht ab? Du verstehst die Welt nicht mehr und bist der Verzweiflung nahe?

Ok, dann wollen wir uns einmal anschauen, warum das so ist.

Sofern du nicht unter einer Stoffwechselstörung, einer Schilddrüsenunterfunktion oder dergleichen leidest, keine Medikamente nimmst, die dich aufschwämmen, wie z. B. Cortison, oder sonstige körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können, könnte Stress eine Erklärung dafür sein, dass du Übergewicht hast und nicht abnimmst.

Jeder zweite Deutsche leidet unter Stress. Sei es durch Zeit- und Termindruck auf der Arbeit oder Doppelbelastung durch Beruf und Familie, Stress wegen gesundheitlicher Probleme oder aus welchem Grund auch immer.

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Stress verhindert die Fettverbrennung

Längst ist der Zusammenhang von Fettleibigkeit (Adipositas), Diabetes und chronischem Stress nachgewiesen. Doch wenn du erst einmal weißt, wie Stress entsteht, was er mit dir macht und welche Auswirkungen er auf deinen Körper hat, kannst du dem entgegenwirken. Dann kann deine Psyche sich entspannen, die Körperfunktionen können sich wieder regulieren und du kannst endlich dein Übergewicht loswerden.

In meinem Blog-Artikel „Distress und Eustress“ erfährst du, dass es zwei Arten von Stress gibt, nämlich positiven und negativen Stress. Positiver Stress (Eustress) wird nicht als Belastung empfunden, selbst wenn wir vorübergehend unter großem Druck stehen, um eine Aufgabe in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu erledigen.

Eustress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit von Körper und Geist. Du fühlst dich stark und könntest Bäume ausreißen. Nach getaner Arbeit fühlst du dich super und kannst dich nach der großen Anspannung auch wieder gut entspannen.

Negativer Stress (Distress) hingegen wirkt auf Dauer zerstörerisch. Sind wir über einen längeren Zeitraum Distress ausgesetzt, kann dies schwere psychische und körperliche Folgen haben. Wir können nicht mehr entspannen und werden krank an Körper und Seele.

Weitere Faktoren für Stress und Stress-Symptome findest du im Artikel „Stressauslösende Umstände“.

Warum kann der Körper nicht abnehmen, wenn wir unter Dauerstress stehen?

Wenn wir unter Stress stehen, schüttet unser Körper Stress-Hormone aus, z. B. Adrenalin, Nor-Adrenalin und Cortisol. Cortisol zieht die Proteine aus den Muskeln und wandelt sie in Zucker (Glukose) um. Der Muskel baut sich ab. Ebenso hemmt Cortisol den Abbau von Körperfett. Da viele Menschen einen gestörten Cortisol-Zyklus haben, weil sie abends nicht in den Schlaf kommen, morgens erschöpft aufwachen und dazu womöglich noch jede Menge Kaffee brauchen, um überhaupt wach zu werden, führt dies früher oder später in eine zerstörerische Abwärtsspirale, die in einem chronischen Erschöpfungssyndrom, auch Burnout genannt, enden kann.

drug-621843_640Doch ich will hier nicht allzu wissenschaftlich werden. Wichtig zu wissen ist, dass der Körper nur Fett abbauen kann, wenn er im Gleichgewicht ist zwischen Anspannung und Entspannung. Chronischer Stress hat eine negative Wirkung auf unser körperliches und seelisches Gleichgewicht. Denaturierte Lebensmittel tragen ebenso dazu bei wie zu wenig Schlaf, zu wenig Bewegung, zu wenig Sonnenlicht und übermäßiger Zigaretten‑, Alkohol- oder Drogenkonsum. Medikamente, wie z. B. Cortison oder Antipsychotika können den Körper aufschwemmen und das Abnehmen ebenfalls behindern, im schlimmsten Fall sogar unmöglich machen.

Unser Belohnungssystem im Gehirn

woman-674977_640Musst du auch essen, wenn du Stress hast? Es gibt Menschen, die haben überhaupt keinen Appetit, wenn sie nervös sind. Und es gibt welche, die reagieren bei Stress so, als hätten sie Hunger. Dann stopfen sie jede Menge Süßigkeiten in sich hinein, um ihren emotionalen Notstand zu beruhigen. Nach einer Tafel Schokolade geht’s ihnen dann wieder gut.

gummibarchen-442543_640Blöd ist nur: Hast du dich erst einmal daran gewöhnt, deine Nervosität durch Essen, vor allem Süßes oder Fettiges zu beruhigen, wirst du bald nicht mehr anders können als zu essen, wenn du in einem emotionalen Ausnahmezustand bist. Du programmierst sozusagen dein Essverhalten um. Die ursprüngliche Aufgabe des Gehirns, dich vor dem Verhungern zu bewahren, wird praktisch überschrieben. Dann werden Gehirn-Areale aktiv, die dir suggerieren: „Wenn du jetzt etwas isst, fühlst du dich gut.“ Sich dem zu widersetzen schafft auf Anhieb nicht jeder, man kann es aber lernen und trainieren.

Die Zusammenhänge von Stress, Übergewicht und Diabetes

Das Gehirn versorgt sich immer zuerst mit Energie, bevor es dem restlichen Körper (Muskeln, Organen etc.) etwas davon abgibt. Unser Gehirn benötigt rund 50 Prozent unseres täglichen Glukosebedarfs.

In seinem Buch „Das egoistische Gehirn“ erklärt Prof. Dr. Achim Peters von der Uni-Klinik Lübeck, wie Stress mit Übergewicht und Diabetes zusammenhängt. Ist die Energieversorgung des Gehirns gestört, kommt es zu einem Stau in der Lieferkette, so Prof. Peters. „Es gelingt dem Gehirn nicht, ausreichend Energie aus dem Körper anzufordern. Es gleicht die Unterversorgung aus, indem es über ein System aus Botenstoffen den Appetit stimuliert.“

Das Ende vom Lied: Wir essen oft mehr, als wir brauchen und erhöhen unser Risiko, an Adipositas (Fettsucht) und/oder Diabetes zu erkranken.

Übergewichtige leben länger

thick-373064_640Hab ich’s doch gewusst, höre ich jetzt viele sagen. Jetzt kann ich doch so bleiben wie ich bin.

Wie jetzt? Wir haben doch gerade gelernt, dass viele Menschen viel zu viel essen und unter Übergewicht zu leiden haben.

Ja, wer unter seinem Übergewicht leidet, sollte dringend etwas dagegen tun. Angemessene Bewegung, angemessene Ernährung und ausreichend Psychohygiene lautet die Devise.

Jedoch: dick heißt nicht gleich krank, und dünn heißt nicht unbedingt gesund. Krank macht das so genannte viszerale Fett. Es sitzt am Rücken, im Bauchraum und um die Organe herum. Viszerales Fett fördert Entzündungen und die Entstehung von Krankheiten. Es gibt Übergewichtige, die kein viszerales Fett haben. Und ebenso gibt es Schlanke, die durchaus viszerale Fettansammlungen im Körper aufweisen. Die Gründe dafür werden in der Genetik vermutet.

Ein niedriger Body-Mass-Index (BMI) ist kein Garant für ein längeres Leben. Die Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg fand heraus, dass Menschen mit einem BMI von 27 die geringste Sterberate haben. Das sind Menschen mit einem Gewicht von 78 Kilo und einer Größe von 1, 70 Metern, also nach BMI Übergewichtige.

Menschen lagern Fett ein als Schutzmechanismus gegen dauerhaften Stress. Diese Fetteinlagerung wird durch das Gehirn gefördert, weil es in Stress-Situationen Energie braucht.

bodybuilding-685077_640Alles für den perfekten Körper

Aber auch wer sich täglich auf die Waage stellt, zu viel Sport treibt und wessen Gedanken um nichts anderes mehr kreisen können, wie um die perfekte Figur, die perfekte Ernährung und das perfekte Aussehen, setzt sich unter Druck. Extremsportler oder auch Bodybuilder, die ständig auf ihre Ernährung achten müssen, und die sich kaputt trainieren, leiden oft unter Dauerstress. Und man sieht es ihnen auch an. Ihr Gesichtsausdruck ist eher verkniffen als entspannt. Sie sehen auch wesentlich älter aus als andere im selben Alter.

Wenn du dich mit Gedanken der Gewichtsreduktion trägst, solltest du vorher einen Stress-Check machen. Je entspannter du bist, desto leichter kannst du abnehmen. Die Gründe dafür kennst du jetzt.

Willst du deine Stressfaktoren identifizieren und lernen, wie du am besten entspannen kannst? 

meditation-609235_640Dann empfehle ich dir ein persönliche Sitzung mit mir. 

Dort finden wir gemeinsam heraus, welche Übungen und Stresslöse-Techniken für dich gut funktionieren und wie du sie im Alltag einsetzen kannst. 

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Seelenverlust nach traumatischen Erlebnissen

Seelenverlust nach traumatischen Erlebnissen

Körper und Seele bilden eine Einheit. Diese ist wiederum von einem universellen Geist, dem reinen Bewusstsein durchdrungen. Andernfalls wäre der Mensch unfähig, zu leben, zu fühlen, zu denken und zu lieben.

Durch ein traumatisches Ereignis, auf das der Organismus mit dem Schock-Mechanismus regiert, wird die Körper-Seele-Einheit auseinandergerissen. Sie zersplittert regelrecht.

Dissoziation = Seelenverlust

Splitter„Dissoziation bedeutet Auseinanderfallen der einheitlichen Erlebnisgestalt, der bewussten Erinnerung, des im Körper gespeicherten Schmerzes, der Angst, des Erschreckens, der tiefen Erschütterung durch ein Trauma. Dadurch werden diese Gefühle nicht mehr gespürt oder der traumatischen Situation nicht mehr zugeordnet“[1].

Das Trauma wird als Erinnerung im Körper abgelegt. Die körperorientierte Psychotherapie spricht hier von „Körpererinnerung“ oder „Körpergedächtnis“. Solange das Trauma nicht gelöst ist, bleibt es im Energiefeld gespeichert. Dort wirkt es als Anziehungspunkt für ähnliche Erfahrungen.

Deine vielen Körper

Der Mensch besteht nicht nur aus seinem physischen Körper, er verfügt darüber hinaus über weitere, feinstoffliche Ebenen, die auch als Auraschichten bezeichnet werden. Ich möchte dies anhand des 5‑Körper-Systems erklären, wenngleich es weit mehr Ebenen des menschlichen Seins gibt. Aber das würde hier zu weit führen, und ich möchte es einfach halten.5-Koerper-System

Die Abbildung zeigt, dass die verschiedenen Ebenen bzw. Auraschichten übereinanderliegen. Dies dient nur dem besseren Verständnis dafür, dass es mehrere Ebenen gibt, die uns als Menschen ausmachen. Vielmehr ist es so, dass sich die feinstofflichen Körper/Ebenen gegenseitig und alle unseren physischen Körper durchdringen.

Wir haben einen physischen Körper, mit Zellen, Organen, Muskeln, Knochen, DNS etc., mit dem wir unsere irdischen Aufgaben erledigen können, z. B. Schreiben, Sprechen, Laufen, Essen kochen, zur Arbeit gehen, Säen, Ernten usw. Er ist die dichteste Form unserer anderen Körper.

Es folgt der Ätherkörper, auch „ätherische Blaupause“ genannt. Er besteht aus feinen Energielinien und hat die gleiche Struktur wie der grobstoffliche Körper. Ohne dieses ätherische Energiefeld kann der physische Körper nicht existieren. Der Ätherkörper enthält den informellen Bauplan für unseren physischen Körper. Wenn dir beispielsweise Gliedmaßen, Zähne oder Organe fehlen, so sind diese immer noch als Information in der ätherischen Blaupause vorhanden. Vielleicht kennst du Menschen, die Phantomschmerzen haben, nachdem ihnen ein Arm oder Bein entfernt wurde. Sie spüren Schmerzen in ihrem physisch nicht (mehr) vorhandenen Körperteil oder Organ. Diese Phantomschmerzen resultieren aus dem fehlenden grobstofflichen Gegenstück zur ätherischen Blaupause.

Unser Astralkörper ist der emotionale Körper, der Körper des Fühlens und Spürens, der Körper unserer Wünsche, Ängste, Träume und Hoffnungen. Mit dem Astralkörper manifestieren wir unsere Wünsche in unsere physische Realität. Der Astralkörper kann den physischen Körper verlassen und auf „Wanderschaft“ gehen. Dies tut er meistens nachts, wenn wir schlafen. Aber auch tagsüber kann der Astralkörper sich loslösen, besonders in schmerzhaften, angstbesetzten und traumatischen Situationen.

Der Mentalkörper beinhaltet unsere Gedanken und Erinnerungen. Unsere Gedanken reichen über unseren Kopf hinaus, sie können nicht eingesperrt werden („Die Gedanken sind frei…“). Der Mensch produziert täglich 40.000 bis 80.000 Gedanken. Bewusste und unbewusste Denkprozesse, Bewertungen und Vorstellungen sind dem Mentalkörper zuzuordnen. Unsere Gedanken und Vorstellungen bestimmen unsere Realität.

Der spirituelle Körper wird auch als Hohes Selbst bezeichnet. Er hat die höchste Schwingungsfrequenz und verbindet uns mit dem reinen Sein. Keine Trennung, keine Polaritäten, keine Bewertungen, sondern reiner Geist, reines Bewusstsein. Der spirituelle Körper ist jener Teil von uns, der unsterblich ist und ewig fortbesteht.

Wenn der Astralkörper fliehen will[2]

Der Astralkörper und die anderen energetischen Körper müssen synchron aufeinander ausgerichtet und miteinander verankert sein, während wir in unserem physischen Körper leben. Dies ist wichtig, um ganz und heil zu sein. Es gibt Menschen, besonders solche, die ein oder mehrere Traumata erlitten haben, bei denen der Astralkörper nicht fest im physischen Körper sitzt und sozusagen aus ihm heraushängt. Hellsichtige können dies sehen und wissen, dass Menschen, bei denen der Astralkörper sich losgelöst hat, „spacy“ werden, d. h. nicht bei sich, abgehoben, abgekapselt, nicht im Körper sind (Depersonalisationszustände). Der Astralkörper ist der Körper, der in einer traumatischen Situation über das Kronen-Chakra (Energiezentrum am Scheitel) aus der Schädeldecke fliehen möchte. Er entkoppelt sich vom physischen Körper und will nur noch weg.

DepersonalisationDann kommt es zu so genannten Dissoziationsphänomenen. Der Mensch fühlt sich abgespalten von dem traumatischen Erleben und den damit verbundenen Gefühlen, Emotionen und Schmerzen. Ein Teil der Persönlichkeit möchte das Grauenhafte unzerstört überstehen, daher verlässt es den Menschen und flieht[3].

Ein Bekannter von mir wurde als Kind oft von Mitschülern geschlagen. Er berichtete mir, dass er den Schmerz und die Angst ausgeschaltet hat, weiß aber nicht, wie er das gemacht hat. Nun, dies geschieht unwillkürlich. Manche berichten, dass sie über der Situation „schweben“ und von oben beobachten, was da passiert, ohne die damit verbundenen Emotionen oder Schmerzen zu spüren. Sie beschreiben es so, als hätten sie selbst mit dem Geschehen nichts zu tun, als würde dort eine andere Person misshandelt.

Warum will der Astralkörper weg?

GesichtDer Astralkörper hat gelernt zu fliehen, wenn es brenzlig wird. So fühlt er den Schmerz nicht bzw. weniger davon.

Bliebe er komplett im physischen Körper, wäre es für ihn zu schmerzvoll, zu grauenhaft. Er will mit Gefühlen von Angst, Wut und Schrecken nicht in Berührung kommen.

Der Mensch lernt über das Gefühl

Das vermittle ich besonders im Vorgespräch einer Rückführung. Eine Volksweisheit sagt: „Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Und über das Fühlen und den Schmerz lernen wir dann doch endlich unsere Lektionen. Du hast dir dieses Leben ausgesucht, um menschliche Erfahrungen zu machen und zu lernen, sei es auch noch so schmerzhaft. Wenn du dich vor deinen Gefühlen und Emotionen drückst, wenn du das Leben mit seinen Höhen und Tiefen nicht leben willst, wird deine Seele sich nicht weiterentwickeln können.

Wenn ein Mensch aufgrund des abgespaltenen Astralkörpers sehr „verkopft“ ist und überwiegend im mentalen Bereich lebt, ist er unfähig, Zugang zu seinen Emotionen zu finden, positiven wie negativen. Ich kenne viele Menschen, bei denen dies der Fall ist. Einige davon haben schwere Traumata erlebt. Wird jedoch der Astralkörper wieder dauerhaft verankert, kannst du dich recht schnell durch dein Leiden hindurcharbeiten und wieder frei und ganz du selbst werden.

Schamanische Traumaarbeit – Seelenrückholung

Seelenverlust bedeutet im Schamanismus, dass dem bewussten Ich ein Teil der Seele verloren geht. Aber auch, dass dem Betroffenen durch den Schock ein Teil seiner Vitalität, seiner Lebendigkeit, seiner Lebenskraft, seiner „Seelenkraft“ verloren geht[4].

foot-450378_640In der schamanischen Traumatherapie können abgespaltene Seelenanteile, die durch angstbesetzte Ereignisse „geflohen“ sind, wieder zurückgeholt werden.

Zuvor wird ein „innerer sicherer Ort“ errichtet, an den sich der Betroffene zurückziehen kann. Dies geschieht über Imaginationsübungen. Diesen inneren sicheren Ort kennt nur der Betroffene selbst, niemand sonst. An diesem Ort hat der Betroffene einen besseren Zugang zu seinen Kraftquellen, hier kann er positive Gedanken und Gefühle erzeugen und für die Traumaarbeit nutzen.

Im weiteren Verlauf werden die Informationen, die zum Trauma gehören und im Energiefeld des Betroffenen gespeichert sind, so weit es geht aufgelöst, damit keine oder so wenig wie möglich Anknüpfungspunkte für ähnliche Ereignisse mehr vorhanden sind.

Das gesamte Energiefeld, die Aura wird geklärt und stabilisiert. So kann der Betroffene in der anschließenden Seelenrückholung die verloren gegangenen Seelenanteile wieder annehmen und in seine Gesamtpersönlichkeit integrieren.

Wurde das Trauma, welches im aktuellen Leben entstand, aufgelöst, jedoch die Gedanken- und Verhaltensmuster bzw. Symptome ändern sich nicht im gewünschten Maß, so muss nach Ereignissen gesucht werden, die weiter zurückliegen, z. B. in der frühen Kindheit, im Mutterleib oder in anderen Leben (siehe Rückführung).

Übung: So kannst du dich erden

Sorge dafür, dass du für ca. eine Viertelstunde ungestört bist.

Setze oder lege dich hin und mache es dir bequem. Wenn du sitzt, stell die Füße flach auf den Boden. Wenn du liegst, achte darauf, dass deine Hände und Beine nicht gekreuzt sind. Schließe die Augen und spüre, wo dein Körper die Unterlage berührt. Dann beobachte für eine Weile deinen Atem, wie er durch deinen Körper fließt.

Nun stell dir vor, wie aus deinen Füßen – wie bei einem Baum – Wurzeln wachsen, die sich tief in die Erde graben. Sie wachsen weiter und weiter, bis zum Mittelpunkt der Erde, wo sich ein strahlender Bergkristall befindet. Lass deine Wurzeln in den Kristall hineinwachsen, wo sie von helfenden Wesen liebevoll verankert werden. Spüre, wie Mutter Erde dich über deine Wurzeln nährt und mit allem versorgt, was du brauchst und was dir gut tut.

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Stell dir dann vor, wie du deine Hände in den Himmel streckst und deine Haare sich wie Antennen in den Kosmos richten. Über dein Kronen-Chakra, das Energiezentrum am Scheitel deines Kopfes, nimmst du nun die feinstofflichen Energien des Himmels in dich auf. Himmel und Erde fließen nun in deinem gesamten Körper, vom Kopf bis zu den Füßen und wieder zurück. Nimm es wahr, genieße es.


[1, 3 + 4] Madert, K.K. (2007): Trauma und Spiritualität: Wie Heilung gelingt.
Neuropsychotherapie und die transpersonale Dimension. – Kösel-Verlag.

[2] Eileen Nauman – www.medicinegarden.com

Kleiner Junge mit Hund

Tierische Therapeuten

Tiere als Helfer in Therapie und Pädagogik

Viele Menschen haben ein Haustier, ich behaupte einmal, die meisten von uns. Und jeder, der ein Haustier zu sich nimmt, tut das aus ganz bestimmten, individuellen Gründen.

TiereHelfer

Die Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren vermehrt mit der Wirkung von Tieren auf Menschen befasst. Leider hinkt Deutschland mit der Erforschung der „animal assisted therapy“, wie die tiergestützte Therapie in den angelsäschischen Ländern heißt, mal wieder hinterher. In den USA erschien bereits im Jahr 1969 das erste Werk zu diesem Thema, und es gibt weiterhin dazu viel Fachliteratur.

Doch inzwischen interessieren sich immer mehr Pädagogen und Therapeuten aus verschiedenen Richtungen für die tiergestützte Therapie bzw. tiergestützte Interventionen und setzen auch Tiere bei ihrer Arbeit ein. Mittlerweile gibt es sogar professionelle Weiterbildungen für Heilpädagogen, Sozialarbeiter oder auch Ergotherapeuten in tiergestützter Therapie.

Tierische Therapeuten

Tiere haben beim Menschen positive Auswirkungen, z. B.

  • Senkung des Blutdrucks
  • Reduktion der Herzfrequenz
  • Hormonhaushalt
  • Muskeltonus
  • Wahrnehmung (wird gefördert)
  • Entspannung im Gesicht (Mund-/Augenpartie)
  • Stimme wird weicher (Frequenz steigt)
  • Erhöhung der Aufmerksamkeit
  • Erhöhung der Kommunikations- und Leistungsfähigkeit

Die Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Tier

elephant-375_640Menschen und Tiere leben schon seit Ewigkeiten zusammen. Im Lauf der Geschichte domestizierte der Mensch die Tiere und setzte sie für die Arbeit ein, z. B. auf dem Feld. Je mehr sich der Mensch kulturell entwickelte, desto mehr veränderte sich auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier. In prähistorischen Hochkulturen spielten Tiere eine wichtige Rolle. So galten beispielsweise Katzen bei den alten Pharaonen als heilige Tiere. In Indien sind es bis heute noch die Kühe. In anderen Teilen der Welt gelten Elefanten als heilig.

Trotzdem wurden Tiere als niedere Wesen angesehen, die keine Seele besaßen. Erst Aristoteles (384−322 v. Chr.) sprach den Tieren eine Seele zu. Unter verschiedenen religiösen Einflüssen änderte sich diese Sichtweise jedoch immer wieder. Der Mensch ist in der Lage, über sich selbst nachzudenken, das Tier nicht, hieß es. Daher stellte man den Menschen über das Tier und nahm sich das Recht heraus, das Tier nach Belieben zu benutzen.

Erst im 18. Jahrhundert begann ein Umdenken. Der Philosoph und Naturforscher Jean-Jacques Rousseau fand heraus, dass Tiere sehrwohl ein Empfindungsvermögen haben. Und so nahm man nicht mehr allein die geistige Leistung als Maßstab, sondern entdeckte Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier, nämlich über das Fühlen und die Sensibilität. Damit veränderte sich erneut die Mensch-Tier-Beziehung. Nicht zuletzt durch die moderne Verhaltensforschung, die herausfand, dass Tiere leidensfähig sind.

War das Tier früher überwiegend Jagdgefährte oder Arbeitstier, so nimmt es heute einen immer wichtigeren Stellenwert im sozialen Bereich ein: das Tier als Freund und Familienmitglied.

Was ist tiergestützte Therapie?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sowohl in der Therapie als auch in der Pädagogik bzw. sozialen Projekten Tiere als Helfer eingesetzt werden mit dem Ziel, das psychische und körperliche Wohlbefinden oder das Sozialverhalten zu verbessern, Ängste abzubauen, Spannungen zu lösen und vieles mehr.

Welche Voraussetzungen muss ein Tier haben, um als Helfer eingesetzt zu werden?

Nicht jedes Tier eignet sich als Therapie-Tier. Um bei einer Therapie eingesetzt zu werden, muss das Tier bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Es muss

  • gesund und gepflegt
  • kontaktfreudig und neugierig sein und
  • ein freundliches Wesen haben

Es kann vorkommen, dass jemand mit motorischen Störungen das Tier etwas fester anpackt als ein gesunder Mensch. Oder dass sich aufgrund von psychischen Beeinträchtigungen, Ängsten oder emotionalen Belastungen ein Mensch nicht so verhält, wie er es sonst tun würde. Daher ist ein freundlicher und geduldiger Charakter des Tieres unabdingbar.

Welche Tiere sind als Co-Therapeuten geeignet und wo werden sie eingesetzt?

HUNDE
Der Hund als BegleiterIm medizinischen Bereich werden Hunde gerne in der Logotherapie eingesetzt.

Aber auch Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen, Erziehungsheime und sogar Justizvollzugsanstalten werden im Rahmen von Tierbesuchsdiensten besucht. In den USA wirkenTherapiehunde schon seit vielen Jahren in Krankenhäusern am Heilungsprozess von Patienten mit z. B. schweren Kopf- oder Rückenmarkverletzungen, Amputationen, Schlaganfällen und neuromuskulären Beeinträchtigungen mit.

Inzwischen gibt es sogar Hunde, die darin ausgebildet werden, Krebs zu erschnüffeln,  bevorstehende Epilepsie-Anfälle oder eine Unterzuckerung bei Diabetes-Erkrankten zu erkennen.

Aber nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen Bereich sind Hunde eine große Hilfe. In psychiatrischen Abteilungen oder psychotherapeutischen Praxen wird gerne mit Hunden gearbeitet. Der Körperkontakt zum Hund durch Streicheln und Kuscheln wirkt sich wohltuend auf die Seele des Menschen aus.

PFERDE
arabian-horse-656756_640Auch mit dem Pferd ist ein enger körperlicher Kontakt möglich. Die Hippotherapie wird in der Hauptsache zur Lösung von Verkrampfungen und zur Förderung von Gleichgewicht und Bewegung eingesetzt. Heilpädagogisches oder therapeutisches Reiten wird beispielsweise gerne bei Suchtpatienten oder bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

Ebenso bei Menschen mit Sprachstörungen oder mit psychischen bzw. psychosomatischen Beeinträchtigungen ist die Pferdetherapie sehr beliebt. Pferde und Esel werden auch gerne im Rahmen einer Angsttherapie eingesetzt. Denn das Führen eines so großen Tieres baut Unsicherheiten ab und stärkt das Selbstvertrauen. Ein Pferd lässt sich nämlich nur führen, wenn man sich selbst ganz sicher ist, wohin man will und das auch ausstrahlt. Schon die kleinste Unaufmerksamkeit genügt, und das Pferd macht was es will und nicht, was der Patient möchte.

DELPHINE
DelfintherapieDelphin-Therapien gehören zu den bekanntesten Therapieformen mit Tieren. Sie werden hauptsächlich bei Kindern angewendet, z. B. bei Autismus, dem Down-Syndrom oder geistigen Behinderungen.

Die Therapie findet im Wasser statt, was einen besonderen therapeutischen Effekt auf den Patienten hat: das Getragenwerden im Wasser, die Wärme der Sonne, die Wellenbewegungen des Wassers und natürlich der Kontakt zum Delphin haben eine überaus positive Wirkung auf den Patienten.

Delphine können erkennen, ob eine Frau schwanger ist. Über ihr Sonar nehmen sie wahr, dass im Bauch der Frau noch ein Herz schlägt. Das zieht sie magisch an.

Entspannung, Zufriedenheit, Steigerung der Kommunikation, längere Phasen der Aufmerksamkeit sind positive Effekte der Delphin-Therapie.

NUTZTIERE:
Nutztiere als TherapeutenKühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Gänse etc.
Nutztiere werden oft auf Bauernhöfen eingesetzt, die sich auf Tier-Therapien spezialisiert haben.

Hier wohnen und arbeiten Menschen mit geistiger Behinderung, psychisch oder psycho-sozial Beeinträchtigte, Suchtkranke, Demenzerkrankte oder verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche. Auch Ex-Häftlinge werden mit der Pflege eines oder mehrerer Tiere auf dem Therapie-Bauernhof betraut. Dies dient der Verbesserung des Sozialverhaltens im Rahmen von Re-Sozialisierungsmaßnahmen.

SONSTIGE TIERE
Haustiere als Therapeuten und BegleiterKatzen, Vögel, Meerschweinchen oder Fische werden in Krankenhäusern, Anstalten oder Kliniken eingesetzt, wo sie durch ihre bloße Anwesenheit wirken.

Dabei ist zu sagen, dass Katzen sich durch eine Besonderheit auszeichnen. Sie setzen oder legen sich gerne auf energetische Störfelder, z. B. Wasseradern.

Für wen sind Tiere als Co-Therapeuten geeignet?

Die Frage wurde zum Teil schon beantwortet, hier noch einmal zusammengefasst:

  • Verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • Kinder und Jugendliche in pschiatrischen und psychotherapeutischen Einrichtungen oder Praxen: Schwellenängste werden abgebaut. Tiere vermitteln eine entspannte und vertrauensvolle Atmosphäre, die Angst vor dem Therapeuten oder der Therapie wird genommen.
  • Senioren und Bewohner von Pflegeheimen: Oft sind diese Menschen alleine und haben niemanden, der sie besucht. Auch das Knüpfen von neuen Kontakten gestaltet sich oft schwierig. Zärtlichkeiten können nicht mehr ausgetauscht werden, sind oft sogar ein Tabuthema. Die älteren Menschen erfahren wieder Gefühle und Emotionen. Sie erleben Körperkontakt mit dem Tier, spüren seine Wärme, seinen Atem, seine pulsierende Lebendigkeit. Sie dürfen dem Tier ihre Zuneigung und Zärtlichkeit geben, anstatt selbst nur versorgt zu werden. Mit einem Tier lassen sich auch leichter soziale Kontakte herstellen, und Tiere helfen gegen die gähnende Langeweile des Alltags. Tiere vertreiben die Einsamkeit und senken nachweislich die Medikamentendosis.
  • Demenz- und Parkinsonerkrankte
  • Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen
  • Patienten mit neurologischen Störungen
  • Depressive und Suchterkrankte
  • AIDS- und Krebspatienten
  • Koma-Patienten und Menschen, die im Sterben liegen: Hunde werden hier gerne eingesetzt, sie helfen Druck abzubauen.

Die Wirkung der Tiere auf Menschen

Durch die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier, durch die gemeinsame Kommunikationsebene (non-verbal, Körpersprache), lösen sich Ängste und wird das Selbstbewusstsein gestärkt.

In der Begegnung mit einem Tier, z. B. mit einem Hund, erfährt der Mensch bedingungslose Liebe, Zuneigung und Akzeptanz. Dies erfahren sie von ihren Mitmenschen meist nicht. Das Tier nimmt uns so an, wie wir sind, ohne Vorurteile oder Zweifel. Die vertrauensvolle Öffnung des Patienten dem Tier gegenüber begünstigt den Heilungsprozess.

Auch tierische Therapeuten brauchen eine Auszeit

Tiere, die pädagogisch oder therapeutisch eingesetzt werden, sind oft einem hohen Maß an Stress ausgesetzt. Körperliche Zudringlichkeiten, raues Zupacken, zu viele Menschen, die sich um ein Tier drängeln, ungewohnte Gerüche oder Bewegungen durch die Patienten bedeuten für das Tier Stress.

Hunde am StrandWichtig ist daher, dass Personen, die therapeutisch mit Tieren arbeiten, das Tier oder die Tiere gut kennen, Stressreaktionen des Tieres erkennen und gut darauf reagieren können. Tierische Co-Therapeuten spüren Anspannungen und Ängste ihrer Patienten, was für sie eine zusätzliche Belastung darstellt. Deshalb braucht das Tier regelmäßige Pausen und Erholungszeiten. Tiere sind unsere Freunde und haben ein Recht auf ihre eigene Lebensfreude.

Alles in allem sind Tiere als therapeutische Helfer eine große Bereicherung. Eine verantwortlicher, artgerechter Umgang mit den Tieren, Sachkunde sowie eine spezielle Ausbildung ist bei tier-therapeutisch Arbeitenden unerlässlich.

Wie haben sich Tiere auf dein Wohlbefinden und auf deine Genesung ausgewirkt?

Schreibe mir. Ich freue mich auf deine Erfahrungen.

Hier noch ein paar Empfehlungen, falls Du Dich näher mit der tiergestützten Therapie oder Tieren in der Sozialen Arbeit mit Menschen befassen möchtest:

11 Tipps bei Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz

Arbeitskollegen können ganz schön gemein sein. Besonders, wenn sie der Meinung sind, sie seien etwas Besseres. Wenn ihnen dann noch deine Nase nicht gefällt, bist du dran, egal, wie nett oder kompetent du bist.

Dr. Cholerikus

57400-mobbingVor vielen Jahren hatte ich einen Kollegen, der eine Freude daran zu haben schien, andere zu gängeln und zu provozieren. Das hat er nicht nur mit mir, sondern auch mit anderen Kollegen gemacht. Er war von cholerischem Charakter, deshalb nenne ich ihn hier Dr. Cholerikus. Wir waren beide in einer Bundesoberbehörde beschäftigt. Ich war Referats-Sekretärin, mein Kollege hatte einen Doktortitel, den Beamtenstatus und eine entsprechend dotierte Besoldungsgruppe.

Talente werden nicht immer von allen geschätzt

Ich hatte immer schon eine schnelle Auffassungsgabe und konnte mich rasch in neue Themengebiete einarbeiten. Meine Arbeiten erledigte ich nicht nur gewissenhaft, sondern auch noch in einem Tempo, dass mein Referatsleiter immer staunte und lache und mich fragte, ob ich zaubern könne. Und so kam es hin und wieder vor, dass am Ende meiner Arbeit noch viel Zeit übrig war. Früher nach Hause gehen durfte ich nicht, schließlich hatte ein Arbeitstag 7,5 Stunden, und die mussten „abgesessen“ werden, egal ob man was zu tun hatte oder nicht. So war das jedenfalls damals im Öffentlichen Dienst.

Mein Referatsleiter sagte immer: „Frau Geiss, wenn Sie nach Leistung bezahlt werden würden, hätten Sie bereits mittags Feierabend.“
Der Leiter eines anderen Referates meinte, ich gehörte mit meinen Fähigkeiten in die freie Wirtschaft, dort könnte ich viel mehr Geld verdienen als im Öffentlichen Dienst. Tja, da mag er Recht gehabt haben, aber ich hatte damals ein kleines Kind und war alleinerziehend. Da bot mir der Job in der Behörde die Sicherheit, die ich brauchte. Und ich war glücklich dort.

My office is my castle

Ich hatte damals ein winzig kleines Büro, das nach heutigen EU-Richtlinien gar nicht mehr als Arbeitsplatz durchgehen würde. Darin befanden sich ein Aktenschrank, ein Schreibtisch mit PC, ein Telefon und natürlich ein Drehstuhl. Ich liebte dieses Büro. Es war klein, aber es war mein Reich. Mit den Kolleginnen und Kollegen im Haus hatte ich ein super gutes Verhältnis. Das Arbeitsklima wurde nicht zuletzt durch unseren Referatsleiter auf einem sehr familiären Niveau gehalten. Wir haben das alle sehr genossen.

Das Messer im RückenDr. Cholerikus hingegen war ein richtiger Stinkstiefel. Er war das, was man „hinterfotzig“ nennt. Zuerst tat er dir freundlich ins Gesicht, und kaum dass er sich umgedreht hatte, rammte er dir das Messer in den Rücken. Er konnte es nicht ertragen, wenn ich mal eine halbe Stunde Zeit hatte, um mit anderen KollegInnen im Haus ein Schwätzchen zu halten oder mich für die Arbeit im Labor interessierte.

Und so kam es, dass der werte Kollege immer mal wieder durch die Blume – manchmal auch sehr direkt – hatte fallen lassen, dass die Frau Geiss wohl entweder zu wenig zu tun oder zu viel frei hätte. Dabei war es ihm egal, ob andere Kollegen dabei waren oder nicht. Einmal fragte ich ihn vor versammelter Mannschaft, ob er denn glaubte, dass ich den ganzen Tag nur Däumchen drehen würde. Worauf er antwortete: „Nein, nicht den ganzen!“ Meine KollegInnen und ich schauten uns nur an, verdrehten die Augen und grinsten, weil klar war, dass Dr. Cholerikus mal wieder eine Laus über die Leber gelaufen sein musste.

Er war auch ein Meister der Unterstellungen. Ich erinnere mich, dass er ein paar Mal versuchte, mir etwas unter die Weste zu jubeln, um mich dann „hochgehen“ zu lassen. Da ich den Braten aber schon 10 Meilen gegen den Wind roch, beugte ich vor und machte mir zu allem, was er mir auftrug, Notizen und zeichnete die Arbeiten, die ich erledigt hatte, mit Datum und Kürzel ab. Obendrein machte ich davon Kopien und verwahrte sie bei mir auf. Wie gut, dass ich das tat.

Nicht mit mir!

Eines Tages kam er zu mir ins Büro und versuchte, mich zur Sau zu machen, weil ich angeblich eine bestimmte Aufgabe nicht erledigt hätte. Ich griff kurzerhand in meine Schublade und zog das Beweisstück hervor. Das brachte ihn erst recht auf die Palme, denn mit so viel Pfiffigkeit meinerseits hatte er nicht gerechnet. Er hielt sich nämlich für oberschlau. Da kannte er aber die Frau Geiss noch nicht. Die hat zwar keinen akademischen Grad, steht Dr. Cholerikus jedoch in Sachen Intelligenz und Straßenschläue in nichts nach. Ätsch.

Als er dabei war, mich anzubrüllen, wurde ich immer ruhiger, stand nur da und schaute ihn an, bis er fertig war. Durch die Lautstärke, die er an den Tag legte, ließ es sich nicht vermeiden, dass die KollegInnen im Haus das mitbekamen.

Rote Karte für MobberDann brüllte ich zurück: „Du verlässt auf der Stelle mein Büro. Und du kommst erst dann zurück, wenn du wieder normal geworden bist. Dann darfst du mich fragen, ob ich wieder etwas für dich schreibe. Andernfalls kannst du dich in Zukunft an die Schreibkanzlei im Haupthaus wenden.“

Dr. Cholerikus verschlug es die Sprache, er lief puterrot an und drohte fast zu ersticken. Wutentbrannt machte er auf dem Absatz kehrt und verließ mein Büro. Drei Tage lang sprach er kein Wort mit mir. Danach behandelte er mich mit einer Freundlichkeit, die schon fast nicht mehr zu ertragen war. Nicht dass er sich etwa entschuldigt hätte, nein, das hätte Dr. Cholerikus nicht über sich gebracht. Aber er machte sich mit seinem Verhalten zum Gespött des ganzen Referates. Es war köstlich und ging mir runter wie Öl.

Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass so ein Verhalten „Mobbing“ genannt wird. Und natürlich gibt es viele, die am Arbeitsplatz gemobbt werden. Gott sei Dank bin ich mit genügend Selbstbewusstsein und Schlagfertigkeit ausgestattet, sonst hätte ich mich gar nicht getraut, mich zu wehren.

Was ist Mobbing?

Wir alle haben eine Vermutung, was Mobbing ist, haben es vielleicht selbst schon erlebt oder können zumindest einige der nachfolgenden Punkte benennen:

Mobbingarten

Die allgemeine Definition von Mobbing geht auf den Psychologen Heinz Leymann (1932−1999) zurück. Er gilt als Pionier in der Mobbingforschung:

„Eine Person wird an ihrem Arbeitsplatz gemobbt, wenn sie im Konflikt mit Kollegen oder Vorgesetzten in eine unterlegene Position gekommen ist und auf systematische Weise über mindestens 6 Monate hinweg mindestens einmal pro Woche einer der folgenden 45 feindseligen Handlungen ausgesetzt ist:“

Einige dieser 45 feindseligen Handlungen seien an dieser Stelle aufgeführt. Die restlichen findest du unter dem o. g. Link.

  • Gerüchte werden verbreitet
  • Ständige Kritik an der Arbeit oder am Privatleben
  • Man gibt dem Betroffenen sinnlose Arbeitsaufgaben
  • Man gibt dem Betroffenen Aufgaben, die seine Qualifikation weit übersteigen, um ihn zu diskreditieren
  • Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann
  • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten

Die juristische Definition von Mobbing lt. Urteil des Landgerichts Thüringen vom 10.04.2001 (Az. 5 Sa 40300) lautet:

„Im arbeitsrechtlichen Verständnis erfasst der Begriff des „Mobbing“ fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die nach Art und Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielsetzung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere ebenso geschützte Rechte wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen…“ 
zum Volltext

mobbingKollegInnen sind keine Punching-Bälle

Es gibt Menschen, die loten mit ihrem Verhalten ihre Grenzen aus und prüfen, wie weit sie bei dir gehen können. Mein Kollege war so jemand. Er versuchte es immer wieder bei mir. Und je mehr Kontra ich ihm gab, desto größer wurde sein Respekt. Im Laufe der Zeit wurde er immer zahmer. Und wenn er mal wieder drohte auszubrechen, wies ich ihn in seine Schranken und gut war.

Manche wollen auch einfach nur ihren Frust und ihre Aggressionen an ihren KollegInnen ablassen, weil sie nicht wissen, wohin damit. Wenn du so jemand bist, solltest du darüber nachdenken, ob ein Anti-Aggressionstraining nicht angebrachter wäre. Kauf dir einen Boxsack und bearbeite den nach Herzenslust. So sorgst du dafür, dass du, deine Mitmenschen und deine Beziehung zu ihnen heil bleiben.

11 Tipps bei Mobbing am Arbeitsplatz

11TippsbeiMobbing

Bist du schon einmal Opfer von Mobbing geworden?

Schreibe mir deine Erfahrungen dazu.

  • Wie hast du dich gefühlt?
  • Was hast du gesagt/getan?
  • Konntest du dich wehren?
  • Wenn ja, wie hast du das angestellt?

Wenn du gemobbt wirst und psychologische Unterstützung brauchst, stehe ich dir für ein kostenloses 15-minütiges Telefonat zur Verfügung. Danach kannst du entscheiden, ob du weiter mit mir arbeiten möchtest.

Tel. 030 – 7790 9225


Bildquellen:

Beitragsbild ganz oben:
Anti-Mobbing e.V.: http://www.muenster.org/antimobbing/

„Messer im Rücken“
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/experten-analysieren-mobbingfaelle-und-geben-tipps-a-825551.html

„Sorry“ – Iodilavoro.it
http://www.wirtschaft.ch/Supervision+schuetzt+vor+Mobbing+am+Arbeitsplatz/420600/detail.htm

„Mobbing – eine schlimme Sache“:
https://notendur.hi.is/ems/Forum/artikeldeutsch/Gesellschaft/mobbing1.htm

 

Einkaufsstress‑3

Einkaufsstress – Teil 3

Wenn Shoppen zum
Alptraum wird

Quelle: Instagram
Quelle: Instagram

Nicht nur Frauen leiden unter Einkaufsstress, sondern auch Männer. Für sie sind die ausgedehnten Shoppingtouren ihrer Freundin oder Ehefrau der absolute Horror. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Es gibt für Männer nichts Langweiligeres als ihrer Freundin beim Shoppen zuzuschauen. Während sie im Laden nach brauchbaren Klamotten oder Schuhen sucht, darf er danebenstehen oder in einer Ecke sitzen und Löcher in die Luft gucken.

Sie könnte ja alleine shoppen gehen, doch sie will ihn unbedingt dabei haben. Sie will seinen Rat, will wissen, ob das Teil der Begierde ihm auch gefällt. Sie will ihn dabei haben, vielleicht nicht zuletzt deswegen, weil er die Kreditkarte hat? Er gibt sich wirklich Mühe, nichts Negatives zu sagen, denn darauf reagiert sie allergisch. Und dann ist das Wochenende dahin. Also bewundert er all die Handtaschen, die sie ihm zeigt und bestärkt sie darin, doch alle drei zu kaufen, weil sie sich mal wieder nicht entscheiden kann.  Freudestrahlend bezahlt sie die neuen Errungenschaften und drückt ihm noch eine Einkaufstüte in die Hand. Er verdreht die Augen und betet, dass die Einkaufsmeile doch hier zu Ende sein möge…

Selbstmord durch Einkaufsstress

boutique-646295_640Langeweile ist ein riesiger Stressfaktor, der oft unterschätzt wird. Häufig oder über einen längeren Zeitraum Dinge zu tun, die man absolut nicht mag, stresst ebenfalls. Es führt zu Gereiztheit, Nervosität, Aggressivität, Erschöpfung und manchmal auch zu Kurzschlusshandlungen.

So hat sich vor einigen Jahren ein 28-jähriger Mann in China das Leben genommen, weil er den Shopping-Marathon seiner Freundin nicht länger ertragen konnte. Der Mann folgte seiner Freundin bereits seit fünf Stunden durch die Geschäfte eines großen Einkaufszentrums. Mit zahlreichen Tüten bepackt war er genervt und wollte endlich nach Hause. Doch seine Freundin wollte unbedingt noch in ein weiteres Geschäft mit Schuh-Angeboten gehen. Der junge Mann meinte: „Du hast doch bereits mehr Schuhe, als du in deinem Leben je tragen kannst.“ Seine Freundin schrie ihn an: „Du bist ein Geizhals und verdirbst mir Weihnachten.“ Da warf der junge Mann die Tüten beiseite und sprang über die Brüstung im 7. Stock in die Tiefe. Die Notärzte konnten ihn nicht mehr retten. Er war tot.

Einkaufsstress vermeiden – alleine losziehen

Liebe Geschlechtsgenossinnen. Habt ein Einsehen mit euren Männern. Ich lasse meinen lieber zuhause, wenn ich Shoppen gehen will. Denn wenn er dabei ist, haben wir beide Stress. Das braucht keiner von uns. Wenn ich Klamotten kaufen gehe, brauche ich Zeit, denn ich muss unzählige Male in die Umkleide und wieder raus, bis ich endlich ein Teil gefunden habe, das

  1. mir gut passt,
  2. nicht zu teuer ist und
  3. auch noch gut aussieht.

Und ihr wisst selbst, diese drei Dinge unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung für jede Frau und ein Stressfaktor für sich.

Quelle: Instagram
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Wenn ich weiß, dass es meinem für meinen Mann eine Quälerei ist, mich beim Shoppen zu begleiten, verlange ich es auch nicht von ihm. Punkt. Aus.

Ich möchte nicht die ganze Zeit über seine miese Laune ertragen, weil er sich langweilt oder genervt ist. Er möchte sich die Zeit auch lieber anders vertreiben. Also, warum nicht?

Getreu nach dem Motto „Schmerz vermeiden – Freude erleben“ wird also jeder von uns seinen Vorlieben nachgehen, ohne Einkaufsstress.

In großen Einkaufszentren gibt es so genannte „Kinderparadiese“, Spielecken mit Bällebad, wo man die lieben Kleinen während des Shoppens abgeben kann. Gibt es sowas eigentlich auch für Männer?

Quelle: borispfeiffer.de
Quelle: borispfeiffer.de

„Der erschöpfte Klausi möchte aus dem ‘7. Himmel’ abgeholt werden.“

Okay, ich werde diesen Gedanken lieber nicht weiterdenken…

Hier noch ein erheiterndes, nicht ganz so ernst gemeintes Beispiel für Einkaufsstress beim Shoppen. Es ist ein Auszug aus einer Karnevalsrede, die ich vor vielen Jahren einmal gehalten habe. Die Story ist natürlich entsprechend überzogen. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht kommt dir das sogar bekannt vor oder du kennst jemanden, dem das schon mal passiert ist…

Ich wollte neulich einen Einkaufsbummel in der Stadt machen und habe mir gedacht: ich nehme meinen Mann mit, dann kommt der auch mal raus – und wir machen uns einen richtig schönen Nachmittag.

Na, der hat sich vielleicht gefreut...

Übrigens, damit ihr es wisst: Männer brauchen klare Ansagen, damit sie genau wissen, woran sie sind. Wenn ihr also wollt, dass eure Männer mit euch ins Einkaufszentrum fahren, dann müsst ihr so genau und exakt wie möglich definieren, was ihr da wollt, warum und wie lang es dauert. kichern

So habe ich also zu meinem Liebsten gesagt: Mein Herzkartöffelchen, du Marzipanfüllung in meinem Schokoladenherzen, ich will heute Nachmittag um 15 Uhr zu C&A fahren, ich brauche eine schwarze Stoffhose. Ich verspreche dir, in spätestens 20 Minuten sind wir da wieder draußen  und fahren danach gleich in den Baumarkt...  Kaum waren wir bei C&A drin, wurde ich von einem traumhaften violett-grün changierenden Etui-Kleid aus gekämmter Wildseide magisch angezogen. Ein richtig scharfes Teil. Ich grabschte mir den Fummel, zog ihn über und sagte zu meinem Schatz: Na, mein Gummibärchen, was sagst du zu diesem Outfit? 

Er fragte mich: Soll ich ehrlich sein oder höflich?

Ich sagte: Ehrlich natürlich, du weißt doch dass ich die Wahrheit vertragen kann.

Da säuselte mein Liebster: Fantastisch, ein Traum, das sitzt an dir wie angegossen. – Können wir jetzt gehen?

Ich sagte: Moment, was soll das denn heißen – wie angegossen? Willst du vielleicht damit sagen, das Kleid ist zu eng?

Nein, auf gar keinen Fall, du siehst toll aus. – Können wir jetzt gehen?

Ich rief: Halt, ich hab gesagt, du sollst ehrlich sein, also bitte. Findest du das Kleid zu eng oder nicht?

Na ja...zu eng würde ich nicht sagen, vielleicht ein bisschen s p a c k.

S p a c k – auf das Wort bin ich allergisch... 

Nachdem ich mich von meinem Tobsuchtsanfall erholt und mir den Schaum vom Mund gewischt hatte, sagte meine bessere Hälfte süffisant lächelnd: 

Trüffelchen, reg dich nicht auf. Du weißt, dass ich nicht unbedingt der ideale Modeberater bin. Mit Farben und Mustern kenne ich mich auch nicht so gut aus, obwohl du in violett-grün changierender Wildseide ganz bezaubernd aussiehst. Und ich hab auch wirklich für vieles Verständnis – aber nicht für einen 42er Arsch in einem 38er Fummel…

So, Mädels. Das haben wir nun davon, wenn wir wollen, dass unsere Partner uns die Wahrheit sagen, weil wir meinen, wir könnten sie vertragen. Wer bei dieser Nummer mehr Einkaufsstress hatte, weiß ich nicht. Fest steht jedoch, dass Shoppingtouren mit dem Partner meist nicht gutgehen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Coaching-Tipp

 

 

Wenn du unbedingt eine Begleitung brauchst, nimm jemanden mit, der sich sowieso für Mode interessiert und es liebt, stundenlang shoppen zu gehen. Benötigst du zum Bezahlen die Kreditkarte deines Partners, wird er sie dir vielleicht freiwillig geben, wenn er dafür nicht mit zum Shoppen muss. Es sei denn, er hat Angst, dass du zu viel Geld ausgibst und hält lieber die Hand drauf – tja, dumm gelaufen 😉

Die Checkliste Einkaufsstress hilft dir, deine Stressfaktoren beim Shoppen zu identifizieren. Hier downloaden: Checkliste Einkaufsstress

Wie du Einkaufsstress vermeidest und
eine entspannte Haltung zum Einkaufen entwickelst,
zeige ich auch dir im persönlichen Coaching. 
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